Medizinische Mitarbeiter helfen einem Patienten in Wuhan. | Bildquelle: AP

Lungenkrankheit breitet sich aus Virus-Angst im Riesenreich

Stand: 27.01.2020 01:54 Uhr

Millionen Menschen unter Quarantäne, Mundschutz ist Pflicht, Straßen gesperrt: Im Kampf gegen das Virus greift China zu radikalen Maßnahmen. Die Zahl der Toten ist laut Regierung auf 80 gestiegen. 2800 Menschen sind infiziert.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Noch vor einer Woche spielten Chinas höchste Gesundheitswächter die Gefahr herunter. Die neue Lungenkrankheit sei "vermeidbar und kontrollierbar", wurde beschwichtigt. Heute herrscht praktisch Notstand. Die Angst vor dem neuen Coronavirus hat fast jede Ecke des Riesenreichs erreicht.

In einer ungewöhnlichen Krisensitzung des Politbüros am Samstag, dem Neujahrstag, rief Staats- und Parteichef Xi Jinping die lokalen Funktionäre auf, "energischere Maßnahmen" zu ergreifen. Er warnte vor einer "ernsten Lage." Die Zahl der Toten stieg inzwischen von 56 auf 80, die Zahl der Infektionen auf 2800 Fälle.

"Unser Wissen ist begrenzt"

Inzwischen sind rund 45 Millionen Menschen - mehr als die Hälfte der Bevölkerung der Bundesrepublik - in 14 Metropolen der Provinz Hubei weitgehend von der Außenwelt abgeschottet. Der Nah- und Fernverkehr, Züge und Flüge - alles eingestellt. Die Polizei stoppt Autos an Straßensperren.

"Unser Wissen über das neue Coronavirus ist begrenzt", räumte der Leiter der nationalen Gesundheitskommission Ma Xiaowei heute in Peking ein. "Die exakte Quelle haben wir noch nicht ausgemacht, auch ist weiter unklar, wie das Virus genau übertragen wird und ob es sich verändern kann."

Mundschutz-Pflicht für Millionen Menschen

Um die Ausbreitung des neuen Coronavirus zu bremsen, setzen Chinas Behörden auf weitere drastische Maßnahmen. So sind Reisen eingeschränkt. Die Leute sollen möglichst zuhause bleiben. In der kompletten südchinesischen Provinz Guangdong müssen Menschen ab sofort einen Mundschutz tragen, wenn sie öffentliche Orte besuchen, also Restaurants, Cafés oder Parks. Mit mehr als 110 Millionen Einwohnern ist Guangdong der bevölkerungsreichste Landesteil der Volksrepublik. Auch die Großstadt Nanjing hat eine Mundschutz-Pflicht angeordnet, berichten staatliche Medien.

"Das Virus kann sich auch während der Inkubationszeit ausbreiten", sagt Ma Xiaowei. "Also bevor sich Krankheitssymptome bemerkbar machen. Die Inkubationszeit beträgt im Schnitt zehn Tage. Es gab aber auch Fälle, bei denen die Krankheit nach einem Tag ausgebrochen ist, die längste Inkubationszeit beträgt 14 Tage."

Mit anderen Worten: Es wird noch einige Tage dauern, bis das ganze Ausmaß der Virus-Erkrankung in China wirklich sichtbar wird. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Infizierten in den nächsten Tagen noch deutlich steigen wird. Erst danach rechne er mit einem Rückgang, sagte der Leiter der Nationalen Gesundheitskommission.

China stellt wegen des Coronavirus Millionenstädte unter Quarantäne
tagesthemen 23:15 Uhr, 25.01.2020, Tamara Anthony, ARD Peking

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Als Ausgangspunkt der neuartigen Viruserkrankung gilt eine inzwischen geschlossene Markthalle in der Stadt Wuhan, die für ihren Wildtierhandel bekannt war. Neben lebenden Fischen, Muscheln und Krebsen wurden dort zeitweise auch Schlangen und diverse Vogel- und Säugetierarten verkauft. Den Handel mit solchen wild gefangenen Tieren hat Chinas Staats- und Parteiführung nun bis auf Weiteres verboten - und zwar landesweit. Das soll die Ausbreitung des Virus bremsen.

Nationale Winterspiele abgesagt

Chinas staatliche Sportverbände sagten mehrere Großveranstaltungen ab, unter anderem die nationalen Winterspiele, die für Mitte Februar im Landesteil Innere Mongolei geplant waren. Das zeigt, wie groß die Gefahr inzwischen eingeschätzt wird, denn die nationalen Winterspiele sollten eigentlich eine wichtige Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking werden.

Ausländer werden ausgeflogen

In der Stadt Wuhan gibt es auch ein US-Konsulat. Die amerikanische Regierung will am Dienstag alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Wuhan ausfliegen. Auch der Autokonzern Peugeot-Citroën will französische Angestellte und deren Familien aus der Stadt bringen. Auch die Regierung in Tokio bietet Japanern in Wuhan an, sie aus der abgeschotteten Stadt auszufliegen.

Das Auswärtige Amt in Berlin rät deutschen Staatsbürgern, nicht notwendige Reisen in die betroffenen Gebiete in der Provinz Hubei zu verschieben. Das Risiko für Reisende in Wuhan werde als "moderat" eingeschätzt.

Chinas Regierung verlängert Ferien

Wegen des chinesischen Frühlingsfestes sind in ganz China noch bis Ende der Woche Feiertage. Behörden, Schulen und viele Firmen und Geschäfte sind regulär geschlossen. Ein Großteil der Chinesinnen und Chinesen hat noch bis Donnerstag frei. Die Regierung verlängerte die Ferien inzwischen bis zum 2. Februar. Auch in Hongkong wurden die Schulferien verlängert.

Weltweit breitet sich das neuartige Virus weiter aus. In Japan wurde einem Medienbericht zufolge ein vierter Fall bestätigt. In den USA wurde ein vierter Patient mit dem Virus gemeldet. Nach Frankreich und Australien erreichte das Virus inzwischen auch Kanada. Ein Verdachtsfall in Deutschland bestätigte sich nicht.

Zahl der Infizierten in China steigt weiter
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
26.01.2020 16:34 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 25. Januar 2020 um 23:15 Uhr.

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