Papst Franziskus leitet eine feierliche Osternacht im Petersdom | Bildquelle: dpa

Ostern in Corona-Zeiten Von Hoffnung und digitalen Gebeten

Stand: 11.04.2020 22:26 Uhr

Es ist ein anderes Osterfest - darin sind sich Kirche und Politik einig. Doch auch darin, dass gerade in schwierigen Zeiten wie der Corona-Krise die Hoffnung und der Zusammenhalt nicht verloren gehen dürfen.

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen wird auch das Osterfest in diesem Jahr anders gefeiert. Am deutlichsten wird das in Rom: Wie auch schon die Gründonnerstagsmesse und den Gottesdienst am Karfreitag hat Papst Franziskus die Osternacht in einem weitgehend leeren Petersdom gefeiert.

Nur wenige Gläubige und Kirchenmitglieder mit liturgischen Aufgaben waren bei den traditionellen Feierlichkeiten zugegen. Die Prozedur im Westarm der Petersbasilika fand durch diese Einschränkungen in verkürzter Form statt. So entfielen die Riten zur Vorbereitung der Osterkerze und das Weiterreichen des Osterlichts. Auch die Taufe von Erwachsenen durch den Papst entfiel, es gab nur eine einfache Erneuerung des Taufversprechens.

Der Papst sprach vom Karsamstag als "den Tag der großen Stille". Ängste um das eigene Leben und um die Zukunft machten diesen Tag in der biblischen Geschichte wie auch heute zur "dunkelsten Stunde". Zugleich gäben viele Menschen die Liebe nicht auf und säten mit kleinen Gesten "Keime der Hoffnung". Franziskus versuchte Mut zu machen:

"Die Dunkelheit und der Tod haben nicht das letzte Wort."

Liveübertragung im Netz

Gläubige in aller Welt können die Feierlichkeiten rund um das Osterfest im Fernsehen oder per Livestream im Internet verfolgen, auch die Heilige Messe am Ostersonntag, in deren Anschluss Franziskus den Segen "Urbi et orbi" ("der Stadt und dem Erdkreis") erteilen wird.

Urbi et Orbi

Der Segen "Urbi et Orbi" ist einer der bekanntesten Riten der römisch-katholischen Kirche. Die Formel "der Stadt und dem gesamten Erdkreis" geht auf die antiken Römer zurück. Die Kirche fügte sie erstmals im 13. Jahrhundert in das offizielle Ritual ein. Das antike Reichsbewusstsein setzte die Stadt Rom (urbs) mit dem Erdkreis (orbis) gleich.

Heute wird der Segen zu feierlichen Anlässen wie am Ostersonntag, am ersten Weihnachtstag oder nach einer Papstwahl erteilt. Er muss vom Papst als Bischof von Rom und als Oberhaupt der Weltkirche gespendet werden. Mit päpstlicher Erlaubnis können auch Kardinäle, Bischöfe oder Priester den Segen erteilen. Die Zeremonie auf dem Petersplatz ist für alle Gläubigen mit einem besonderen Ablass verbunden.

"Das Licht ist stärker als die Dunkelheit"

Auch in Deutschland gestaltet sich das Osterfest für Gläubige anders. Trotzdem haben die obersten Repräsentanten der beiden führenden Kirchen im "Wort zum Sonntag" gemeinsam zu Hoffnung aufgerufen.

"Es gibt Hoffnung. Das Licht ist stärker als die Dunkelheit", sagte Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland mit Verweis auf die Auferstehung Christi. Ostern gilt als das wichtigste Fest im christlichen Glauben. Die Christen gedenken an Jesu Auferstehung und feiern den Sieg des Lebens über den Tod.

"Die Corona-Krise ist für uns alle eine schwierige, für viele eine sorgenvolle und dunkle Zeit", fuhr Bedford-Strohm fort. Er verwies auf Schwerkranke, "die mit dem Tod ringen", auf zunehmende Einsamkeit, aber auch auf Flüchtlinge und Arme, "für die das Virus eine besonders große Gefahr bedeutet".

Auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, rief dazu auf: "Denken Sie auch an die, denen es schlechter geht als Ihnen, die im Krankenhaus liegen oder die in anderen Ländern noch mehr von der Krise betroffen sind." Doch auch Bätzing betonte:

"Das Licht und das Leben werden siegen. Daran glaube ich."

Es ist das erste Mal, dass die Vorsitzenden beider Kirchen sich gemeinsam im "Wort zum Sonntag" äußern, dass in der Nacht von Samstag auf Sonntag um Mitternacht ausgestrahlt wird.

Beginn der Osterfeierlichkeiten: Vigilfeier im Vatikan ohne Besucher
tagesschau24 09:00 Uhr, 12.04.2020

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Eine "Prüfung unserer Menschlichkeit"

Neben Kirchenvertretern hat sich auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Osteransprache an die Bevölkerung gewandt. Er bezeichnete die Corona-Pandemie als eine "Prüfung unserer Menschlichkeit". Auch Steinmeier spielte in seiner Rede auf den Widerspruch zwischen der religiösen Bedeutung des Osterfestes und der aktuellen Lage an:

"Ausgerechnet an Ostern, dem Fest der Auferstehung, wenn Christen weltweit den Sieg des Lebens über den Tod feiern, müssen wir uns einschränken, damit Krankheit und Tod nicht über das Leben siegen."

Ein "Wir-Gefühl" in der Gesellschaft

Den Gedanken der Hoffnung griffen auch die CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und der Generalsekretär der Partei, Paul Ziemiak, in einem gemeinsamen Schreiben auf. Es gehe um die grundsätzliche Hoffnung, "dass man keine Furcht haben muss, dass es weitergeht, dass es besser wird", heißt es darin. Derzeit zeige sich die "christliche Nächstenliebe" in der Gesellschaft, ein "unglaubliches Wir-Gefühl". Sei es anhand von Freiwilligen, die bei der Ernte helfen oder Einkäufe für Nachbarn erledigen, oder etwa anhand der Versorgung Schwerstkranker aus anderen Ländern.

CSU-Chef Markus Söder betonte in seiner Osteransprache: Ostern falle nicht aus, "wir müssen es einfach anders feiern als sonst". Er wies darauf hin, dass Kirchen digitale Angebote geschaffen hätten, damit niemand ohne die "Frohe Botschaft" der Auferstehung bleibe. Denn Gottesdienste dürfen bundesweit wegen der Corona-Auflagen nicht stattfinden.

Bundesverfassungsgericht bestätigt Gottesdienstverbot

Genau dagegen hatten ein Katholik aus Hessen sowie der katholische "Freundeskreis Philipp Neri" per Eilantrag geklagt und gefordert, Gottesdienste mit bis zu 50 Teilnehmern zuzulassen, da diese den geforderten Mindestabstand von 1,5 Metern zueinander einhalten könnten. Internetübertragungen oder individuelle Gebete könnten den gemeinsamen Gottesdienst nicht ersetzen.

Doch das Bundesverfassungsgericht lehnte die Anträge ab. Zwar stellten die Einschränkungen gegen das Coronavirus einen "überaus schwerwiegenden Eingriff in die Glaubensfreiheit" dar, räumten die Richter ein. Doch der Schutz vor "Gefahren für Leib und Leben" hätte derzeit Vorrang. Würde man das Versammlungsverbot in der aktuellen Situation aufheben, drohe eine große Zahl von Infektionen und Erkrankungen. Allerdings forderte das Gericht, die Zulässigkeit der angeordneten Verbote dauerhaft und streng zu überprüfen.

Alles wird gut: Botschaft des Papstes in der Osternacht
Jörg Seisselberg, ARD Rom
12.04.2020 07:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. April 2020 um 13:58 Uhr.

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