Mittsommer-Feierlichkeiten in Olsnäs (Archiv) | Bildquelle: dpa

Coronavirus in Schweden Gedämpfte Mittsommerstimmung

Stand: 19.06.2020 12:22 Uhr

Mittsommer ist normalerweise Schwedens Party des Jahres. Doch dieses Mal gibt es wegen Corona viele Einschränkungen. Die Sorge: Viele werden sie ignorieren - und die Corona-Zahlen steigen.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Für Schweden ist das Mittsommerfest eigentlich wie Weihnachten, nur schöner - das Ereignis des Jahres. Die ganze Familie trifft sich meist auf dem Land, freut sich schon Tage vorher darauf und fürchtet im Grunde nur zwei Dinge: Bier- und Schnapsknappheit im staatlichen Alkoholhandel, der übers Wochenende bis Montag geschlossen hat, und das Wetter.

Normalerweise. Aber in diesem Jahr ist das Wetter nicht das Problem, sondern Corona. Obwohl das Land trotz vieler Todesopfer und Neuinfektionen weiter seinen entspannten Sonderweg durch die Krise geht: Das Mittsommerfest, so wie die Schweden es lieben, fällt aus.

Ein für die Mittsommerfeier in Schweden gedeckter Tisch. | Bildquelle: imago images/Panthermedia
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Mittsommer in Schweden: wie Weihnachten im Sommer

Nicht mehr als 50 Teilnehmer

Kein Tanz um die Majstång, die große grünumkränzte Stange mit den beiden Ringen an den Seiten. "Maj" steht natürlich nicht für Mai, es ist ja Juni, sondern für das alte "maja", das bedeutet "blumengeschmückt". Kein Gesang in großen Gruppen, kein Kindervergnügen. Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern sind weiterhin verboten und wenn überhaupt geplant, dann gleich wieder abgesagt worden. Auch die große Mittsommerfeier in Tjörn an der Westküste nördlich von Göteborg.

Seit 1963 hat der Heimatverein Tjörn das Fest auf die Beine gestellt und damit die laufenden Kosten für das Heimatmuseum finanziert. Jetzt gab es zum ersten Mal eine Absage.

"Das ist traurig, wirklich traurig"

Eva Ericsson steht auf dem leeren Festrasen. "Hier haben wir normalerweise die Mittsommerstange", sagt sie, "um die tanzen wir dann in großen Kreisen." Aber diesmal eben nicht. Margareta Olofsson gehört auch zum Organisationskomitee. Sie ist fix und fertig: "Normalerweise haben wir so 2000 zahlende Besucher. Das ist traurig, wirklich traurig."

Immerhin sammelten die Leute in Tjörn Geld, und auch die Bank im Ort spendete etwas: Das Museum ist gerettet - im Gegensatz zur Mittsommerstimmung. Die ist überall in Schweden ziemlich gedämpft, um es vorsichtig zu formulieren.

Alles lassen, was eigentlich dazu gehört

Auch, weil Staatsepidemiologe Anders Tegnell seine Schweden noch einmal auf die Corona-Sonderlage hinwies und Verhaltensempfehlungen erneuerte - sogar auf Englisch, damit es Touristen verstehen, wenn denn welche da sind. "Abstand halten", meint er, "am besten draußen feiern, sich verantwortungsvoll benehmen und keine Leute treffen, zu denen man nicht schon vorher Kontakt hatte."

Draußen feiern, das ginge ja noch, das ist auch sonst meist so. Aber sich nicht nahe kommen, nicht komplett über die Stränge schlagen und keine Blind Dates - also alles lassen, was zu einem ordentlichen Mittsommerfest gehört?

Sorge vor verbotenen Partys

Viele werden sich wohl nicht daran halten, vor allem Jüngere. Und das ist die große Angst in Schweden. In den Städten liefen heimliche Vorbereitungen für verbotene Partys in Parks und Clubs, hört man. Und dass dieses Fest ein Test wird für das Verhalten der Schweden in den kommenden Sommerwochen.

Im schlimmsten Fall steigt nach diesem Wochenende nicht nur - wie üblich - die Zahl der Schwangerschaften sprunghaft an - das ist Teil der Mittsommertradition -, sondern eben auch die der Corona-Neuinfektionen.

Mittsommer 2020: Die Angst vor der Corona-Sause
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
19.06.2020 11:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Juni 2020 um 10:38 Uhr.

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