New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo  | Bildquelle: AFP

Cuomo gegen Trump "Unser Fehler war, Ihren Zahlen zu glauben"

Stand: 18.04.2020 06:48 Uhr

Sie sind die Gegenspieler der Corona-Krise: US-Präsident Trump und New Yorks Gouverneur Cuomo. Nach einem weiteren Geplänkel zwischen beiden ist Cuomo nun der Kragen geplatzt. Doch das könnte nach hinten los gehen.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Mehr als eine Stunde hat New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo wie jeden Tag in seiner leicht überheblich selbstgefälligen Art über die neuesten Daten zur Ausbreitung der Corona Pandemie und die Folgen referiert, als eine Journalistin ihn auf einen Tweet des US-Präsidenten anspricht: Es sehe so aus, als würde der Präsident diese Pressekonferenz verfolgen. Er habe gerade getwittert: "Gouverneur Cuomo sollte mehr Zeit auf das Machen verwenden und weniger auf das sich Beschweren. Geh raus und erledige die Arbeit. Wir haben Dir Tausende Krankenhausbetten gebaut, Beatmungsgeräte geliefert und mit dem Testen geholfen."

Cuomo entgegnet darauf zunächst noch ruhig: "Wenn er zu Hause vor dem Fernseher sitzt, sollte er vielleicht aufstehen und zur Arbeit gehen. Lass uns versuchen, Emotionen und Politik rauszuhalten - und das persönliche Ego", sagt er. Und macht dann das genau genaue Gegenteil. Es folgt eine fast halbstündige Generalabrechnung mit dem Präsidenten und seinem Krisenmanagement. Wie oft solle er sich eigentlich noch dafür bedanken, dass der Präsident einfach nur seine Arbeit gemacht hat, fragt Cuomo. Ob er ihm jetzt auch noch Blumen schicken solle.

"Es waren Trumps Zahlen"

Besonders bringt den Politiker der Demokratischen Partei in Rage, dass Trump behauptet, New York habe das Ausmaß der Pandemie überschätzt. Er bittet einen Mitarbeiter, noch einmal die Prognose der US-Gesundheitsbehörde CDC an die Wand zu projizieren: "Damit der Präsident lesen kann, was er gesagt hat." Die Prognosezahlen seien riesig gewesen, und jetzt behaupte Trump, er, Cuomo, habe sich auf falsche Zahlen verlassen. Aber: "Es waren Ihre Zahlen, Herr Präsident! Unser einziger Fehler war, Ihren Zahlen zu glauben. Wenn das so ist, bin ich schuldig. Aber ich dachte, wir sind auf der sicheren Seite, wenn wir Ihnen glauben. Diesen Fehler werde ich nicht noch einmal machen."

In der Folge kriegt sich Cuomo nicht mehr ein, unterbricht Reporter, die nach anderen Themen fragen wollen - und kommt immer wieder auf das Notlazarett im Javits-Center zurück, einem Kongresszentrum am Hudson River. Das 2500-Betten-Lazarett dort sei nur gebaut worden, weil man auf den Präsidenten gehört habe. "Und wenn das dumm war, auf Sie zu hören, dann Schande über uns. Und wenn Sie selbst ihren eigenen Leuten nicht glauben, dann feuern Sie doch den Chef der CDC und die Leute vom Krisenstab im Weißen Haus", kachelt Cuomo und erinnert an Trumps langjährige Fernsehkarriere in der Reihe "The Apprentice", in der der heutige US-Präsident in jeder Folge einen Lehrling feuert.

Cuomos Auftritt - nur ein Pyrrhussieg?

Cuomo genießt seien Auftritt, der allerdings zum Pyrrhussieg werden könnte. Denn eigentlich will er Geld von der US-Regierung, um das Haushaltsloch New Yorks zu stopfen, das die Corona-Krise gerissen hat. Er fordert Geld für die besonders betroffenen Bundesstaaten: "Fluggesellschaften brauchen einen Rettungsschirm und Bundestaaten nicht? Warum denken Sie nicht genauso an uns wie an ihre Großunternehmen." Cuomos Verhandlungsposition dürfte sich damit nicht unbedingt verbessert haben.

Trump twittert, Cuomo sieht rot – Wut-Pressekonferenz von New Yorks Gouverneur
Peter Mücke, ARD New York
18.04.2020 09:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. April 2020 um 06:11 Uhr.

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