Hunderte von Restaurant- und Barbesitzern protestieren in der südfranzösischen Stadt Marseille gegen neue Schließungsbefehle. | Bildquelle: AFP

Marseille gegen Corona-Maßnahmen "Völlig idiotisch"

Stand: 25.09.2020 16:12 Uhr

Nach neuen Höchstwerten bei Neuinfektionen werden in Frankreich die Corona-Maßnahmen verschärft. Am härtesten trifft es die Hafenstadt Marseille. Nicht nur dort droht die Stimmung zu kippen.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

16.000 an einem Tag - auf diesen neuen Höchstwert ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen gestern in Frankreich gestiegen. Bereits seit einigen Wochen erlebt das Land immer neue Höchstwerte. Und die Regierung reagiert mit weiteren, regional begrenzten Einschränkungen.

Am härtesten hat es Marseille, die zweitgrößte Stadt des Landes, getroffen. Dort sollen ab morgen sämtliche Bars und Restaurants zunächst für zwei Wochen schließen. Doch anders als beim strikten Lockdown in Frühjahr regt sich jetzt Protest dagegen.

Lautstarker Protest vor Handelsgerichtshof

"Offen lassen" - diese Forderung erschallte lautstark vor dem Handelsgerichtshof von Marseille. Mehrere Hundert Restaurant-, Café-, und auch Geschäftsbesitzer hatten sich dort versammelt, um gegen die ab morgen von der Regierung angeordneten Schließungen zu protestieren.

"Wir wollen, dass alle es hören. Vom Premierminister, über den Präsidenten der Republik bis zum Gesundheitsminister. Wir wollen mit ihnen reden und ihnen sagen, dass ihre Entscheidung völlig idiotisch ist", machte Bernard Marty, Chef der Vereinigung des Gastgewerbes von Marseille, seinem Ärger Luft.

16.000 Corona-Neuinfektionen in Frankreich
tagesthemen 21:45 Uhr, 25.09.2020, Sabine Rau, ARD Paris

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Sorge vor tagelanger Schließung

Viele Gastronomen fürchten um ihre Zukunft, haben die wochenlange Schließung vom Frühjahr kaum überstanden. Manche fragen sich, warum Präsident Emmanuel Macron aktuell predigt, man müsse lernen, mit dem Virus zu leben, nur um das öffentliche Leben jetzt doch wieder herunterzufahren.

Es brodelt heftig in der Mittelmeer-Metropole - seit Mittwochabend schon, dem Moment, an dem Gesundheitsminister Olivier Véran die neueste Verschärfung der Corona-Regeln verkündet hatte. 14 Tage Lockdown für alle Bars und Restaurants der Stadt. Schließung von Schwimmbädern, Fitnessstudios, Festhallen. Letzteres gilt auch für Paris und andere vom Coronavirus stark betroffene Städte, wo Bars von kommendem Montag an ab 22 schließen müssen.

Auch dort rumorte es gestern bereits: "Ich bin von Olivier Véran und vom Polizeipräfekten angerufen worden und habe beiden gesagt, dass ich mit diesen Maßnahmen nicht einverstanden bin", klagte die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo moderat im Ton.

Bürgermeister fordert zehn Tage Aufschub

In Marseille war von solcher Zurückhaltung zu diesem Zeitpunkt längst nichts mehr zu spüren. Dort schoss der stellvertretende Bürgermeister Benoit Payan in Richtung Paris: "Gemeinsam mit der Bürgermeisterin akzeptieren wir nicht, dass wir zum Werkzeug einer Spektakel- und Ankündigungspolitik werden, eines Ministers, der sich schwertut, mit seinen Niederlagen umzugehen. Marseille lässt sich nicht für Demonstrationen der Stärke benutzen. Die Ankündigungen sind unvernünftig." Und Payan legte nach:

"Ich fordere zehn Tage Aufschub. Wenn Ende kommender Woche die Anzeichen wieder nach oben zeigen, sind wir bereit, harte Maßnahmen zu ergreifen."

Schlagabtausch zwischen Haupt- und Hafenstadt

In dem Schlagabtausch schwingt längst auch ein Kleinkrieg mit, der zwischen Paris und Marseille ständig für Verstimmung sorgt. Nicht nur im Fußball sind sich die Städte spinnefeind. Die Mittelmeer-Metropole fühlt sich oftmals zurückgesetzt und unverstanden von den Lenkern in der Hauptstadt.

Didier Raoult, ein Infektiologe aus Marseille, der schon im Frühjahr die Corona-Politik der Regierung kritisiert hatte, sich selbst aber mit fragwürdigen Argumenten für eine Chloroquin Behandlung von Corona-Patienten eingesetzt hatte, wurde und wird in Marseille von manchen seitdem fast sektenmäßig verehrt.

Intensivstationen füllen sich in Marseille

Jean Castex, Frankreichs Premierminister, versuchte mit Sachlichkeit die Stimmung herunter zu kochen: "Ich glaube, dass die Öffentlichkeit sehr aufmerksam und vorsichtig sein sollte. Denn wenn wir nicht handeln würden, könnten wir uns schnell in einer ganz ähnlichen Situation wiederfinden, wie wir sie im Frühjahr erlebt haben."

Auch einen generellen Lockdown wollte der Premierminister für diesen Fall nicht mehr ausschließen und verwies auf die Zahlen: So seien die Neuinfektionen in Marseille zwar unter 300 pro Hunderttausend Einwohner in sieben Tagen gesunken. Gleichzeitig füllten sich die Intensivstationen aber stetig und könnten Anfang November völlig überfüllt sein. Die verkündeten Einschränkungen müssten also in Kraft bleiben.

Marseille protestiert gegen Corona-Maßnahmen
Marcel Wagner, ARD Paris
25.09.2020 14:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. September 2020 um 13:18 Uhr.

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