US-Präsident Trump gestikuliert bei einer Pressekonferenz zum Kampf gegen das Coronavirus. | Bildquelle: AP

Coronavirus-Pandemie Trumps Sündenböcke

Stand: 09.04.2020 01:38 Uhr

Trumps tägliche Corona-Briefings sind mittlerweile berüchtigt. Selbst Mitglieder seines Krisenstabs verdrehen hin und wieder die Augen, wenn er erzählt, wer aus seiner Sicht am Ausbruch der Pandemie Schuld hat.

Von Torben Ostermann, ARD-Studio Washington

Ende Februar schien die Welt für Donald Trump noch in Ordnung. Die Arbeitslosenquote war auf einen historischen Tiefstwert gesunken, die US-Wirtschaft brummte und die Demokratische Partei stritt darüber, wer gegen Trump in den Wahlkampf ziehen sollte.

Die Ausbreitung des Corona-Virus sah der US-Präsident gelassen. "Wir haben alles unter Kontrolle" - so Trump bei einer Pressekonferenz. Entsetzen bei Virologen und anderen Experten. Nur wenige Tage später stieg die Zahl der Infizierten und auch der Toten. Trump änderte seine Strategie und setzte sich an die Spitze der Bewegung, sah sich nun als Krisen-Präsident.

Sündenbock Nummer eins: China

Für einige Tage sprach Trump fortan vom "Chinesischen Virus", die Strategie war offensichtlich: Die Schuld am Ausbruch von Sars-CoV-2 hat China. Der erste Sündenbock war gefunden. Das kam in Peking nicht gut an. Und auch in den USA gab es erste Berichte von rassistischen Übergriffen auf chinesisch-stämmige US-Amerikaner. Trump erklärte, dass seine Wortwahl nicht rassistisch sei und sprach nun entweder vom Corona-Virus oder etwas biblischer von einer Plage.


Und diese Plage breitete sich immer schneller aus. Die Zahl der Neuinfektionen schoss in die Höhe, immer mehr Menschen starben. Die USA haben sich zum Epizentrum der Corona-Krise entwickelt. Gouverneure einzelner Bundesstaaten wandten sich panisch und hilfesuchend nach Washington - zunächst vergebens.

Trump als Cheerleader der Nation

Trump versuchte es mit Optimismus. Er wolle das Land bald wieder öffnen, spätestens zu Ostern. "Die Behandlung darf nicht schlimmer als das Problem sein" - die wirtschaftlichen Folgen nicht einschneidender als die Zahlen der Kranken und Toten.

Angesprochen darauf, woher er seinen Optimismus nehme, antwortete er, dass er eine Art Cheerleader der Nation sei. Dazu da, um Hoffnung zu verbreiten. Die Schuld daran, dass sich die Situation in einigen Landesteilen dramatisch verschlechterte, hätten die Gouverneure. Er und sein Team machten einen großartigen Job. Typisch Trump - sich selbst loben, Verantwortung abgeben.

US-Präsident Trump erscheint zu einem seiner täglichen Corona-Briefings. | Bildquelle: AFP
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Trumps Presse-Briefings nehmen zuweilen bizarre Züge an.

Kritik an Qualitätsmedien

Von der Hoffnung ist wenig geblieben. Die Quarantäne-Regeln sind erstmal verlängert worden, zunächst bis Ende April. Die Wirtschaft taumelt, zuletzt hatten sich rund 10 Millionen Beschäftigte arbeitslos gemeldet - ein nie da gewesener Wert. Trumps tägliche Presse-Briefings nehmen zuweilen bizarre Züge an. Mal empfiehlt er zum Entsetzen zahlreicher Wissenschaftler die Einnahme des Malaria-Medikaments Hydroxycloroquin, mal beschimpft er Journalisten, die kritische Fragen stellen.

Fernsehsender wie CNN weigern sich inzwischen, die Pressekonferenzen in ganzer Länge zu übertragen, weil Trump zu häufig Unwahrheiten preisgibt. Der US-Präsident geißelte daraufhin zahlreiche Qualitätsmedien als "Fake News". Die Medien als Sündenbock gehören seit Jahren fest ins Repertoire des Commander in Chief.

Trump nimmt WHO ins Visier

Kritik an Trumps Krisenmanagement kommt aus vielen Richtungen. Kritiker in seinen eigenen Reihen duldet er nicht. Den vor einer Woche ernannten Aufseher über das 2,3 Billionen Dollar schwere Hilfspaket zur Abmilderung wirtschaftlicher Folgen der Pandemie ließ Trump bereits vor einigen Tagen ersetzen. Dazu habe er das Recht, sagte er. Glenn Fine, so der Name des Mannes, war von Barack Obama auf den Posten gesetzt worden.

Trumps neuester Sündenbock ist die Weltgesundheitsorganisation. Der US-Präsident warf der WHO China-Hörigkeit vor und drohte mit einem Zahlungsstopp. Die WHO habe die ganze Sache mit dem Virus wirklich vermasselt und wahrscheinlich zu Beginn der Pandemie mehr gewusst, als sie offengelegt habe, so Trump gegenüber Journalisten.

Auch dieses Verhalten passt zu ihm, schließlich ist er generell kein Freund internationaler Institutionen. Trump ist der Auffassung, dass die USA stets Zahlmeister sind und im Gegenzug wenig dafür bekommen. Trump, der Geschäftsmann, dem wichtig ist, was unterm Strich für die USA rausspringt.

Rächt sich der Zick-Zack-Kurs bei der Wahl?

Kann die Corona-Krise für Donald Trump gefährlich werden? Traditionell versammeln sich die US-Amerikaner in Kriegs- und Krisenzeiten ja hinter ihrem Präsidenten. Ein Klischee oder gilt das auch für Trump? In einem guten halben Jahr wird abgestimmt. Beobachter gehen davon aus, dass es auch eine Abstimmung über das Krisenmanagement von Donald Trump wird.

Laut einer frischen Umfrage von CNN bescheinigen ihm nur 41% der Amerikaner einen guten Job zu machen. 55% sind unzufrieden mit dem Zick-Zack-Kurs des US-Präsidenten. In den nächsten Tagen dürfte sich zeigen, wen Trump für diese Werte verantwortlich macht.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 09. April 2020 um 10:37 Uhr.

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