Nicola Zingaretti | Bildquelle: AP

Corona-Krise in Italien Chef von Regierungspartei infiziert

Stand: 07.03.2020 18:40 Uhr

Ärzte im Ruhestand werden zurückgeholt, Justizämter setzen ihre Arbeit weitgehend aus, der Papst spricht per Liveschalte - Italien kämpft weiter gegen das Coronavirus. Auch ein Spitzenpolitiker ist infiziert.

Von Sabina Matthay, ARD Studio Rom

Es war wohl nur eine Frage der Zeit: In Italien hat sich der erste Spitzenpolitiker angesteckt. "Es ist so weit, auch ich habe das Coronavirus", teilte Nicola Zingaretti, der Chef des Partito Democratico (PD) und Regierungspräsident der Region Latium per Video über Facebook mit.

Der Sozialdemokrat gab sich trotz der Diagnose gelassen. Es gehe ihm gut, so Zingaretti. Alle Personen, mit denen er in den vergangenen Tagen Kontakt gehabt habe, seien informiert.

Dabei könnte es sich auch um Mitglieder der italienischen Regierung handeln - die Sozialdemokraten sind Teil des Regierungsbündnisses in Rom.

Live-Übertragung von Papst-Rede

Auch Papst Franziskus macht jetzt vom Internet Gebrauch. Der Pontifex hat sich zwar nicht mit dem Virus angesteckt, doch am Sonntag wird er das Angelus-Gebet nicht am Fenster zur Menge auf dem Petersplatz sprechen. Stattdessen wird das Gebet von der Bibliothek des Apostolische Palastes aus live übertragen. Auch die Generalaudienz am kommenden Mittwoch findet per Livestream statt. Im Vatikan ist bisher ein einziger Covid-19-Fall bekannt.

Italien bleibt der größte Infektionsherd in Europa. Das Tempo der Ausbreitung des Erregers ist ungebrochen. Bisher sind mehr als 5800 Infektionen im Land registriert, 233 Menschen starben nach Angaben des Zivilschutzes inzwischen an der neuartigen Lungenkrankheit.

Prozesse können verschoben werden

Die italienische Regierung versucht nun, die Ausbreitung des Covid-19-Erregers mit immer neuen Maßnahmen einzudämmen. So wird beispielsweise die Arbeit der Justizbehörden eingeschränkt. In den Justizämtern werde die Arbeit ähnlich wie während der Sommerpause zunächst für zwei Wochen weitgehend eingestellt, teilte Justizminister Alfonso Bonafede mit. Zudem können Prozesse bis Ende Mai verschoben werden, mehr Anhörungen sollen per Videokonferenz stattfinden.

Dem Vernehmen nach erwägt die Regierung auch, die Schließung von Kindergärten, Schulen und Universitäten zu verlängern. Bisher gilt die Schließung bis Mitte März.

Mediziner im Ruhestand reaktiviert

Zur Stärkung des italienischen Gesundheitswesens sollen nun schnell 20.000 Ärzte und Pflegekräfte zusätzlich eingestellt und die Betten in Intensivstationen aufgestockt werden. Mediziner im Ruhestand werden bereits reaktiviert. Auch könnten für Quarantänevorkehrungen Hotels genutzt werden. Der Tourismus in Italien ist infolge der Coronakrise ohnehin eingebrochen.

Zur Bekämpfung des Covid-19-Erregers und zu Linderung der Folgen der Coronakrise für die heimische Wirtschaft hatte die italienische Regierung in dieser Woche ein Maßnahmenpaket im Wert von rund 7,5 Milliarden Euro angekündigt.

Corona-Krise in Italien: Spitzenpolitiker infiziert
Sabina Matthay, ARD Rom
07.03.2020 16:30 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. März 2020 um 18:16 Uhr.

Korrespondentin

Sabina Matthay | Bildquelle: rbb Logo RBB

Sabina Matthay, RBB

Darstellung: