Die "Westerdam" im Hafen von Sihanoukville in Kambodscha | Bildquelle: REUTERS

Coronavirus auf Schiffen Was ist mit den deutschen Passagieren?

Stand: 17.02.2020 18:04 Uhr

Die USA haben Hunderte Bürger, die auf der "Diamond Princess" waren, nach Hause geholt. Und Deutschland? Ein Krisenstab prüft ähnliche Schritte für mehr als 60 Deutsche auf zwei von Corona betroffenen Kreuzfahrtschiffen.

Auf zwei Kreuzfahrtschiffen hatte es Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus gegeben - und auf beiden sind auch Passagiere aus Deutschland. Die Bundesregierung prüft derzeit, ob sie Hilfe bei der Rückkehr in ihre Heimat brauchen.

Ziel sei es, dass alle Passagiere, die das wünschten, möglichst bald nach Deutschland zurückkehren können, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wird überlegt, Rückkehrer nicht zentral unterzubringen, sondern eine Quarantäne im häuslichen Umfeld vorzunehmen.

Die "Westerdam" im Hafen von Sihanoukville in Kambodscha | Bildquelle: REUTERS
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Die "Westerdam" im Hafen von Sihanoukville in Kambodscha.

Acht Deutsche auf "Diamond Princess", 57 auf "Westerdam"

Unter den Passagieren der "Diamond Princess", die seit zwei Wochen im Hafen des japanischen Yokohama unter Quarantäne liegt, sind nach Angaben der Reederei acht Deutsche. Von ihnen wurden zwei wegen einer Infektion mit dem Virus ins Krankenhaus gebracht. Die beiden seien "wohlauf" und hätten keine Symptome, sagte ein Außenamtssprecher in Berlin. 

An Bord der "Westerdam" waren laut Reederei 57 Deutsche. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa haben einige bereits die Heimreise angetreten, andere sind noch an Bord des Luxusliners. Dort müssen sie in ihren Kabinen bleiben, nachdem ein Fall an Bord des Schiffes bekannt geworden war. Die bereits nach Hause gereisten Gäste würden von ihren örtlichen Gesundheitsbehörden kontaktiert, teilte die Holland America Line mit.

Mehrere asiatische Länder hatten der "Westerdam" aus Sorge vor einer möglichen Einschleppung des Virus das Anlegen untersagt - ohne dass Infektionen an Bord bekannt waren. Erst Kambodscha stimmte dem Andocken schließlich zu. Überraschend wurde am Wochenende eine Amerikanerin auf der Heimreise in Malaysia positiv getestet. Das änderte die Situation für die "Westerdam" erneut und warf die Pläne der Heimkehrer durcheinander.

US-Bürger zwei Wochen in der Heimat unter Quarantäne

Das "Diamond Princess" ist weltweit der größte Infektionsherd außerhalb Chinas. Die Zahl der bestätigen Fälle dort ist erneut gestiegen - um 99 auf 454. Das teilte das japanische Gesundheitsministerium mit. Diese Zahl beinhaltet auch bereits vom Schiff heruntergeholte Erkrankte.

Die USA flogen in zwei Flugzeugen insgesamt rund 300 Passagiere der "Diamond Princess" aus. Die Evakuierten müssen in der Heimat nun zwei Wochen unter Quarantäne verbringen.

Nach Angaben des US-Außenministeriums sind unter den Heimkehrern auch 14 Menschen, die mit dem Virus infiziert sind. Sie wurden im Flugzeug von den anderen Passagieren getrennt. Weitere rund 40 US-Passagiere der "Diamond Princess" werden derzeit in japanischen Krankenhäusern wegen einer Infektion mit dem Virus behandelt. 

Rückholaktion wird von Betroffenen unterschiedlich bewertet

Die Rückholaktion ihrer Regierung wurde von den Betroffenen unterschiedlich bewertet. Die 52-jährige Sarah Arana sagte der Nachrichtenagentur AFP vor dem Verlassen des Schiffes, sie sei froh, gehen zu können. Die US-Regierung hätte "viel früher" handeln sollen. Andere US-Passagiere lehnten es jedoch ab, das Schiff zu verlassen - mit Verweis auf mögliche Ansteckungsrisiken beim Transport in Bussen oder Flugzeugen.

In Deutschland konzentrieren sich die Corona-Fälle auf den Landkreis Starnberg. Hier hatten sich 14 Menschen angesteckt. Sie sind alle Mitarbeiter bzw. Angehörige von Mitarbeitern eines Autozulieferers. Eine chinesische Kollegin hatte den Erreger bei einer Dienstreise unwissentlich eingeschleppt. Sieben der Infizierten konnten inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Zu den Voraussetzungen für eine Entlassung zählen mehrere negative Tests auf das Virus.

Corona auf Kreuzfahrtschiffen: Bundesregierung erwägt Rückholaktion
Sabine Müller, ARD Berlin
17.02.2020 16:48 Uhr

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