Der Eingang eines geschlossenen Skilifts im österreichischen Zürs. | Bildquelle: PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/Shutter

Debatte um Skisaison "Ein tödlicher Schlag für den Tourismus"

Stand: 27.11.2020 16:50 Uhr

Ein Winter ohne Skifahren - für viele ist das kaum vorstellbar. Kanzlerin Merkel und der bayerische Ministerpräsident Söder fordern aber genau das. Und sorgen damit für scharfe Kritik aus Österreich und Finnland.

Der deutsche Vorstoß, die Skigebiete in diesem Winter EU-weit zu schließen, stößt in mehreren Ländern auf scharfe Kritik. Finnland reagierte mit klarer Ablehnung. Das finnische Wirtschaftsministerium ließ über einen Sprecher verlauten, eine Schließung der Skigebiete wäre ein "tödlicher Schlag für die heimische Tourismusindustrie".

Auch aus Österreich kommt Gegenwind. Der Landeshauptmann von Tirol, Günther Plattner, sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur APA: "Wenn die Infektionszahlen es zulassen, werden wir uns das Skifahren von Bayern nicht nehmen lassen". Das müsse auch Söder zur Kenntnis nehmen.

Platter bezieht sich damit auf die Forderung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, bis zum 10. Januar alle europäischen Skigebiete geschlossen zu halten, um neue Corona-Ausbrüche wie im österreichischen Ischgl im vergangenen Winter zu verhindern. Zuvor hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schließung der Skigebiete über Weihnachten vorgeschlagen. Sie kündigte an, sich in Europa um eine Abstimmung zu bemühen.

Unterstützung aus Frankreich und Italien

Merkel bekommt für ihren Vorschlag auch Unterstützung von mehreren EU-Staaten, darunter Frankreich und Italien. Sie schlossen sich der Forderung grundsätzlich an. Der französische Regierungschef Jean Castex will zwar die Skigebiete in den Weihnachtsferien öffnen, aber die Skilifte sollen geschlossen bleiben. Damit fällt der Saisonstart praktisch flach.

Im finnischen Wirtschaftsministerium kann man das nicht nachvollziehen. Eine Schließung wäre "sehr eigenartig", sagte der Sprecher, die Corona-Ausbreitung in Finnland sei lange nicht so schlimm wie in anderen europäischen Ländern. Die Mehrheit der Besucher von Skigebieten in Finnland seien inländische Touristen. Eine Schließung von Après-Ski-Treffs könne er hingegen nachvollziehen. 

Österreich wehrt sich gegen Einmischung aus der EU

Skifahren ja, Après-Ski nein - so will es auch Österreich handhaben. Bundeskanzler Kurz betonte gestern noch einmal, das Land werde selbst entscheiden, ob es Skigebiete öffnet. "Wir treffen diese Entscheidung verantwortungsbewusst", sagte Kurz. Es gebe zwar Politikbereiche, in denen die Europäische Union koordinativ tätig werden sollte, was sie aber sicher nicht machen könne, sei zu regeln, "wann Fußball gespielt werden darf, wo man Laufen gehen darf und wann man Skilaufen gehen darf".

Über dieses Thema berichtete mdr Aktuell am 27. November 2020 um 15:21 Uhr.

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