Eine Reihe von Zelten obdachloser Veteranen in Los Angeles, Kalifornien, USA. | Bildquelle: Kyle Grillot/EPA-EFE/Shutterstoc

Corona-Pandemie in Kalifornien "Die Obdachlosenkrise wird schlimmer"

Stand: 25.09.2020 10:41 Uhr

Obdachlosigkeit war schon vor der Corona-Krise eines der größten Probleme Kaliforniens. Die Pandemie verschärft dies - trotz des verhängten Stopps von Zwangsräumungen. Besonders betroffen sind Minderheiten.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

"Wir haben in Kalifornien schon eine Obdachlosenkrise, und die wird jetzt durch Corona noch schlimmer", sagt Paul Lanctot von der Mieterschutzorganisation LA Tenants Union. Die Organisation vertritt die Interessen von Mietern. Diese hätten seit der Corona-Krise ganz besonders große Probleme, ihren monatlichen Verpflichtungen nachzukommen.

In Kalifornien konnte die Miete für die vergangenen sechs Monate zwar ausgesetzt werden - Zwangsräumungen sind bislang per Gesetz verboten. Doch das Problem sei, dass die Miete nur aufgeschoben, nicht aufgehoben wird, sagt Lanctot: "Es gibt Leute, die konnten die Miete in den letzten sechs Monaten nicht zahlen. Es ist absurd zu erwarten, dass in einem halben Jahr - wenn wir noch immer in der Pandemie stecken - diese Menschen die Miete des letzten haben Jahres zahlen können, plus ihre jetzige Miete."

Studie: Minderheiten besonders von Wohnungsnot betroffen

60 Prozent der Kalifornier würden mehr als zwei Drittel ihres Einkommens für Miete ausgeben, erzählt er. Das Leben ist teuer, vor allem in den Großstädten wie Los Angeles und San Francisco, wo allein ein WG-Zimmer um die 1500 Dollar kosten kann.

Besonders hart trifft es Schwarze und Latino-Familien. Das hat eine Studie des Radionetzwerks NPR und der Harvard Universität ergeben. Die beiden Minderheiten gehören oft zu den einkommensschwächeren Schichten, arbeiten in unsteten Jobs, sind schneller von Arbeitslosigkeit bedroht.

Sie haben jetzt die größten Probleme, ihre Mieten oder Hypotheken zu zahlen, sagt David Williams, Professor an der Harvard Universität, im NPR-Interview: "Für jeden Dollar, den weiße Haushalte haben, haben schwarze Haushalte zehn Pennys und Latino-Haushalte zwölf Pennys. Es ist also nicht verwunderlich, dass sie im Zusammenhang mit der Pandemie wirklich schwer getroffen sind."

Der Schauspieler Danny Trejo besucht obdachlose Veteranen in Los Angeles, Kalifornien, USA. | Bildquelle: AP
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Der Schauspieler Danny Trejo besucht obdachlose Veteranen in Los Angeles. Durch die Corona-Krise können sich viele Menschen die teuren Mieten in der Metropole nicht mehr leisten.

Pandemie wirkt sich auch auf Vermieter aus

Zwangsräumungen sind zwar untersagt, laut Mieterschutzorganisation LA Tenants Union werden sie aber praktiziert. Es treffe vor allem Menschen, die illegal in den Staaten leben oder kein gutes Englisch sprechen. Sie wüssten nicht, welche Rechte sie eigentlich haben, sagt Lanctot - deswegen würden sie aufgeben und ausziehen.

Doch das Problem ist noch komplexer: Denn auch viele private Vermieter werden hart durch die Pandemie und die Gesetze der kalifornischen Regierung getroffen. Laut Marly Tempel, eine deutsche Immobilienmaklerin, die lange in Los Angeles lebt, hätten nun manche Vermieter selbst Probleme, ihre Hypotheken zu bezahlen. Sie kenne Vermieter, die sagen: "So lange ich keine Miete einnehmen darf, niemand rausschmeißen darf, lasse ich die Wohnung leer stehen."

Rekordhoch bei Mieten

Die Folgen sind spürbar: der Leerstand wächst, die Mieten in Südkalifornien sind auf einem Rekordhoch. Die Corona-Krise hat dazu geführt, dass die Vermieter ihre Mieter ganz genau anschauen, teilweise sechs Monate Miete im Voraus verlangen können. "Die Mieten sind seit April kein bisschen runter gegangen. Ein Einfamilienhaus zu finden ist extrem schwer, weil der Bedarf so hoch ist", sagt Tempel.

Die Obdachlosen- und Wohnungskrise war schon vor Beginn der Pandemie eines der größten Probleme Kaliforniens. Die Corona-Krise hat dies nur noch verstärkt. Wer kann, der geht deswegen auch, so Immobilienmaklerin Tempel.

Wohnungskrise durch Corona in Kalifornien
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
25.09.2020 09:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. September 2020 um 07:43 Uhr.

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