Ein Mann mit Maske läuft an einem Weltkarten-Wandgemälde in Madrid vorbei. | Bildquelle: AP

Corona-Pandemie Wie Europa mit dem Virus ringt

Stand: 27.10.2020 15:31 Uhr

EU-weit steigen die Corona-Infektionen rapide, vielerorts droht ein Lockdown: Wie gehen Deutschlands Nachbarstaaten mit der Krise um? Wie behaupten sich die Sonderwege in Schweden und Großbritannien? Ein Überblick.

Dänemark

Zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie verzeichnet Deutschlands nördlichstes Nachbarland mehr als 1000 Neuinfektionen in 24 Stunden. Mit Beginn der Woche traten deshalb neue Einschränkungen in Kraft: Ab 22.00 Uhr darf kein Alkohol mehr verkauft werden. Versammlungen mit mehr als zehn Teilnehmern sind verboten. Von Donnerstag an wird zudem die Maskenpflicht, die bisher bereits in öffentlichen Verkehrsmitteln, Bars und Restaurants gilt, auf alle öffentlichen Räume ausgeweitet. Schon seit Samstag dürfen Besucher aus Deutschland nur noch mit einem triftigen Grund einreisen. Insgesamt haben sich in Dänemark mit seinen 5,8 Millionen Einwohnern bislang mehr als 41.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 700 von ihnen starben. Im Vergleich zum Rest Europas zählt Dänemark damit zu den weniger betroffenen Ländern der Corona-Pandemie.

Schweden

Schweden setzte in der Pandemie von Anfang an auf die Eigenverantwortung seiner 10,2 Millionen Staatsbürger. Bislang wurden in Schweden mehr als 5930 Covid-19-Tote registriert - während der "ersten Welle" verzeichnete das Land eine der höchsten Sterberaten Europas. Noch immer gilt dort keine Maskenpflicht, von Maßnahmen wie einer nächtlichen Ausgangssperre ist keine Rede. Die Regierung gibt lediglich Empfehlungen aus, die sie zuletzt verschärft hat - denn momentan ist die Zahl der Neuansteckungen so hoch wie seit Juni nicht mehr.

Seit vergangener Woche wird den Bewohnern der Universitätsstadt Uppsala zu Semesterbeginn geraten, öffentliche Verkehrsmittel und physische Kontakte zu Menschen außerhalb des eigenen Haushalts zu meiden. In der Hauptstadt Stockholm scheint das Leben hingegen seinen normalen Gang zu gehen. Fast niemand trägt eine Maske, Bahnen und Busse sind oft voll, Geschäfte und Restaurants weiterhin uneingeschränkt geöffnet. Mehrere Umfragen ergaben allerdings, dass 80 Prozent der Schweden ihr Verhalten wegen der Corona-Pandemie geändert haben: Sie arbeiten etwa häufiger im Homeoffice, schränken persönliche Kontakte ein und waschen sich öfter die Hände.

Polen

In Polen steckten sich zuletzt mehr als 16.000 Menschen binnen 24 Stunden mit dem Coronavirus an - die meisten von ihnen in der Gegend um die Hauptstadt Warschau. Vom Robert Koch-Institut wird ganz Polen als Risikogebiet eingestuft - nicht zuletzt, da das Gesundheitssystem des Landes mit 38 Millionen Einwohnern und bislang 4615 Covid-19-Todesfällen in der Krise seine Kapazitätsgrenze erreicht hat. Seit Samstag sind alle Restaurants und Bars für einen Zeitraum von zwei Wochen geschlossen, Versammlungen mit mehr als fünf Personen sind verboten.

Das Warschauer Nationalstadion wurde zum Covid-Feldkrankenhaus umgewidmet, doch es mangelt an Ärzten und Pflegekräften: Nach OECD-Zahlen kommt Polen auf lediglich zwei Ärzte pro 1000 Einwohner; in Deutschland sind es etwa doppelt so viele, zudem sind viele in Polen verbliebene Mediziner im fortgeschrittenen Alter - und zählen damit selbst zur Risikogruppe.

Mit Informationen von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau.

Tschechien

Erst machten Restaurant und Bars dicht, dann mussten viele Läden schließen - nur noch zur Arbeit, zur Familie und zum Arzt durften die 10,7 Millionen Tschechen sich auf den Weg machen. Den erhofften Rückgang der Infektionszahlen brachten die Beschränkungen allerdings nicht: Tschechien verzeichnete zuletzt die höchsten Neuinfektionszahlen pro 100.000 Einwohnern in der EU, in den vergangenen 24 Stunden waren es mehr als 10.000 Menschen. Auch in Altenheimen und sozialen Einrichtungen grassiert das Virus, allein im Medizinwesen sind 13.000 Ärzte und Pfleger infiziert. Insgesamt hat das Land mit seinen 10,7 Millionen Einwohnern seit Beginn der Pandemie mehr als 260.000 Infektions- und mehr als 2300 Todesfälle verzeichnet.

Nun kündigte die Regierung eine nächtliche Ausgangssperre an, die am Mittwoch in Kraft treten und bis zum 3. November jede Nacht von 21.00 Uhr bis 04.59 Uhr gelten soll. In dieser Zeit dürfen die Menschen nur noch das Haus verlassen, um zur Arbeit oder mit dem Hund Gassi zu gehen. Geschäfte müssen künftig um 20.00 Uhr und den ganzen Sonntag schließen. Auch die traditionsreichen Weihnachtsmärkte im Prager Stadtzentrum fallen in diesem Jahr aus. In früheren Jahren hatten die Märkte im Dezember rund 700.000 Übernachtungsgäste in die Stadt gezogen, viele kamen aus den benachbarten deutschen Bundesländern Bayern und Sachsen. Ohnehin gilt ganz Tschechien seit September als Risikogebiet.

Mit Informationen von Peter Lange, ARD-Studio Prag.

Österreich

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat angesichts des starken Infektionsgeschehens als "Ultima Ratio" einen zweiten Lockdown in den Raum gestellt. Die gesetzliche Voraussetzung für entsprechende Verordnungen ist im alpinen Nachbarland der drohende Zusammenbruch des Gesundheitssystems - die Lage in den Kliniken ist also ausschlaggebend. Bislang haben sich insgesamt 86.102 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, 1005 Menschen starben nach einer Infektion. Zuletzt registrierte Österreich 2456 Neuansteckungen binnen 24 Stunden - bei nicht einmal neun Millionen Einwohnern ist die Entwicklung damit ernster als in Deutschland. Gesundheitsminister Rudolf Anschober hatte sich jüngst noch zuversichtlich gezeigt, dass die bisher eingeleiteten Maßnahmen ausreichen würden, die Entwicklung unter Kontrolle zu bringen.

Etwa dürfen sich seit Sonntag nur noch sechs Personen in Innenräumen und zwölf Menschen im Freien treffen - das gilt für private Feiern wie für Amateurchöre, Yogakurse wie Musikkapellen. Auf der Straße müssen Passanten einen Meter Abstand zu einander halten, wenn sie nicht im gleichen Haushalt leben, außerdem gilt im öffentlichen Raum eine erweiterte Maskenpflicht - etwa an Bahnhöfen, Haltestellen und in Einkaufspassagen. Opern- und Theaterbesucher müssen eine Maske während der gesamten Vorstellung tragen, auch für die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie bei Besuchen in Altenheimen und auf Märkten ist eine Mund-Nase-Bedeckung Pflicht.

Schweiz

Mit zuletzt 17.440 verzeichneten Neuinfektionen am Wochenende, die das Bundesamt für Gesundheit am Wochenende nur für einen 72-stündigen Zeitraum herausgibt, zählt die Schweiz zu einem der Risikogebiete rund um Deutschland. Seit Beginn der Pandemie wurden 121.093 Personen positiv auf das Coronavirus getestet, 1914 Menschen starben nach einer Infektion. Angesichts der Lage will die Schweiz am Mittwoch über verschärfte Corona-Schutzauflagen entscheiden - schon vor dem Beschluss stellt die Regierung die knapp 8,6 Millionen Einwohner darauf ein, dass sie lange in Kraft bleiben werden.

