Die explodierte Bohrinsel im Golf von Mexiko. | Bildquelle: dpa

"Deepwater Horizon" Nach zehn Jahren nichts gelernt?

Stand: 20.04.2020 07:34 Uhr

Im April 2010 explodierte die Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko. Seither hat die Trump-Regierung Sicherheits- und Umweltbestimmungen geschwächt und drängt auf noch mehr Bohrungen.

Zehn Jahre nach der Explosion auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" sind die USA einem Medienbericht zufolge weiterhin nicht ausreichend auf eine mögliche Ölkatastrophe ähnlichen Ausmaßes vorbereitet.

Das berichtete die "New York Times" am Wochenende unter Berufung auf die Mitglieder der Kommission, die damals eingesetzt worden war, um eine Wiederholung einer solchen Katastrophe zu verhindern.

Alle sieben damaligen Angehörigen des Gremiums sagten, dass ihre Vorschläge nie ernstgenommen worden seien. Sie seien sich einig, dass die USA nur unwesentlich besser vorbereitet seien als vor zehn Jahren.

Schwerste Ölkatastrophe in den USA

Eine Explosion auf der Ölbohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April 2010 hatte die bis dahin schwerste Ölkatastrophe in der US-Geschichte ausgelöst.

Bei dem Unglück kamen elf Arbeiter ums Leben. 780 Millionen Liter Erdöl strömten in den Golf von Mexiko. Der Ölteppich verbreitete sich auf 149.000 Quadratkilometern Meeresfläche - mehr als die doppelte Fläche von Bayern.

Der britische Energiekonzern BP hatte 2015 in einem Vergleich mit der US-Regierung eingewilligt, für die Folgen 20,8 Milliarden Dollar (damals 18,5 Milliarden Euro) zu bezahlen.

Louisiana
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Ein Strand in Louisiana: Das Öl verseuchte mehr als 1000 Kilometer Küste.

Gefährdet Trump-Regierung die Umwelt?

Die vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama eingesetzte Kommission hatte 2011 ihren Abschlussbericht vorgelegt. Die "New York Times" berichtete nun, in langen Interviews in diesem Monat habe jedes Mitglied der Kommission der Regierung von US-Präsident Donald Trump vorgeworfen, amerikanische Gewässer, Küsten und die Tierwelt in Gefahr zu bringen.

Der Grund dafür sei, dass die Regierung Sicherheits- und Umweltbestimmungen geschwächt habe und zugleich darauf dränge, Ölbohrungen in fast allen US-Gewässern auszuweiten. Dem US-Kongress hätten die Kommissionsmitglieder vorgeworfen, fast alle ihre Sicherheitsvorschläge nicht umgesetzt zu haben.

Eine Ölplattform im Golf von Mexiko
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Experten kritisieren: Ölunternehmen stoßen in immer tiefere Gewässer zu immer riskanteren Bohrungen vor.

Trump teilt die Meinung nicht

Die Zeitung berichtete, Vertreter der Ölindustrie und der Trump-Regierung teilte die Meinung nicht. Sie führten an, dass sich die staatliche Aufsicht und die Technologien zur Prävention solcher Katastrophen im vergangenen Jahrzehnt deutlich verbessert hätten, so dass die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Katastrophe dieser Art gering sei.

Immer tiefer und riskanter

Im vergangenen Jahr begann die Ölförderung im Golf von Mexiko an Stellen, wo der Druck am Bohrloch auf über 20.000 PSI (etwa 1400 bar) steigen kann, deutlich mehr, als es bei der "Deepwater Horizon" der Fall war.

Die Temperaturen können mehr als 177 Grad Celsius betragen. Und je tiefer unter Grund, desto schwieriger erreichbar ist die Stelle im Falle eines Unfalls.

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Bilder einer Katastrophe: Ölpest im Golf von Mexiko (April-Juli 2010)

Die Ölpest am Golf von Mexiko

Brennende Bohrinsel

20. April 2010: Auf der von dem Energiekonzern BP betriebenen Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko ereignet sich eine schwere Explosion.

Zehn Jahre nach "Deepwater Horizon"
Torben Ostermann, ARD Washington
20.04.2020 07:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. April 2020 um 05:54 Uhr.

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