Pflegerin schiebt Patienten im Rollstuhl | Bildquelle: dpa

WHO-Bericht Sechs Millionen Pflegekräfte fehlen

Stand: 07.04.2020 10:37 Uhr

An Pflegekräften mangelt es immer überall - und ganz besonders in Krisenzeiten. Doch dass es zu wenig Pflegepersonal gibt, ist kein Wunder - das legt jedenfalls ein aktueller Bericht der WHO nahe.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Die derzeitige Corona-Pandemie macht weltweit deutlich, wie wichtig Pflegekräfte für die Gesellschaft sind. Am heutigen Weltgesundheitstag sollen die Arbeitsbedingungen von Pflegekräften und Hebammen in den Fokus gerückt werden. Erstmals stellte die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Bericht zur Situation des pflegenden Gesundheitspersonals vor.

Erstmals umfassender weltweiter Überblick

Noch nie habe es einen derart umfassenden Überblick über die Situation dieses Berufsstandes in aller Welt gegeben, betonen die Macher des 144-seitigen Berichts: die WHO, der Weltverband der Pflegeberufe und die von beiden gemeinsam ins Leben gerufene Pflege-Kampagne "Nursing now" - auf Deutsch: "Krankenpflege jetzt". Der Report zeigt auf, dass seit 2013 die Zahl der Krankenschwestern und Pfleger um fast fünf Millionen gestiegen ist auf weltweit 28 Millionen.

Und dennoch mangele es an Pflegekräften, so Mary Watkins, die stellvertretende Vorsitzende von "Nursing Now": "Der Bericht zeigt sehr deutlich, dass wir nicht genügend Krankenschwestern und Pfleger haben, um das von der Weltgemeinschaft vereinbarte Nachhaltigkeitsziel 'Gesundheit für alle' bis zum Jahr 2030 zu erreichen." Die Zahl der qualifizierten Krankenschwestern und -pfleger müsse um mindestens sechs Millionen erhöht werden, um das Ziel zu erreichen, so Watkins.

Zu wenige Pflegekräfte - ungerecht verteilt

Am meisten fehlen Pflegekräfte dem Bericht zufolge in Afrika, Südostasien, im Nahen Osten und in einigen Ländern Lateinamerikas. Überhaupt ist die Verteilung sehr ungleich: Mehr als 80 Prozent der Pflegekräfte arbeiten in Ländern, in denen gerade einmal die Hälfte der Weltbevölkerung lebt. Oder umgekehrt: Gerade einmal 20 Prozent der Schwestern und Pfleger müssen die Hälfte der Patienten versorgen.

Und reichere Länder sind oft schuld daran, dass sich die Situation in ärmeren Ländern verschärft, so Mary Watkins: "Der Bericht macht auch deutlich, dass viele wohlhabendere Länder nicht genug Krankenschwestern und -pfleger ausbilden, um ihren eigenen Pflegebedarf zu decken, und dass sie dann Pflegekräfte aus weniger wohlhabenden Ländern locken, indem sie höhere Löhne zahlen, als diese in ihrer Heimat je erzielen könnten." Auch gebe es im Pflegebereich ein Altersproblem, denn jede sechste Pflegekraft weltweit scheidet in den nächsten zehn Jahren aus dem Berufsleben.

Europa stehe zwar im weltweiten Vergleich gut da, doch müsse gleichzeitig festgestellt werden, dass hier der Pflegeberuf nicht als attraktiv gilt, dass Ausbildungsplätze oft unbesetzt bleiben und dass wegen hoher Arbeitsbelastung viele den Job wieder aufgeben.

"Müssen mehr investieren"

Howard Catton, der Geschäftsführer des Weltverbands der Pflegeberufe, sagt, gerade deshalb sei es wichtig, dass die Staaten dem Pflegesektor mehr Beachtung schenken: "Wir müssen dringend in die Ausbildung und Unterstützung unserer Pflegekräfte investieren." Letztlich hänge die Gesundheit der Welt davon ab, ob mehr getan werde, um Krankenschwestern, Pfleger und Hebammen zu unterstützen, auszubilden und ihre Zahl zu erhöhen.

Die Stärkung der Pflegekräfte solle als Investition in die Gesundheit der Länder gesehen werden und nicht als eine Last. Dabei unterstreiche die aktuelle Corona-Pandemie die dringende Notwendigkeit, das Gesundheitspersonal weltweit zu stärken, meint Watkins von "Nursing now": "Wann wäre ein besserer Zeitpunkt um zu erkennen, dass es durch Investitionen in die nationale Gesundheit, in die Arbeitskräfte viel wahrscheinlicher wird, dass wir wieder weltweit zu wirtschaftlichem Wohlstand zurückkehren?"

Weltweit fehlen sechs Millionen Pflegekräfte
Dietrich Karl Mäurer, ARD Zürich
07.04.2020 10:12 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 07. April 2020 um 11:10 Uhr.

Darstellung: