Medizinisches Personal in Lissabon | Bildquelle: REUTERS

Coronavirus-Mutation Dramatische Lage in Portugal

Stand: 21.01.2021 17:57 Uhr

In Portugal spitzt sich die Corona-Krise drastisch zu. Aufgrund der hohen Zahlen werden ab morgen alle Kindertagesheime, Schulen und Universitäten geschlossen. Die britische Virus-Variante macht 13 Prozent der Neuinfektionen aus.

Wegen der sich drastisch zuspitzenden Corona-Krise werden in Portugal alle Kindertagesheime, Schulen und Universitäten geschlossen. Die Maßnahme werde ab morgen und für die nächsten zwei Wochen gelten, erklärte Ministerpräsident António Costa. Er begründete die umstrittene Schließung mit dem starken Anstieg der Ansteckungen im Zusammenhang mit der in Großbritannien aufgetretenen Virus-Mutation. Nach amtlichen Angaben macht diese derzeit 13 Prozent der Neuinfektionen aus.

Dramatische Zahlen

Costa sagte, die nächsten 15 Tage werde es auch kein Online-Lernen geben. Der ausgefallene Präsenzunterricht solle in den kommenden Ferien nachgeholt werden. Einige Schulen würden aber zur Betreuung der Kinder von Arbeitnehmern wesentlicher Sektoren geöffnet bleiben. Auf einer außerordentlichen Kabinettssitzung wurde auch die Schließung aller Bürgerberatungsstellen beschlossen. Zudem sollen sich Gerichtsverhandlungen auf dringende Fälle beschränken.

Die Zahlen Portugals seien "besonders dramatisch", sagte Ministerpräsident António Costa. Das Land mit rund 10,3 Millionen Einwohnern hatte am Mittwoch einen neuen Höchstwert an Infektionen binnen 24 Stunden gemeldet: Mit fast 14.700 neue Ansteckungen ist dies ein Anstieg gegenüber dem Vortag um 40 Prozent. Zudem wurden 219 weitere Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus registriert, auch das ist ein Höchstwert. Heute wurden 13.544 Neuinfektionen gemeldet.

Nur zwei EU-Länder stehen schlechter da

Im Vergleich zu anderen Ländern Europas war Portugal lange Zeit relativ glimpflich durch die Pandemie gekommen. Seit dem Herbst wird die Lage aber immer schlechter. Nach jüngsten Zahlen der EU-Agentur ECDC steckten sich zuletzt binnen 14 Tagen 1215 Menschen je 100.000 Einwohner mit dem Virus an. Nur zwei der 30 erfassten Länder stehen schlechter da: Irland mit rund 1444 sowie Tschechien mit 1362. Für Deutschland betrug dieser Wert etwas mehr als 319.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Lissabon wurden seit Pandemiebeginn gut 595.000 Infektionen nachgewiesen. 9686 Menschen starben mit Covid-19.

Gesundheitssystem kurz vor Kollaps

Immer besorgniserregender wird die Lage in den Krankenhäusern. Die Zahl der auf Intensivstationen behandelten Covid-Patienten stieg in nur einer Woche von 611 auf 702.

Das nationale Gesundheitssystem sei bereits jetzt am Rande des Zusammenbruchs. Es mangele an Betten für die Intensivpflege und an Pflegepersonal, um die Corona-Patienten zu versorgen. "Das Gesundheitssystem kann dieses Ausmaß an Infektionen nicht handhaben", sagte Gesundheitsministerin Marta Temido dem Sender RTP.

Seit vergangenem Freitag herrscht bereits ein Lockdown, der dem vom Frühjahr 2020 ähnelt. Das Haus darf nur aus triftigem Grund verlassen werden. Homeoffice ist überall dort, wo möglich, Pflicht. Gaststätten und Geschäfte - außer für Lebensmittel und den täglichen Grundbedarf - müssen geschlossen bleiben. Präsenzunterricht war bisher aber noch nicht untersagt worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Januar 2021 um 17:00 Uhr.

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