Die Debatte bestimmen in der Schweiz aber nicht Auflagen-Skeptiker oder Hilferufe einzelner Branchen, sondern mutmaßliche "Superspreader"-Ereignisse: In den Boulevardzeitungen sorgt insbesondere eine Hochzeitsfeier mit mehr als 200 Gästen im Dorf Schwellbrunn im Kanton Appenzell Ausserrhoden für Aufregung, die vor zwei Wochen stattfand. An dem Fest hatten auch Personen mit Symptomen einer Corona-Infektion teilgenommen - doch offenbar hatten die Gäste eine Absprache getroffen, sich nicht testen zu lassen, um eine eventuelle Quarantäne zu umgehen, so empörte sich der Regierungsrat der Region. Zudem hatten mehrere der Hochzeitsgäste später noch an einem Oktoberfest teilgenommen. Mit mindestens 18 Ansteckungen und einem Todesfall ist Schwellbrunn nun besonders stark vom Coronavirus betroffen. Für Gesprächstoff sorgt auch die Jubiläumsparty eines Shoppingcenters in Spreitenbach im Aargau: Dort drängten sich am Wochenende Dutzende Besucher dicht an dicht, um herumfliegende Rabatt-Gutscheine zu ergattern.

 Mit Informationen von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich.

Frankreich

Angesichts immer neuer Höchststände bei den Corona-Neuinfektionen steht Frankreich offenbar vor einem neuen, einschneidenden Maßnahmen: Innenminister Gérald Darmanin nannte "harte Entscheidungen" vor einer Krisensitzung des Kabinetts unausweichlich. Im Gespräch sind eine deutliche Ausweitung der nächtlichen Ausgangssperre oder ein zeitlich befristeter Lockdown. Der Vorsitzende des Corona-Beirats der Regierung, Jean-François Delfraissy, sagte, die Wissenschaftler seien "von der Brutalität der Entwicklung der vergangenen zehn Tage überrascht worden". Seit dem 17. Oktober gilt bereits eine Ausgangssperre zwischen 21 Uhr und sechs Uhr morgens, die inzwischen auf 46 Millionen Bürger ausgeweitet wurde. Sie betrifft damit mehr als zwei Drittel der Bevölkerung. Delfraissy sagte, anders als im Frühjahr könnte es Schulen und bestimmten Wirtschaftszweigen erlaubt bleiben, unter strengen Auflagen zu öffnen.

Am Wochenende hatte die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Frankreich erstmals die Schwelle von 50.000 überschritten. Mehr als die Hälfte der Betten auf französischen Intensivstationen sind mit Corona-Patienten belegt, in Paris sind es sogar rund 70 Prozent. Seit Beginn der Pandemie hat Frankreich mehr als eine Million Fälle und 34.746 Tote mit einer Corona-Infektion registriert. Ungeachtet der Regierungskonsultationen ist in Cannes ein dreitägiges Filmfest angelaufen: Die Vorstellungen beginnen schon um 18.00 Uhr, in den Kinosälen und auf dem roten Teppich ist nur eine begrenzte Anzahl von Zuschauern mit Mund-Nasen-Schutz zugelassen.

Luxemburg

In Luxemburg gilt eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen und öffentlichen Verkehrsmitteln, Passanten sollen grundsätzlich zwei Meter Abstand zu einander halten. Bislang waren Sport- und Kulturstätten weiterhin geöffnet, private Versammlungen drinnen oder im Freien mussten auf zehn Personen beschränkt werden - bei öffentlichen Veranstaltungen mit mehr als zehn Personen müssen die Teilnehmer sich Sitzplätze im Abstand von zwei Metern zuweisen lassen.

Zuletzt registrierte das Großherzogtum mit knapp 614.000 Einwohnern allerdings mehr als 1500 Neuinfektionen in 24 Stunden - seit Beginn der Pandemie wurden 14.399 Infizierte und 147 Todesfälle verzeichnet. Deshalb gilt seit Freitag eine nächtliche Ausgangssperre: Zwischen 23.00 Uhr und 06.00 Uhr dürfen Einwohner ihre Häuser nicht mehr verlassen, zudem dürfen sich nun nur noch maximal vier Personen treffen, die nicht aus dem selben Haushalt stammen. Die Maßnahme soll zunächst einen Monat lang gelten. In Bars und Restaurants dürfen höchstens vier Menschen zusammen an einem Tisch sitzen. Wettkämpfe im Amateursport sind vorerst ausgesetzt. Angesichts zunehmend beanspruchter Arztpraxen und Krankenhäuser verstärkt die luxemburgische Regierung auch die gesundheitliche Beratung: Am Dienstag nahm ein Konsultationszentrum seinen Betrieb auf, das Personen mit Covid-19-Symptomen zur Sprechstunde empfängt - unabhängig davon, ob diese sozialversichert sind oder nicht. Wenn die Situation es erfordert, soll im Süden Luxemburgs ein zweites Beratungszentrum eröffnet werden.

