Muslime beim Gebet | Bildquelle: AP

Moscheen in Pakistan Mit Teppichverboten gegen Corona

Stand: 20.04.2020 08:46 Uhr

Kurz vor Beginn des Fastenmonats Ramadan ist in Pakistan das Versammlungsverbot in Moscheen gelockert worden. Ein 20-Punkte-Plan soll für Sicherheit sorgen. Dazu zählt: Teppichverbot in Gebetshäusern.

Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Der pakistanische Staat will die Gläubigen nicht von religiösen Ramadan-Zeremonien abhalten. Das sagte Präsident Arif Alvi am Wochenende nach einem Treffen mit führenden Geistlichen verschiedener Strömungen des Islam.

Allerdings wurde zum Schutz der Gläubigen ein 20 Punkte umfassender Plan beschlossen. So sollen zum Beispiel aus hygienischen Gründen die Teppiche in den Gebetshäusern entfernt werden. Außerdem würden die Betenden aufgefordert, Abstand zueinander einzuhalten. Ältere Muslime über 50 dürfen an den Gebetsversammlungen nicht teilnehmen.

Gebete in der Badshahi-Moschee in Lahore, Pakistan
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Pakistanische Muslime versammeln sich an der Badshahi Moschee in Lahore.

Widerstand im Vorfeld

Zahlreiche religiöse Führer in Pakistan hatten zuvor angekündigt, dass sie ein Versammlungsverbot in den Moscheen während des Ramadan nicht akzeptieren würden.

Man werde aber die Empfehlungen befolgen, Abstand zu halten, sagte Mufti Muneeb-ur Rehman auf einer Pressekonferenz: "Das Thema Versammlungsverbot in Moscheen ist vom Tisch. Das gilt für Moscheen nicht mehr. Die Moscheen bleiben geöffnet. Alle täglichen fünf Gebetszeiten in den Moscheen, das Freitagsgebet und auch die Gebetsversammlungen während des Ramadan, werden stattfinden."

Ärzte in Pakistan hatten vor einer Lockerung des Versammlungsverbots gewarnt. Dies könne dazu führen, dass die Zahl der Infektionen und auch die Zahl der Todesfälle dramatisch steigen.

Das sagte Seema Jalali, die Direktorin des Jinnah-Krankenhauses in Karachi, das als Spezialklinik für Corona-Infizierte ausgewiesen wurde: "Ich halte nichts von einer Lockerung der Maßnahmen, denn das Virus wird sich dadurch noch schneller verbreiten, vor allem in Gebetshäusern - und auf öffentlichen Plätzen mit vielen Menschen."

Straße mit vielen Passanten während des Corona-Lockdowns in Rawalpindi, Pakistan | Bildquelle: SOHAIL SHAHZAD/EPA-EFE/Shutterst
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Straße mit vielen Passanten während des Corona-Lockdowns in Rawalpindi, Pakistan.

Ausbreitung beschleunigt

Die offizielle Zahl der Corona-Fälle in Pakistan liegt jetzt bei über 8300, mindestens 168 Menschen, so heißt es, sind gestorben.

Die sogenannte Verdopplungszeit liegt nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität bei zehn Tagen. Demnach beschleunigt sich die Ausbreitung des Corona-Virus in Pakistan.

Hilfe für die Armen

Besonders betroffen von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie sind die Armen - darunter Tagelöhner, die von der Hand in den Mund leben und keine Rücklagen bilden können.  

Für sie hat die pakistanische Regierung ein Soforthilfe-Programm gestartet und in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden Ausgabestellen für Bargeld-Unterstützung eingerichtet, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur AP zu sehen war.

Rund zwölf Millionen bedürftige Familien sollen umgerechnet je 70 Euro erhalten.

Frauen in Karachi warten auf Auszahlung von Hilfsgeldern in der Corona-Krise | Bildquelle: AFP
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Frauen in Karachi warten auf Auszahlung von Hilfsgeldern in der Corona-Krise.

Hamsterkäufe verboten

Um Versorgungsengpässe zu vermeiden, hat die pakistanische Regierung Hamsterkäufe für illegal erklärt.

Wie Justizminister Farogh Naseem am Wochenende bei einer Pressekonferenz in Islamabad ankündigte, soll die unerlaubte Ansammlung von Lebensmitteln und anderen Waren mit Gefängnis von bis zu drei Jahren bestraft werden.

Moscheen in Pakistan bleiben trotz Corona geöffnet
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
20.04.2020 09:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell Radio am 20. April 2020 um 10:28 Uhr.

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