Menschen mit Masken stehen in einer Schlange (Archivbild: 9. Juni 2020) | Bildquelle: AP

Coronavirus US-Notenbanker fordert "harten Lockdown"

Stand: 03.08.2020 08:51 Uhr

Wie sollen die USA auf die Corona-Pandemie reagieren? Präsident Trump hat zuletzt zum Maskentragen aufgerufen, doch die Zahlen steigen weiter. Von einem Notenbanker kommt nun ein drastischer Vorschlag.

Mehr als 4,6 Millionen Infizierte, über 150.000 Tote, zuletzt wieder fast 60.000 neue Fälle an einem Tag - kein Land der Welt ist so schwer von der Corona-Pandemie betroffen wie die USA. Bisher hat das Land vergleichsweise lockere Gegenmaßnahmen ergriffen - das sollte sich aus Sicht eines Top-Notenbankers nun ändern: Vier bis sechs Wochen "wirklich harten" Lockdown hält Neel Kashkari, Fed-Präsident von Minneapolis, für das richtige Mittel im Kampf gegen das Virus und die daraus resultierenden Wirtschaftsprobleme.

"Werden viele, viele weitere Firmenpleiten erleben"

Der Wirtschaft könne eine starke Erholung gelingen, aber nur, wenn das Virus unter Kontrolle gebracht werde, sagte Kashkari dem Sender CBS. "Wenn wir das nicht tun, und wenn wir nur dieses grassierende Virus haben, das sich im ganzen Land ausbreitet mit wiederholten Ausbrüchen und lokalen Lockdowns in den nächsten ein oder zwei Jahren, was durchaus möglich ist, werden wir viele, viele weitere Firmenpleiten erleben."

US-Notenbanker Kashkari in seinem Büro | Bildquelle: REUTERS
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US-Notenbanker Kashkari ist für ein anderes Vorgehen im Kampf gegen das Virus.

Die Corona-Krise löste in den USA einen Konjunktursturz aus und wirft die größte Volkswirtschaft der Welt um Jahre zurück. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im zweiten Quartal um auf das Jahr hochgerechnet 32,9 Prozent. Bereits zu Jahresbeginn war ein dickes Minus von 5,0 Prozent zu verzeichnen. Konsum, Investitionen und Exportwirtschaft litten im Frühjahr massiv unter den Folgen der Pandemie, die angesichts der vielen Neuinfektionen längst nicht ausgestanden ist.

Streit über neue Hilfen

Kashkari wirbt deshalb für weitere Corona-Hilfen. Das Land könne sich dies erlauben. Dank der hohen Sparquote müssten die USA ihr Haushaltsdefizit nicht durch Auslandsverschuldung finanzieren. "Das heißt tatsächlich, dass wir als Land viel mehr Ressourcen haben, um die zu unterstützen, die entlassen wurden."

Finanzminister Steven Mnuchin sagte ABC, US-Präsident Donald Trump werde ausgeben, was nötig sei. Allerdings sei das Defizit ein Faktor. "Es besteht offensichtlich die Notwendigkeit, die Arbeitnehmer und die Wirtschaft zu unterstützen", sagte Mnuchin. "Auf der anderen Seite müssen wir aufpassen, dass wir nicht den künftigen Generationen zu viele Schulden hinterlassen." Im Kongress streiten Republikaner und Demokraten über ein neues Hilfspaket. Das US-Präsidialamt erwartet laut eigener Auskunft aber keine rasche Einigung. "Ich bin nicht optimistisch, dass es in naher Zukunft eine Lösung geben wird", sagte der Stabschef des Präsidialamtes, Mike Meadows.

"Neue Phase der Coronavirus-Pandemie"

Noch immer breitet sich das Virus in den Vereinigten Staaten schnell aus. Innerhalb von 24 Stunden meldeten die US-Behörden zuletzt 58.947 Neuinfektionen. Angesichts dieser Entwicklung warnt die Beraterin des Präsidialamtes, Deborah Birx, vor einer "neuen Phase der Coronavirus-Pandemie". "Was wir heute sehen, unterscheidet sich von März und April", sagt sie CNN.

Das Virus sei "außerordentlich weit verbreitet" in ländlichen und städtischen Gebieten. "An alle, die in einer ländlichen Gegend leben: Sie sind nicht immun oder vor diesem Virus geschützt." Birx koordiniert die Corona-Arbeitsgruppe des Präsidialamtes. Schutzmaßnahmen wie das Tragen einer Maske und Abstandsregeln seien von entscheidender Bedeutung.

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