Belgien

Belgien wollte eine landesweite Ausgangsbeschränkung vermeiden - nun kommt sie offenbar doch: Im stark betroffenen französischsprachigen Landesteil und in der Hauptstadt Brüssel galt am Dienstag bereits ein "teilweiser Lockdown", Flandern könnte nach einer Krisensitzung am Abend nachziehen. Landesweit wurden in Belgien in den vergangenen sieben Tagen im Durchschnitt jeweils mehr als 13.000 neue Fälle festgestellt - nur Tschechien verzeichnet relativ zur Einwohnerzahl mehr Ansteckungen. In der wallonischen Großstadt Lüttich nahe der deutschen Grenze haben die meisten Krankenhäuser ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Patienten mussten auf umliegende Provinzen und teilweise nach Deutschland verlegt werden. Medizinisches Personal ohne Symptome wurde angewiesen, selbst bei positiven Corona-Befunden weiterhin zur Arbeit zu kommen. Momentan werden über 5000 Corona-Patienten in belgischen Krankenhäusern behandelt, rund 800 davon liegen auf der Intensivstation. Unter den Intensivpatienten ist auch die Außenministerin und ehemalige Regierungschefin Sophie Wilmès.

Virologen hatten schon länger deutlich strengere Maßnahmen für das ganze Land gefordert. Die flämische Regionalregierung lehnte dies aber unter Verweis auf die bislang bessere Lage vor Ort ab. Landesweit gilt nun seit dieser Woche etwa eine nächtliche Ausgangssperre zwischen Mitternacht und 5.00 Uhr und das Arbeiten von zu Hause wird empfohlen. Restaurants und Bars sind schon länger dicht. Brüssel und die Wallonie weiteten ihrerseits die Ausgangssperre auf zwischen 22.00 und 6.00 Uhr aus und schreiben Heimarbeit vor, wenn dies machbar ist. In der Hauptstadt und weiteren französischsprachigen Großstädten gilt eine allgemeine Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Museen, Kirchen und Sportstätten mussten schließen.

Niederlande

Die Niederlande gehören zu den am stärksten von der zweiten Welle der Pandemie getroffenen Ländern Europas: Binnen 24 Stunden stieg die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen auf mehr als 9000 - bei 17,3 Millionen Einwohnern. Die Zahl der Patienten in Krankenhäusern und auf den Intensivstationen steigt schnell: Inzwischen ist fast jedes zweite Intensivbett - von denen es in den Niederlanden ohnedies nur 1150 gibt - mit einem an Covid-19 erkrankten Patienten belegt. Aus diesem Grund wurden Ende vergangener Woche bereits Patienten in deutsche Kliniken in Nordrhein-Westfalen ausgeflogen, das insgesamt 85 Betten für Patienten aus den Niederlanden zur Verfügung stellen will.

Um das Infektionsgeschehen einzudämmen, war vor einer Woche ein Teil-Lockdown verhängt worden. Unter anderem mussten alle Gaststätten schließen, Bürger dürfen nur noch drei Gäste am Tag empfangen und sollen öffentliche Verkehrsmittel nur in dringenden Fällen nutzen. Auch die niederländische Regierung ist bereits vom Coronavirus betroffen: Nachdem sich ein Mitarbeiter des Ministers für Medien und Bildung, Arie Slob, infiziert hatte, musste dieser eine Parlamentsdebatte abbrechen und sich in Quarantäne begeben. Er selbst zeigte zunächst keine Symptome.

