Neujahrszeremonie in einem Tempel in Hongkong | Bildquelle: JEROME FAVRE/EPA-EFE/REX

China und die Lungenkrankheit Neujahrsfest im Zeichen des Virus

Stand: 25.01.2020 12:49 Uhr

Selten war ein Neujahrsfest in China so von Sorge überschattet wie in diesem Jahr. In der TV-Gala gab es Gesundgheitstipps und demonstratives Lob für die Regierung. Die kämpft mit neuen Maßnahmen um ihr Ansehen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender beginnt heute das neue Jahr. Gestern Abend verfolgten mehr als 100 Millionen Menschen in ganz China die traditionelle Neujahrsgala im staatlichen Fernsehsender CCTV. Doch statt Folklore und fröhlicher Unterhaltung stand diesmal die Situation im zentralchinesischen Wuhan im Mittelpunkt.

Sechs der bekanntesten Moderatorinnen und Moderatoren des Senders standen gemeinsam auf der Bühne und verlasen Genesungswünsche für die Viruspatienten und Gesundheitstipps. "Zuhause zu bleiben ist das Beste, was Sie tun können, um das Virus zu bekämpfen", sagte Moderatorin Ouyang Xiadan. "Wir feiern hier heute das Frühlingsfest - der Frühling wird also bald kommen. Und dann sehen wir uns wieder. Ersparen Sie sich das Virus, aber ersparen Sie sich niemals die Liebe!"

Millionenstädte in China abgeschottet
tagesschau24 13:00 Uhr, 25.01.2020, Steffen Wurzel, ARD Shanghai

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Maßnahmen, die beruhigen sollen

Neben viel Pathos und Solidarität demonstriert Chinas Staats- und Parteiführung heute vor allem Entschlossenheit. Die nationale Gesundheitsbehörde ordnete an, dass im ganzen Land Fieber-Messstationen aufgebaut werden sollen, zum Beispiel an Bahnhöfen und Flughäfen. Reisende mit Verdacht auf eine Virus-Infektion sollten sofort in eine Klinik gebracht werden, heißt es.

In der am stärksten betroffenen zentralchinesischen Provinz Hubei gilt für rund 45 Millionen Menschen in mehr als zehn Städten eine Art Reiseverbot: Züge und Busse fahren nicht, Flugverbindungen wurden gestrichen. In Hubeis Hauptstadt Wuhan sollen die Menschen nach einem Bericht staatlicher Medien auch nicht mehr mit dem Auto ins Zentrum fahren.

Volle Kliniken in Wuhan

In Wuhan werden besonders viele Virus-Patienten behandelt. Viele Menschen, die Angst haben, sich möglicherweise mit dem Lungenvirus angesteckt zu haben, strömen zusätzlich in die Krankenhäuser. Die Kliniken sind entsprechend voll.

Der Vorrat an Masken und Schutzanzügen sei knapp, sagte ein Behördensprecher. Eine Aussage, die für chinesische Verhältnisse durchaus bemerkenswert ist: Denn über Missstände oder Fehler sprechen Vertreter des Staates üblicherweise nicht.

Gesundheitskontrollen vor der Pekinger U-Bahn | Bildquelle: REUTERS
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Zutritt nur nach Kontrolle: An Pekings U-Bahnstationen wird die Temperatur der Passagiere überprüft.

"Bestmögliche Transparenz"

Chinas Staats- und Parteifühung versuchte in der Fernseh-Neujahrsgala gestern Abend entsprechend, das eigene Handeln ins beste Licht zu rücken. Star-Moderatorin Hai Xia lobte vor dem Millionenpublikum in China die "großartige Führung durch die Zentralregierung und die bestmögliche Transparenz durch die chinesischen Behörden". Auch die getroffenen medizinischen Vorkehrungen seien die bestmöglichen. "Gemeinsam werden wir den Kampf gegen das Virus gewinnen", rief die Moderatorin.

Aus Sicht dieses 70-jährigen Shanghaiers ist diese Aussage wohl blanker Hohn. Er äußerte sich gelinde gesagt skeptisch im Bezug auf das, was die Behörden über das Virus bekannt geben.

"Ich bin sicher, dass die Krankheit in Wuhan nicht erst im Dezember, sondern schon im November ausgebrochen ist. Man hat das nicht ernst genommen und hat so wertvolle Wochen im Kampf gegen das Virus verloren. Dafür müssen Leute zu Verantwortung gezogen werden."

Hongkong ruft Notstand aus

In der autonom regierten chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong rief die Regierung eine Art Virus-Notstand aus. An den Grenzübergängen nach Macau und Festlandchina sowie am Flughafen sollen Reisende noch genauer als bisher auf mögliche Symptome gecheckt werden.

Die Hongkonger Frühlingsfest-Schulferien werden außerplanmäßig verlängert. Der fürs übernächste Wochenende geplante Hongkong-Marathon wurde abgesagt.

Führung zeigt Entschlossenheit, Virus-Notstand in Hongkong
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
25.01.2020 11:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 25. Januar 2020 Deutschlandfunk um 12:11 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag" und tagesschau24 um 13:00 Uhr.

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