Eine Frau läuft mit maske an einem Strand in Palma de Mallorca entlang. | Bildquelle: dpa

Reisewarnung für Spanien Ein Dämpfer für das Urlaubsgefühl

Stand: 15.08.2020 05:41 Uhr

Das spanische Festland und die Balearen sind nun Corona-Risikogebiet. Das bereitet vielen deutschen Urlaubern auf Mallorca Sorgen, was nach ihrer Rückkehr auf sie zukommt. Ein Stimmungsbild von der Insel.

Von Franka Welz, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. in Palma de Mallorca

An der Playa de Palma, einem Strand von Palma de Mallorca, scheint am Abend auf den ersten Blick alles normal. Die Wellen rollen sanft und stetig an Land, Strandläufer suchen mit Metalldetektoren nach zurückgelassenen Handys, Uhren und anderen Wertsachen. Urlauber erwarten den Sonnenuntergang.

Darunter Vivian und Elle-Maryam aus Gernsbach in der Nähe von Baden-Baden: "Ich find es halt schade. Klar, wir sind schon mit dem Risiko hergekommen, dass es passieren könnte. Aber dass man jetzt weiß, man muss zwei Wochen in die Quarantäne, ist schon ein bisschen stressig", meint Vivan. Die beiden jungen Frauen sind seit Dienstag auf Mallorca und die Reisewarnung hat sie eiskalt erwischt. "Wir haben ein bisschen gehofft, dass es, wenn es beschlossen wird, erst nach zwei Wochen passiert, nachdem wir wieder zu Hause sind", sagt Elle-Maryam.

Ein frommer Wunsch, der sich nicht erfüllt hat und für Elle-Maryam noch ganz andere Fragen aufwirft: "Ich werde nächste Woche 18 Jahre alt. Dürfte ich noch eine Party schmeißen, ist das überhaupt noch machbar?"

"Ein bisschen erschreckend"

Einige hundert Meter weiter sitzt das Ehepaar Kuhn aus Landau in der Pfalz in einem Straßencafé und läutet den Mallorca-Urlaub bei einer Runde Cocktails ein. "Wir sind heute angekommen", erklärt Roland Kuhn, und dass er und seine Frau noch einiges vorhaben: "Ich feiere meinen Geburtstag morgen - 66, da fängt das Leben an." Sicherheitsbedenken haben die Kuhns nicht. Sie sind ganz auf Abstand und auf einander eingestellt.

Ein weiteres Ehepaar, Ute und Benno aus Stuttgart, ist schon seit einigen Tagen auf Mallorca. "Es ist ein bisschen erschreckend, muss man schon sagen, aber es ist nicht so schlimm. Ich denke, dass wir in einem guten Hotel sicher sind. Wir gehen davon aus, dass, wenn wir am Mittwoch zurückreisen, keine Probleme kriegen."

Zurück in Deutschland wollen sie sich noch am Flughafen testen lassen, zur Not auf eigene Rechnung. Völlig unerwartet kommt die Reisewarnung für die beiden nicht, erzählt Benno: "Wir sind vom Reisebüro informiert worden, dass es kommen könnte und deswegen waren wir eigentlich nicht überrascht."

"Wir wären nicht gefahren"

Viola Salomon , die mit ihrem Mann Jörg Becker am Donnerstag aus der Nähe von Köln angereist war, ist unzufrieden mit dem Timing der Bundesregierung, denn "hätte man das vorher gewusst, hätten wir uns sicherlich dagegen entschieden, hierhin zu fahren".

In der Tagesschau am Mittwoch hätten sie gesehen, dass eine Reisewarnung bevorstehen könnte – rechtzeitig für Bauchschmerzen, zu spät, um die Reise abzusagen. "Man muss das jetzt aushalten. Wir werden auch hier bleiben, dann lässt man sich testen. Sie fände es erschreckend, "wie schlecht es den Menschen hier geht", sagt Viola weiter. "Wir kommen seit vielen Jahren her. Die meisten Hotels haben jetzt geschlossen, das ist schon sehr bedrückend."

Keine Zeit zum Verreisen

Viola Salomon hat selbst jahrelang für den Reisekonzern TUI gearbeitet. Sie weiß also aus Erfahrung, wie lange es dauern kann, bis eine Urlaubsregion sich wieder von äußeren Schocks erholt. Ihr einstiger Arbeitgeber hat unterdessen reagiert und alle ab heute geplanten Pauschalreisen aufs spanische Festland und die Balearen abgesagt und Kunden Umbuchungen zu alternativen Zielen angeboten. Für Viola Salomon zeigt das allerdings vor allem eines: "Es ist nicht die Zeit, um zu verreisen. Ich glaube, das ist die Erkenntnis aus der Aktion."

Am Ende dieser Reihe von Zufallsbegegnungen bleibt noch eine andere zentrale Erkenntnis: Es ist überhaupt nichts normal an diesem Abend auf Mallorca, da können die Wellen noch so sanft rauschen.

Reisewarnung für Spanien
Franka Welz, ARD Berlin
15.08.2020 07:10 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 15. August 2020 Deutschlandfunk um 07:51 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.

Korrespondentin

Franka Welz HR  | Bildquelle: Jens Jeske/www.jens-jeske.de Logo HR

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