Türkischer Wachturm am Grenzzaun zwischen der Türkei und Bulgarien bei Lesovo | Bildquelle: AFP

Auf Betreiben der Türkei Deutscher in Bulgarien unter Hausarrest

Stand: 05.09.2018 20:10 Uhr

Ein bulgarisches Gericht überprüft die Auslieferung eines kurdischstämmigen Deutschen an die Türkei. Solange steht der Mann in einem Hotel in Bulgarien unter Hausarrest. Er war auf Betreiben der Türkei festgenommen worden.

Ein kurdischstämmiger Deutscher, der am Sonntag auf Bestreben der Türkei in Bulgarien festgenommen worden war, steht nun in der Stadt Warna unter Hausarrest. Ein Gericht in der Schwarzmeerstadt befristete den Freiheitsentzug auf maximal 40 Tage. Während dieser Zeit müssen die bulgarischen Behörden das Auslieferungsersuchen der Türkei prüfen.

Mehmet Y. muss nun in dem Hotel bleiben, in dem er seine Ferien verbringen wollte, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft mit. Nach Angaben eines Sprechers des Auswärtigen Amtes in Berlin wird der Mann konsularisch betreut. Außenminister Heiko Maas wollte bei einem zweitätigen Besuch in der Türkei auch die Frage der aus politischen Gründen Inhaftierten ansprechen.

Verurteilung in Abwesenheit

Der 44-Jährige Y. arbeitet als Flüchtlingsbetreuer in einer kirchlichen Einrichtung in Bonn. Während seines Studiums in den 1990er-Jahren in der Türkei war er politisch aktiv. Die türkische Justiz verurteilte ihn Medienberichten zufolge wegen Tätigkeit für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 1999 in Abwesenheit zu zwölfeinhalb Jahren Gefängnis.

Y. floh vor der Strafverfolgung nach Deutschland und erhielt nach Angaben seiner Familie im Jahr 2001 Asyl. 2009 wurde Y. in Deutschland eingebürgert. Die türkischen Behörden entließen ihn danach nicht aus der Staatsbürgerschaft.

Er war in den vergangenen Jahren mehrfach innerhalb Europas gereist. In Bulgarien war er vor seiner Festnahme laut seiner Familie jedoch noch nie. Die Türkei hatte auf ihn ein dringliches Interpol-Gesuch ausgeschrieben.

Deutscher auf Betreiben der Türkei in Bulgarien festgenommen
Andreas Braun, WDR
06.09.2018 07:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. September 2018 um 23:00 Uhr.

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