Menschen mit Mundschutz stehen vor der Kirche San Biagio in Codogno | Bildquelle: dpa

Coronavirus Sperrzonen statt Karneval in Italien

Stand: 23.02.2020 17:00 Uhr

Italien fürchtet eine weitere Ausbreitung des Coronavirus und greift zu drastischen Maßnahmen: Erstmals werden auch in Europa ganze Orte abgeriegelt. Benachbarte Staaten beobachten die Entwicklung mit Sorge.

Mit drastischen Maßnahmen wie Sperrzonen will Italien die rasante Ausbreitung des Coronavirus stoppen. Mehrere Gemeinden in Norditalien wurden abgeriegelt, damit das Virus nicht auf die Wirtschaftsmetropole Mailand, das Touristenzentrum Venedig und andere Regionen übergreift.

Der Karneval in Venedig werde genauso wie alle Sportveranstaltungen abgesagt, Museen und Schulen sollen in der gesamten Region Venetien bis zum 1. März geschlossen bleiben, kündigte Regionalpräsident Luca Zaia an. Der Karneval hätte eigentlich noch bis Dienstag laufen sollen.

Vom Coronavirus betroffene Provinzen in Italien
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Vom Coronavirus betroffene Provinzen in Italien

Mehr als 130 Fälle

Die Zahl der Infizierten war in Italien über das Wochenende überraschend stark angestiegen. Bis zum Sonntagnachmittag waren es bereits mehr als 130 Fälle, wie Zivilschutzchef Angelo Borrelli erklärte. Am stärksten war die wirtschaftsstarke Region Lombardei betroffen, wo rund 90 Fälle gemeldet wurden. Es folgte Venetien, wo es rund 25 Infizierte waren. Darunter gab es auch zwei Fälle in der Stadt Venedig, sagte Zaia. Auch im Piemont, in der Emilia-Romagna und in Rom hatten sich Menschen angesteckt.

Zwei ältere Menschen sind bereits gestorben. 26 Personen waren laut Zivilschutz auf der Intensivstation. Die Regierung kündigte scharfe Maßnahmen an, um eine Verbreitung in den wirtschaftsstarken Regionen aufzuhalten. Die am stärksten betroffenen Städte wurden abgeriegelt: Niemand durfte rein oder raus. Betroffen ist die Provinz Lodi in der Lombardei rund 60 Kilometer südöstlich von Mailand, wo rund 50.000 Menschen leben, sowie die Stadt Vo in der Provinz Padua in Venetien mit rund 3000 Einwohnern.

"Das Ziel ist es, die Gesundheit der italienischen Bevölkerung zu schützen", sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte nach einer Krisensitzung in der Nacht zu Sonntag. Zunächst sollten Sicherheitskräfte die Regionen abriegeln. "Wenn nötig, werden es auch die Streitkräfte sein." Wer versuche, die Absperrungen zu umgehen, dem drohe strafrechtliche Verfolgung.

Die Maßnahme erinnert an die Vorgehensweise gegen das Virus in China. Man wolle aber die Menschen in den italienischen Sperrgebieten nicht alleine lassen, sagte Conte. In den nächsten Tagen soll beispielsweise eine neue Verordnung einen finanziellen Ausgleich regeln.

Mailänder Scala sagt Aufführungen ab

In vielen Städten und Gemeinden wurden Schulen, Universitäten und ein Großteil der Geschäfte geschlossen. Großveranstaltungen wie Gottesdienste, Karnevalsfeste und Sportevents wurden abgesagt. Die Mailänder Scala sagte ihre Aufführungen bis auf Weiteres ab. In Venedig, das um die Karnevalszeit massenhaft Touristen besuchen, herrschte Alarmstimmung. Die Feste sollten ab Sonntagabend auslaufen.

Das Ausmaß des Ausbruchs in Italien erschreckt. Zum Vergleich: In Deutschland wurden bisher 16 Fälle gemeldet, in Frankreich zwölf. Italiens Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri sagte dem Sender SkyTG24, er gehe von weiter steigenden Fallzahlen aus. "Es ist klar, dass wir mehr Fälle haben werden."

In Südtirol bereiteten sich die Behörden auf mögliche eingeschleppte Infektionen vor. Kitas sollten vorerst geschlossen bleiben. Ein Aussetzen der innereuropäischen Reisefreiheit im Rahmen der Schengen-Zone sei vorerst nicht vorgesehen, so Conte. Aus Italien solle "kein Lazarett" werden.

Nachbarstaaten mit erhöhter Aufmerksamkeit

In den Nachbarländern Schweiz und Österreich herrscht erhöhte Wachsamkeit. Frankreich bereitet sich verstärkt auf eine Ausbreitung des Virus vor. Die Lage in Italien werde "aufmerksam verfolgt", sagte Gesundheitsminister Olivier Véran.

Auch die Bundesregierung beobachtet die Lage. "Unsere Botschaft und die deutschen Konsulate in Italien stehen mit den italienischen Behörden in Kontakt für den Fall, dass die italienischen Maßnahmen Deutsche betreffen", hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Rückkehrern aus den betroffenen Regionen in Norditalien wurde empfohlen, sich an die entsprechenden Hinweise des Robert Koch-Instituts und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf deren Internetseiten zu halten

Coronavirus in Italien: Karneval in Venedig abgesagt und ganze Gebiete abgesperrt
Jörg Seisselberg, ARD Rom
23.02.2020 17:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Februar 2020 um 10:00 Uhr.

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