Großbritannien

Das Vereinigte Königreich ist das Land mit den meisten Covid-19-Todesfällen in Europa: Bislang starben knapp 45.000 Menschen nach einer Corona-Infektion, insgesamt wurden mehr als 897.740 Ansteckungen registriert. Experten rechnen aus mehreren Gründen mit einer hohen Dunkelziffer: Zum einen entscheidet jeder Landesteil selbst über seine Pandemie-Gegenmaßnahmen, zum anderen ist das nationale Gesundheitssystem NHS chronisch überlastet, Corona-Tests sind deshalb knapp. Hoffnung ruht deshalb auf Schnelltests, die die Pharmaziekette Boots in der kommenden Woche in einigen Filialen anbieten will.

Besonders stark von der Pandemie betroffen sind derzeit der Norden Englands, Teile von Wales und Schottland sowie Nordirland. Die Regionalregierung in Wales hat sich deshalb für einen Lockdown entschieden: Bis zum 9. November sollen die Menschen in Wales zuhause bleiben. Büros, Kirchen, Geschäfte und Tourismusstätten müssen schließen. Für Schülerinnen und Schüler bis zur 8. Klasse gibt es eine Ausnahme: Sie dürfen übernächste Woche nach ihren Herbstferien wieder ganz normal zum Unterricht. In Nordirland läuft der Lockdown dagegen schon: Seit Freitag sind Schulen, Geschäfte und Restaurants geschlossen. Allerdings dürfen die Schulen schon nach zwei Wochen wieder öffnen, für alle andere gilt der Lockdown für vier Wochen. In England will Premierminister Boris Johnson einen Lockdown um jeden Preis verhindern. Er hat vergangene Woche ein 3-Stufen-System eingeführt: Je nach Infektionsgefahr gelten in den Stufen unterschiedlich strenge Maßnahmen. In Schottland wiederum soll das Warnsystem fünf Stufen haben - von weitgehender Normalität wie im Sommer (Stufe 0) bis zu einem lockdown-ähnlichen Zustand (Stufe 4), bei dem Pubs, Restaurants und auch einige Geschäfte geschlossen werden sollen.

Mit Informationen von Jenny Beyen, ARD-Studio London.

Spanien

Seit Sonntag gilt in Spanien der Corona-Notstand, nachdem am Wochenende meher als 50.000 Neuinfektionen gemeldet worden waren. Damit liegt die Gesamtzahl der bislang gemeldeten Ansteckungen bei knapp 1,1 Millionen und mehr als 35.000 Todesfällen. Mit der Ausrufung des sogenannten Alarmzustandes verhängte die Regierung fast im ganzen Land auch eine nächtliche Ausgehsperre. Lediglich die Kanarischen Inseln sind davon ausgenommen. Nur unter dem Notstand darf die Regierung die Bewegungsfreiheit der Bürger in Spanien einschränken. Er gilt zunächst für zwei Wochen, eine Verlängerung muss vom Parlament gebilligt werden. Die Minderheitsregierung strebt - anders als im Frühjahr, als ein am Ende rund dreimonatiger Notstand alle zwei Wochen verlängert wurde - eine einmalige Verlängerung bis Anfang Mai an, um "Weihnachten zu retten". Die Opposition hält allerdings vehement dagegen.

Spaniens Regionalregierungen dürfen den Beginn des Ausgangsverbots zwischen 22 und 24 Uhr und das Ende zwischen 5 und 7 Uhr ansetzen. Im ganzen Land wurden Versammlungen von mehr als sechs Personen, die nicht im selben Haushalt leben, untersagt. Regionen dürfen ihr gesamtes Gebiet, einzelne Gemeinden oder Stadtteile abriegeln und andere Einschränkungen anordnen, ohne befürchten zu müssen, dass die Justiz diese Maßnahmen kippt. Von dieser Möglichkeit machten drei der 17 Autonomen Gemeinschaften umgehend Gebrauch. Die Regierungen Aragoniens und des Baskenlandes zogen am Dienstag nach, am Mittwoch will Asturien folgen. In Navarra und La Rioja waren bereits vorige Woche anhaltende Absperrungen beschlossen worden. Die rund fünfeinhalb Millionen Betroffenen dürfen ihre jeweilige Region nur mit triftigem Grund verlassen - etwa, um zur Arbeit zu fahren oder den Arzt aufzusuchen. Auswärtige dürfen ihrerseits auch nur ein Ausnahmefällen einreisen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 27. Oktober 2020 um 15:06 Uhr.

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