Der neuartige Corona-Erreger war erstmals in der zentralchinesischen Millionenmetropole Wuhan beim Menschen aufgetreten. | Bildquelle: AFP

Coronavirus in Wuhan EU will Europäer ausfliegen

Stand: 28.01.2020 21:34 Uhr

Zwei Flugzeuge sollen Hunderte EU-Bürger aus der Region in China herausholen. Die erste Maschine startet heute in Frankreich und wird etwa 250 Franzosen nach Hause fliegen. Das zweite Flugzeug soll im Laufe der Woche folgen.

In einer ersten Rückholaktion sollen 250 französische Staatsangehörige zum Schutz vor dem neuartigen Coronavirus aus China ausgeflogen werden. Das erste Flugzeug der durch die EU kofinanzierten Mission werde am Morgen von Paris starten, erklärte die EU-Kommission. In den nächsten Tagen soll ein weiteres Flugzeug 100 EU-Bürger anderer Nationalitäten zurück nach Europa holen.

Die EU-Kommission teilte mit, dass Frankreich über den europäischen Zivilschutz entsprechende Unterstützung für Europäer in der Metropole Wuhan und Umgebung gebeten habe. "Die EU vergisst ihre bedürftigen Bürger nicht, wo auch immer in der Welt sie sich befinden", erklärte Katastrophenkommissar Janez Lenarcic. Die zwei Flugzeuge würden über den EU-Katastrophenschutzmechanismus mobilisiert.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts befinden sich in der Region Hubei 90 Deutsche und Angehörige. Derzeit wird eine Rückholaktion für sie geprüft.

Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Hubei

Die Bundesregierung warnt davor, in die Provinz Hubei zu reisen. Von dort aus breitet sich das Coronavirus aus. Bisher hatte das Auswärtige Amt nur von Reisen in die Region um die Millionenstadt Wuhan abgeraten. Jetzt heißt es auf der Internetseite des Ministeriums: "Vor Reisen in die Provinz Hubei wird gewarnt." An anderer Stelle heißt es aber weiterhin: "Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan wird als moderat eingeschätzt."

Wie sich Deutschland auf das Coronavirus vorbereitet
tagesthemen 22:15 Uhr, 28.01.2020, Stella Peters/Johannes Jolmes, NDR

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Schärfere Informationen im Flugverkehr

Bis Dienstagabend waren in Deutschland vier Infektionsfälle festgestellt worden. Am Montag wurde bekannt, dass sich ein ein 33-jähriger Mann aus Bayern während eines Meetings an seinem Arbeitsplatz im Kreis Starnberg ansteckte - an dem Treffen hatte auch eine inzwischen erkrankte Kollegin aus China teilgenommen. Am Dienstag meldeten die Behörden drei weitere Infizierte, die im Kontakt mit dem 33-Jährigen gestanden hätten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ordnete als Reaktion mit verschärften Informationspflichten im Flugverkehr. Piloten von Flügen aus China müssen bei einer Landung in Deutschland den Tower über den Gesundheitszustand ihrer Passagiere informieren, sagte Spahn.

Verbreitung neues Coronavirus
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Bestätigte Fälle gibt es bislang (Stand 28.1.) in China, in Frankreich und Deutschland, in Nepal, Vietnam, Thailand, Taiwan, Malaysia, Kambodscha, Südkorea, Japan, Australien und den USA.

Reisende werden außerdem verpflichtet, Formulare zu ihrem Gesundheitszustand auszufüllen. Fluggesellschaften müssen die Informationen an die Behörden weiter geben. Es müssen auch Sitzpläne aus den Flugzeugen weitergegeben werden, damit nachvollziehbar ist, wer neben wem saß. Neben der Anordnung für den Flugverkehr verpflichtete Spahn per Eilverordnung außerdem Krankenhäuser, auch Verdachtsfälle auf den Coronavirus zu melden

Auch nach der Bestätigung des ersten Falls des Coronavirus in Bayern bleibe die Gefahr für die Gesundheit der deutschen Bevölkerung gering, erklärte das Robert Koch Instituts (RKI). Diese Einschätzung könne sich aber kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern, so das Institut. Mit einem Import von einzelnen Fällen nach Deutschland müsse gerechnet werden.

Vierter Coronavirus-Fall in Frankreich

Das neuartige Coronavirus kann eine Lungenkrankheit auslösen, an der im Hauptverbreitungsland China bereits mehr als 100 Menschen gestorben sind - die meisten davon waren ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist inzwischen auf mehr als 4500 gestiegen.

Sars Ausbruch
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Vergleicht man Ausbrüche wie SARS mit der saisonalen Grippe, so zeigt sich: Die Zahl der schweren Fälle und der Toten ist bei der saisonalen Grippe erheblich größer.

Weltweit steigt die Zahl der Patienten. Rund 60 Nachweise wurden bisher unter anderem aus den USA, Japan, Südkorea, Kanada, Thailand sowie Australien gemeldet. Behörden haben einen vierten an dem Coronavirus erkrankten Menschen in Frankreich bestätigt. Bei dem Patienten handele es sich um einen älteren chinesischen Touristen, teilte das französische Gesundheitsministerium mit. Der Mann befinde sich in einem kritischen Zustand und werde auf einer Intensivstation in einem Pariser Krankenhaus behandelt. In Taiwan steckte sich ein um die 50 Jahre alter Mann bei seiner Frau an, nachdem diese aus Wuhan zurückgekehrt war, wie die zuständige Behörde CECC mitteilte.

Der Würzburger Tropenmediziner August Stich rät zu "aufmerksamer Gelassenheit". "Die Einschläge kommen zwar näher, aber mehr ändert sich an der Gesamtsituation auch nicht", sagte der Chefarzt der Klinik für Tropenmedizin an der Würzburger Missioklinik. Der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, Christian Drosten, sagte, Deutschland müsse sich schon jetzt auf eine mögliche Pandemie vorbereiten.


Hotline für Bürger

Die Behörden in Bayern haben für Bürger eine Telefon-Hotline eingerichtet, bei der sich besorgte Bürgerinnen und Bürger melden können.

Unter der Telefonnummer 09131/6808-5101 können die Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen.

Wichtige Informationen zum Coronavirus und dem ersten bestätigten Fall in Bayern sind zudem auf der Internetseite des bayerischen Gesundheitsministeriums unter www.coronavirus.bayern.de zu finden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Januar 2020 um 16:00 Uhr.

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