Ein älterer Mann trägt eine Gesichtsmaske in den Farben der spanischen Flagge. | Bildquelle: AP

Corona-Weihnachten in Spanien Abendessen mit Maske

Stand: 21.12.2020 17:03 Uhr

Weihnachten wird in diesem Jahr speziell - und zwar auf der ganzen Welt. Wie wird das Fest im einstigen Corona-Hotspot Spanien gefeiert, was ist überhaupt möglich? Und wie sieht es im Nachbarland Portugal aus?

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Olivia und Noelia aus Madrid sind mit ihren Eltern an Weihnachten normalerweise auf Achse. Die einen Großeltern der Zehn- und Siebenjährigen wohnen in Pamplona - vier Autostunden entfernt - die anderen Großeltern in Griechenland, vier Flugstunden entfernt. Dort verbringt die Familie üblicherweise die Weihnachtstage und in Pamplona den Dreikönigstag am 6. Januar, an dem es in Spanien klassisch erst die Geschenke gibt - doch nicht so in diesem Jahr.

Das erste Weihnachtsfest ohne Großeltern

"Das ist etwas komisch, denn normalerweise sehe ich meine Oma in Griechenland sehr oft", erzählt Olivia. "In diesem Jahr aber haben wir uns so gut wie gar nicht gesehen. Bisher habe ich kein Weihnachtsfest ohne sie verbracht. Das ist nun sehr traurig."

Die Familie bleibt zu viert in Madrid. Noelia kann sich damit anfreunden: "Wir werden die Wohnung schmücken, auch einen Weihnachtsbaum haben. Hoffentlich bringen die Heiligen Drei Könige viele Geschenke. Dass ich Oma und Opa nicht sehen kann, macht mich aber auch traurig."

Blick auf den Platz Puerta del Sol im Zentrum der spanischen Hauptstadt Madrid. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Der Puerta del Sol im Zentrum der spanischen Hauptstadt Madrid ist wegen der Corona-Pandemie weitgehend menschenleer.

So wenige Kontakte wie möglich - dieses Motto hat die spanische Regierung ausgegeben. Sie möchte, dass möglichst wenige Menschen über die Feiertage im Land unterwegs sind. Wer zum Beispiel aus einem Risikogebiet über Weihnachten in die Region Galicien möchte, muss dort erst einmal zum Corona-Test. Andere Regionen wollen sich für den innerspanischen Verkehr ganz abschotten.

"Wir bleiben zu Hause!"

"Wenn wir an unserem Weihnachtsplan festhalten, den wir mit den Regionen zusammen ausgearbeitet haben, steht im Mittelpunkt: Wir bleiben zu Hause!", sagt Spaniens Gesundheitsminister Salvador Illa. " Die Corona-Fallzahlen steigen wieder an. Das heißt, jede Region beobachtet die Entwicklung genau und verschärft notfalls kurzfristig die Corona-Regeln."

In den meisten Gegenden Spaniens sind Treffen von sechs bis zehn Menschen erlaubt. Auf der Kanaren-Insel Teneriffa, auf der die Fallzahlen rasant steigen und die Inselgruppe wieder zum Risikogebiet aus deutscher Sicht hat werden lassen, dürfen die Menschen ihre Wohnorte nicht verlassen. Ab 22 Uhr gilt dort eine Ausgangssperre.

Manuela Sánchez will mit ihrer Familie über Weihnachten nach Hause, nicht in Madrid bleiben. Sie habe ihre Mutter in der Region Extremadura seit sieben Monaten nicht gesehen, erzählt Manuela, Weihnachten könnten ihre Eltern einfach nicht allein verbringen: "Alles wird anders sein, es fehlt die Vorfreude auf Geschenke, auf tolles Essen. Wir werden nur ein kleines Abendessen mit meinen Eltern haben, um mal wieder zusammen zu sein,keine großen Feierlichkeiten. Wir besuchen die Eltern, das war's."

Portugal als neuer Hotspot

Diesen Plan verfolgt auch Paula. Sie ist Portugiesin, lebt aber mit ihrer Familie in Madrid. Normalerweise fährt sie ein bis zwei Mal im Monat für ein Wochenende in die Heimat - doch Corona hat das unmöglich gemacht, zuletzt war Paula im Sommer in Portugal. Damals, vor einem halben Jahr waren die Corona-Fallzahlen dort noch recht überschaubar.

Zwei Statuen tragen Masken | Bildquelle: dpa
galerie

Auch in Portugal ist da öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen gekommen.

Inzwischen gehört Portugal zu den Hotspots in Europa. Es gelten strenge Ausgangsbeschränkungen. "Wir fahren über Weihnachten in die Heimat, hoffentlich gesund", sagt Pala. "Dort besuchen wir unsere Eltern, machen ein Abendessen mit Sicherheitsabstand und Masken. Klar, wir sehen dann kaum die Gesichter der anderen." Und da kommen Paula die Tränen. Sie sagt: Wenn sie über Weihnachten nicht nach Portugal fahren kann, stirbt sie in Spanien - nicht am Coronavirus, sondern an Einsamkeit.

Das haben Spanier und Portugiesen gemeinsam: Sie sind absolute Familienmenschen. Und die eingeschränkten Kontakte über Weihnachten machen ihnen besonders schwer zu schaffen. Daher lautet Olivias eigentlicher Weihnachtswunsch in diesem Jahr, dass nächstes Jahr das Fest wieder normal abläuft: "Covid soll kein Thema mehr sein. Ich will, dass die Familie wieder beisammen ist." 

Weihnachten ist dieses Jahr kompliziert: Reportage aus Spanien
Oliver Neuroth, ARD Madrid
21.12.2020 16:29 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Dezember 2020 im "Mittagsecho" ab 13:05 Uhr und um 15:08 Uhr.

Darstellung: