Demonstranten vor dem Weißen Haus | Bildquelle: AFP

Rechtsextreme in Washington Gegendemonstranten übertönen Rassisten

Stand: 13.08.2018 02:30 Uhr

Nur eine kleine Gruppe Rechtsextremer hat sich am Jahrestag der Ausschreitungen von Charlottesville in Washington versammelt. Tausende Gegendemonstranten stellten sich entgegen. Am Rand kam es zu Konflikten.

Die angekündigte Demonstration weißer Nationalisten vor dem Weißen Haus in Washington am Jahrestag der tödlichen Proteste von Charlottesville ist deutlich kleiner ausgefallen als erwartet. Nur rund 20 bis 30 Mitglieder der extremen Rechten nahmen an der Veranstaltung teil. Gleichzeitig protestierten tausende Gegendemonstranten gegen die Versammlung. Ein Großaufgebot der Polizei trennte die Gruppen voneinander.

Die Veranstalter der rechtsextremen Demonstration hatten mit deutlich mehr Teilnehmern gerechnet. Den Behörden waren rund 400 Demonstranten angekündigt worden. Trotz des deutlich geringeren Zuspruchs hielten die weißen Nationalisten ihre Kundgebung ab. Geschützt von mehreren hundert Polizisten marschierten sie zunächst von einer U-Bahn-Station hinüber zum Weißen Haus. Dort hielten sie einige kurze Reden. Dann fuhren sie davon, wiederum eskortiert von der Polizei und unter dem Hohn der Gegendemonstranten.

Kundgebung von Rechten fällt deutlich kleiner aus als befürchtet
tagesschau24 10:00 Uhr, 13.08.2018, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Rechtsextremer Nationalist meldete Demonstration an

Wie schon die Kundgebung im Vorjahr in Charlottesville wurde auch der Protest in Washington von Jason Kessler angemeldet. Er ist ein rechtsextremer Nationalist, der davon überzeugt ist, dass Weiße in den USA benachteiligt werden.

Der Radiosender NPR befragte ihn nach seinem Weltbild. Kessler sagte, Weiße seien die einzige Gruppe, die sich nicht organisieren dürfe. Schwarze organisierten sich in "Black lives matter", Juden hätten die ADL, Muslime hätten Cair. Kessler sagte, ihm gehe es darum, friedlich seine Meinung zu sagen. Laut Medienberichten gehören zu den Rednern bekannte Neonazis und Rassisten, zum Beispiel David Duke vom Ku Klux Klan.

Jason Kessler | Bildquelle: AP
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Jason Kessler, Organisator der "Unite the Right"-Demonstration.

Konflikt nach Ende des rechten Aufmarschs

Nach Abfahrt der Rechtsextremen kam es in Washington zum Konflikt zwischen Polizisten und gewaltbereiten Gegendemonstranten. Die Polizei stellte sich einem Marsch von rund 150 bis 200 Antifa-Mitgliedern in den Weg und drängte sie zurück.

Bereits Stunden vor Beginn der rechtsextremen Demonstration hatten sich Hunderte Menschen im Zentrum der US-Hauptstadt versammelt. Teilnehmer hielten Schilder mit Aufschriften wie "Deportiert Nazis", "Weiße Vorherrschaft ist Terrorismus" oder "Keine Nazis - kein KKK - keine faschistischen USA" hoch. Das Kürzel KKK steht für den rassistischen Ku Klux Klan.

Eine Frau hält ein Protestplakat bei einer Demonstration gegen Rassismus in Washington. | Bildquelle: MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX/Shu
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Proteste in Washington: Hunderte demonstrierten gegen Rassismus

Kritik an Trump

"Ich bin hier, um gegen weiße Vorherrschaft zu protestieren", sagte eine Teilnehmerin der Kundgebung. Sie wirft US-Präsident Donald Trump vor, Rassismus in die Öffentlichkeit gebracht zu haben. Das Staatsoberhaupt selbst hielt sich nicht in Washington auf. Trump macht derzeit Urlaub in einem seiner Golf-Clubs.

Der Präsident war nach den Zusammenstößen in Charlottesville vor einem Jahr dafür kritisiert worden, nicht eindeutig die rechtsextreme Gewalt verurteilt zu haben. "Ich denke, dass die Schuld auf beiden Seiten liegt", hatte er damals gesagt. Es habe auf beiden Seiten auch "sehr gute Menschen" gegeben. Trump hatte damit Empörung ausgelöst.

Trump hatte Rassismus verurteilt

Vor der diesjährigen Demonstration hatte Trump "alle Formen von Rassismus und Gewalttaten" verurteilt. Deutlicher wurde seine Tochter. Ivanka Trump bezog Stellung gegen Rechtsextremismus auf Twitter. "In unserem großartigen Land gibt es keinen Platz für weiße Vorherrschaft, Rassismus und Neonazismus", schrieb sie.

Ausnahmezustand in Charlottesville

Bei der Demonstration "Vereint die Rechte" war es am 12. August 2017 zu schweren Ausschreitungen gekommen. Ein Rechtsextremist hatte ein Auto in eine Gruppe Gegendemonstranten gesteuert. Die 32-jährige Heather Heyer starb, zahlreiche Menschen wurden verletzt.

In Charlottesville sind die Folgen der gewalttätigen Ausschreitungen nicht vergessen. Don Gathers, Diakon und Aktivist von "Black Lives Matter", sagt: "Leute sind noch immer beklommen, wenn sie die vierte Straße entlang laufen." Einfach nur die Straße überqueren, bringe Leute an den Rand eines Traumas. "Weil sie nicht wissen, was sie erwarten können."

Mit Informationen von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Jahrestag von Charlottesville: Rechtsextreme Demonstration in Washington
Jan Bösche, ARD Washington
13.08.2018 06:41 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 12. August 2018 um 23:35 Uhr. Auch berichtete über dieses Thema die tagesschau am 13. August 2018 um 05:11 Uhr.

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