Das Krankenhaus in Codogno/Italien. | Bildquelle: MAURIZIO MAULE/EPA-EFE/REX

Epidemie Italien meldet zweiten Coronavirus-Toten

Stand: 22.02.2020 12:52 Uhr

Innerhalb weniger Stunden sind in Italien zwei Menschen an dem Coronavirus gestorben. Noch ist völlig unklar, wie sie sich angesteckt haben. In einer Krisensitzung wurden nächste Schritte beraten.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Auch Ministerpräsident Giuseppe Conte hat an einer Sondersitzung des italienischen Zivilschutzes teilgenommen. Wichtig sei jetzt, sagt Gesundheitsminister Roberto Speranza, eine Ausbreitung des Coronavirus im Land zu verhindern: "Das Ziel dieser Stunden ist es, die Epidemie zunächst einmal in geografisch begrenzten Gebieten halten." 

Das Problem Italiens ist, dass in gleich zwei Regionen fast zeitgleich mehrere Fälle von Coronavirus festgestellt wurden. In der vergangenen Nacht gab es den ersten Todesfall in Vo' Euganeo, einem kleinen Ort südwestlich von Padua in Venetien. Adriano T. war in der vergangenen Woche ins Krankenhaus gebracht worden. Bis Mittwoch gingen der 78 Jahre alte Rentner und seine Ärzte davon aus, dass er an den Symptomen einer schweren Grippe litt. Erst vorgestern, als sich sein Zustand drastisch verschlechterte, ist der Rentner nach italienischen Medienangaben auf das Coronavirus untersucht worden - der Test war positiv. Ein enger Freund des Verstorbenen ist ebenfalls mit dem Virus infiziert.

Wie haben sie sich infiziert?

Die Behörden, sagt Venetiens Regionalpräsident Luca Zaia, arbeiteten mit Hochdruck daran festzustellen, mit welchen Menschen die beiden Betroffenen in den vergangenen Tagen und Wochen Kontakt hatten.

"Wir sind dabei, die Kette der sozialen Kontakte der beiden zu überprüfen, um zu verstehen, von wem sie sich infiziert haben. Denn es ist klar, dass sie sich als Zweitkontakt bei irgendjemandem angesteckt haben. Und dann ist das große Thema, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wer wiederum mit diesen beiden Männern Kontakt hatte, nicht zuletzt von den Beschäftigten unseres Gesundheitssektors."

Im Ort, in dem Adriano T. gelebt hat, bleiben alle Geschäfte und Schulen zunächst geschlossen. Der Verstorbene und sein ebenfalls infizierter Freund sollen engagierte Kartenspieler gewesen sein und sich für ihr Hobby häufig in den örtlichen Espressobars getroffen haben. Am Morgen wurde mitgeteilt, dass außer dem Verstorbenen und seinem Freund in Vo' Euganeo ein weiterer Mann am Coronavirus erkrankt ist.

Die Karte zeigt die aktuelle Verbreitung des Coronavirus am 22.02.2020.
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Die Karte zeigt die aktuelle Verbreitung des Coronavirus am 22.02.2020.

Zweites Todesopfer in der Lombardei

170 Kilometer von diesem Ort entfernt gab es am Vormittag in der Region Lombardei das zweite Coronavirus-Todesopfer in Italien, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. Dabei handelt sich um eine Frau, die ebenfalls 78 Jahre alt war und die aus dem Ort Casalpusterlengo in der Nähe von Cremona stammt.

Insgesamt sind in diesem Gebiet der Lombardei mindestens 16 Menschen infiziert. Besonders betroffen ist die Stadt Codogno. Dort sind ebenfalls Geschäfte und Schulen geschlossen, am Bahnhof halten keine Züge mehr, Drohnen-Aufnahmen im Fernsehen zeigen menschenleere Straßen.

Aus Codogno stammt auch ein 38-Jähriger, der sich nach ärztlichen Angaben in einem kritischen Zustand befindet. Bei ihm war Mitte der Woche das Coronavirus festgestellt worden. Die Behörden untersuchen, ob er sich eventuell bei einem Essen mit einem Freund infiziert hat, der geschäftlich in China war. Das Treffen liegt allerdings schon rund vier Wochen zurück. Beim China-Reisenden selbst seien, bis auf kurzes, niedriges Fieber, in den vergangenen Tagen keine Krankheitssymptome festgestellt worden. Ebenfalls noch unklar ist, ob es eine Verbindung zwischen den Coronavirus-Fällen in Venetien und in der Lombardei gibt.

Rückkehr von der "Diamond Princess"

Am Morgen sind in der Nähe von Rom auch die 19 italienischen Passagiere des Kreuzfahrtschiffes "Diamond Princess" eingetroffen. Bei keinem wurde eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt.

Coronavirus in Italien
Jörg Seisselberg, ARD Rom
22.02.2020 12:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 22. Februar 2020 Deutschlandfunk um 12:32 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag" und die tagesschau um 13:38 Uhr.

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