Blicka auf die fast leere Bourbon Street in New Orleans | Bildquelle: REUTERS

Ausbreitung des Coronavirus New Orleans erwartet einen Albtraum

Stand: 27.03.2020 19:04 Uhr

Nach New York entwickelt sich New Orleans zum Zentrum der Corona-Pandemie. Grund für die explodierenden Fallzahlen könnte der Straßenkarneval gewesen sein. Die Stadt bereitet sich auf einen Albtraum vor.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Das sonst so quirlige French Quarter ist menschenleer. Die Jazzclubs und Restaurants sind nicht nur geschlossen, sondern verbarrikadiert. Fernsehbilder zeigen es: Die Situation ist ernst.

Nach New York entwickelt sich nun New Orleans zum neuen Brennpunkt der Coronavirus-Pandemie. Im Bundesstaat Louisiana explodieren die Fallzahlen der positiv getesteten Erkrankten. Allein in New Orleans seien es 1000 Fälle mit bislang 46 Toten, sagt Gouvernor John Bel Edwards im lokalen Fernsehsender WGNO: "Die Zahlen die wir bekommen haben, sind schwindelerregend. Ich hoffe, ganz Louisiana nimmt diese Zahlen ernst. Niemand sollte denken, dass ihn das nichts angeht."

Straßenkarneval Ende Februar

Zurückgeführt werden die vielen Erkrankungen auf Mardi Gras, den Straßenkarneval von New Orleans, bei dem Ende Februar Tausende Menschen auf engstem Raum feierten. Die Stadt bereite sich auf einen absoluten Albtraum vor, sagt Dr. Joseph Kanter von örtlichen Gesundheitsamt. Da die Krankenhauskapazitäten bei weitem nicht ausreichen, bereitet man jetzt das Kongresszentrum als Behelfskrankenhaus vor. "Betten, Personal und medizinische Ausrüstung werden herangeschafft", sagt Kanter - "eine außergewöhnlich massive Maßnahme."

Feiernde beim Straßenkarneval in New Orleans | Bildquelle: AFP
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Ende Februar feierten die Menschen in New Orleans ausgelassen und zu Tausenden - einer der Gründe für die Ausbreitung des Virus, wie Mediziner heute glauben.

Trump will Maßnahmen lockern

Fast 93.000 Menschen wurden landesweit positiv auf Covid-19 getestet. Die USA sind nun weltweit das Land mit den meisten gemeldeten Coronavirus-Infektionen.

Gleichzeitig spricht der US-Präsident davon, die Ausgangsbeschränkungen schon bald wieder lockern zu wollen. Sie sprächen über Termine, holten sich Rat bei Experten, so Donald Trump - Amerika sei dafür gemacht, um Dinge zu schaffen. Sein Plan: Je nach Ausbreitungsgrad des Coronavirus könnten die Richtlinien örtlich gemindert werden - aber natürlich mit größtmöglicher Verantwortung, versichert Trumps Vize Mike Pence.

US-Wirtschaft im Sinkflug

Die US-Wirtschaft befindet sich im steilen Sinkflug. Gut drei Millionen Menschen, so viele wie noch nie zuvor, haben Antrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt. Deswegen - aber auch um seine Wiederwahl nicht zu gefährden - will Trump, dass so schnell wie möglich wieder gearbeitet wird.

Aber in den USA werden auch Stimmen der Vernunft laut in diesen Tagen. Dr. Anthony Fauci, Immunologe und Mitglied des Krisenstabs, warnt: Nicht die Menschen, sondern das Virus bestimme den Zeitplan.

New Orleans wird zum nächsten Corona-Brennpunkt in den USA
Claudia Sarre, ARD Washington
27.03.2020 17:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 30. März 2020 um 05:09 Uhr.

Korrespondentin

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Claudia Sarre, NDR

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