Gesundheitskontrollen vor der Pekinger U-Bahn | Bildquelle: REUTERS

Coronavirus China ordnet landesweite Messungen an

Stand: 25.01.2020 11:25 Uhr

18 Städte sind in China schon unter Quarantäne gestellt - und dabei soll es nicht bleiben. Im Kampf gegen das Coronavirus hat die Regierung nun landesweite Messungen angeordnet. Das Virus erreicht immer mehr Länder.

Rund 1300 bestätigte Infektionsfälle, 41 Tote - im Kampf gegen das sich ausbreitende Coronavirus greift die chinesische Regierung zu zusätzlichen Maßnahmen. Die nationale Gesundheitsbehörde teilte mit, dass im gesamten öffentlichen Verkehr Messstationen eingerichtet werden - an Bahnhöfen, Flughäfen und Busstationen. Passagiere, die im Verdacht stehen, sich infiziert zu haben, müssten "sofort" in eine medizinische Einrichtung gebracht werden.

In fünf weiteren Städten in der Provinz Hubei wurde der öffentliche Verkehr ausgesetzt und der Zugang zu den Autobahnen gesperrt. Damit haben die Behörden insgesamt 18 Städte im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Virus isoliert. De facto stehen 56 Millionen Menschen unter Quarantäne.

Gesundheitskontrollen am Eingang einer Pekinger U-Bahn | Bildquelle: WU HONG/EPA-EFE/REX
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Auch vor dem Eingang einer Pekinger U-Bahn-Station steht Personal, um den Gesundheitszustand der Passagiere zu überprüfen.

Zweifel an den Zahlen

In Hubei befindet sich auch die Elf-Millionen-Metropole Wuhan, von der das Virus ausging und die als erste chinesische Stadt wegen des Erregers 2019-nCoV unter Quarantäne gestellt worden war. Die drastischen Maßnahmen erklären sich aus dem rapiden Anstieg der öffentlich bekanntgegebenen Fälle: Allein am Freitag erhöhten sich die Angaben über die Zahl der Erkrankten um ein Drittel.

Ärzte in Wuhan äußerten den Verdacht, dass sich dort schon wesentlich mehr Menschen angesteckt haben dürften, als offiziell angegeben. Auch sei offenkundig weitaus mehr Krankenhauspersonal betroffen als jene 15 Beschäftigten, von denen bislang offiziell die Rede sei. "Es lassen sich infizierte Krankenhausmitarbeiter in fast allen größeren Krankenhäusern in Wuhan finden", sagte ein Arzt der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post".

Chinesische Staatsmedien berichteten, in Wuhan werde ein neues Krankenhaus mit 1000 Betten errichtet - in nur sechs Tagen. Der Gebäudekomplex wird demnach aus vorproduzierten Bauteilen zusammengesetzt. Das Krankenhaus soll Anfang Februar die ersten Patienten aufnehmen.

Bagger in Wuhan bereiten den Bau eines neuen Krankenhauses vor | Bildquelle: AP
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Innerhalb weniger Tage soll auf diesem Feld in Wuhan ein neues Krankenhaus für bis zu 1000 Patienten errichtet werden.

Ärzte werden eingeflogen

Wie chinesische Medien weiter meldeten, wurden mehr als 400 Ärzte des Militärs per Flugzeug in die Stadt geflogen, um im Kampf gegen das Virus zu helfen. Auch zusätzliches medizinisches Personal aus Shanghai und anderen Städten kam demnach in der Metropole an.

Wie das Staatsfernsehen berichtete, gehörte zu den jüngsten Opfern der Lungenkrankheit auch ein 62-Jähriger Arzt, der sich während der Arbeit in einem Wuhaner Krankenhaus infiziert hatte.

Mittlerweile drohen in Wuhan die medizinischen Hilfsmittel auszugehen. Die Vorräte an solchen Produkten seien sehr knapp, sagt ein Behördenvertreter. In- und ausländische Hersteller von Atemmasken und Schutzanzügen würden um weitere Lieferungen gebeten. Bis Freitag seien mehr als 1,2 Millionen Atemmasken gespendet worden.

Hongkong ruft Notstand aus

Unterdessen rief Hongkong wegen des Coronavirus den Notstand und damit die höchste Warnstufe der Stadt aus. "Bislang haben wir keine schweren und weitverbreiteten Infektionen. Aber wir nehmen das ernst und hoffen, der Epidemie einen Schritt voraus zu sein", sagte Regierungschefin Carrie Lam.

Alle Flüge und Zugverbindungen aus Wuhan würden vorerst eingestellt. Für Reisende aus anderen chinesischen Städten verhängten die Hongkonger Behörden keine Einschränkungen. Allerdings müssen alle Passagiere bei ihrer Ankunft in der chinesischen Sonderverwaltungszone ein Gesundheitsformular ausfüllen.

Lam zufolge werden zudem mehrere öffentliche Veranstaltungen, darunter eine Neujahrsgala und ein Marathon, abgesagt. Die Neujahrsferien an Schulen und Universitäten wurden bis zum 17. Februar verlängert. Von fünf Menschen, die in Hongkong positiv auf das Virus getestet wurden, kamen vier mit einem neuen Hochgeschwindigkeitszug aus Festland-China. In der Folge waren Forderungen laut geworden, die Einreise vom Festland einzuschränken oder ganz zu stoppen. 

Infektionsfälle auch in Australien und Frankreich

Die neue Lungenkrankheit taucht zudem auf immer mehr Kontinenten auf. In Australien bestätigten die Behörden den ersten Krankheitsfall. Eine Person aus China sei in einem Vorort von Melbourne im Krankenhaus, teilten Behördenvertreter mit. In der Stadt deckten sich daraufhin so viele Bewohner mit Atemmasken ein, dass in vielen Apotheken der Vorrat ausging - obwohl die Behörden den Gebrauch der Masken ausdrücklich nicht empfehlen.

Und am späten Freitag wurden aus Frankreich als erstem Land der EU Infektionen gemeldet. Drei Patienten befinden sich in Frankreich derzeit unter Quarantäne im Krankenhaus, wie das französische Gesundheitsministerium mitteilte. Ein Fall trat demnach in Bordeaux auf, die anderen beiden Lungenerkrankungen wurden in Paris diagnostiziert. Alle Patienten hätten sich zuvor in China aufgehalten, hieß es. Jeder, der in engem Kontakt mit den drei Infizierten stand, solle überprüft werden.

Bestätigte Fälle wurden zuletzt auch aus anderen asiatischen Ländern wie Japan, Thailand, Vietnam, Singapur und Taiwan gemeldet. Aus den US-Großstädten Seattle und Chicago wurde jeweils eine Erkrankung gemeldet.

Der Präsident des Robert Koch-Instituts relativierte die länderübergreifende Gefahr durch das neue Virus. "Außerhalb Chinas gibt es bisher keine großen Infektionsketten", sagte Lothar Wieler im "Heute Journal" des ZDF. Allerdings betonte der Mikrobiologe, man könne die Schwere der dadurch verursachten Erkrankung noch nicht genau beurteilen. "Wir haben keine vollständigen Informationen", sagte Wieler.

Führung zeigt Entschlossenheit, Virus-Notstand in Hongkong
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
25.01.2020 11:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Januar 2020 um 10:00 Uhr.

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