Der britische Premier Boris Johnson spricht auf einer Pressekonferenz in London.  | Bildquelle: AFP

Corona in Großbritannien Weitere Lockerungen und neue Warnungen

Stand: 31.05.2020 12:11 Uhr

Großbritannien hat weit mehr als 38.000 Corona-Tote und immer noch viele Neuinfizierte zu beklagen. Dennoch gelten von morgen an in England weitere Lockerungen. Experten warnen, diese könnten zu früh kommen.

Viele Menschen in England dürften den morgigen Tag herbeisehnen: Rund zwei Monate nach Verhängung der strengen Kontaktbeschränkungen treten weitere Lockerungen im größten britischen Landesteil in Kraft. Treffen von bis zu sechs Personen in privaten Gärten und Parks sind dann wieder möglich, solange der Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden kann. Bislang waren nur Treffen von zwei Personen unterschiedlicher Haushalte erlaubt.

Zudem dürfen alle Geschäfte wieder öffnen, ebenso wie Märkte. Grundschulkinder dürfen wieder zur Schule gehen, Mitte Juni sollen auch ältere Schülerinnen und Schüler in den Präsenzunterricht zurückkehren. Im Juli dann soll der Hotelbetrieb wieder starten. Die Regelungen gelten nicht für das gesamte Vereinigte Königreich, sondern zunächst nur für England. Die Regierungen in Schottland, Wales und Nordirland verfolgen einen vorsichtigeren Zeitplan.

"Ein freudiger Moment"

Premierminister Johnson bezeichnete die Lockerungen als "lang erwarteten und freudigen Moment", da Menschen, deren Familien getrennt lebten, dann wieder "beide Elternteile oder Großeltern auf einmal" sehen könnten. Auch vorerkrankte und gefährdete Menschen dürfen nach zehn Wochen das erste Mal wieder vor die Tür. Diesen rund zwei Millionen Menschen dankte Johnson am Wochenende ausdrücklich für ihre Disziplin - und ermahnte sie zugleich, Menschenansammlungen weiter zu meiden sowie nicht zur Arbeit zu gehen.

Überhaupt mahnte Johnson, der selbst schwer an Covid-19 erkrankt war, die Bevölkerung zur Einhaltung der Distanzregeln. Großbritannien ist eines der am schwersten von der Coronavorus-Pandemie betroffenen Länder. Bislang starben dort 38.485 Menschen - so viele wie in keinem anderen europäischen Land. Die Regierung wurde für ihr zögerliches Krisenmanagement zu Beginn der Pandemie scharf kritisiert. Zudem ist sein Chefberater Dominic Cummings mit Rücktrittsforderungen konfrontiert. Ihm wird vorgeworfen, gegen Lockdown-Regeln verstoßen zu haben.

Mittlerweile verspricht Johnson ein "Weltklasse-System" an Tests und Kontaktverfolgungen, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. Die Regierung stellte dafür 25.000 Mitarbeiter ein. Doch Berichten zufolge läuft es nur schleppend an, beispielsweise wird über Software-Probleme geklagt.

Wissenschaftler warnen

Experten warnen vor den Folgen der Lockerungen: Mit geschätzt etwa 8000 Neuinfektionen pro Tag habe England im internationalen Vergleich noch immer sehr hohe Fallzahlen, sagte John Edmunds von der London School of Hygiene and Tropical Medicine dem "Guardian" zufolge. Dem schloss sich auch der Direktor des Wellcome Trust, Jeremy Farrar, an. "Covid-19 breitet sich zu schnell aus, um den Lockdown in England aufzuheben", schrieb er auf Twitter. Zuerst müsse ein System zur Testung und Kontaktverfolgung funktionieren und die Infektionszahlen geringer sein.

Den Warnungen aus der Wissenschaft schloss sich auch Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon an. "Wir müssen sehr vorsichtig sein, sagte sie dem Sender Sky News: "Dieses Virus ist nicht weg und das Risiko ist groß, dass es erneut außer Kontrolle geraten könnte."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Mai 2020 um 23:00 Uhr in den Nachrichten.

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