Schriftzug "Wunderbar together" | Bildquelle: dpa

Transatlantisches Verhältnis Gute Partner - trotz Trump

Stand: 03.10.2018 13:43 Uhr

Unter dem Motto "Wunderbar together" beginnt heute das "Deutschlandjahr" in den USA. Es soll für die deutsch-amerikanische Freundschaft werben. Wie tief ist diese angesichts aktueller Spannungen?

Von Ute Spangenberger, SWR

Es ist eine seltene Gelegenheit, die sich den Besuchern des Landstuhl Regional Medical Center heute bietet: Das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA lädt ein zum "open house", zum Tag der offenen Tür - aus Anlass seines 65-jährigen Bestehens. Seit dem 11. September 2001 ist das die erste Veranstaltung dieser Art.

US-Militärangehörige beim Tag der offenen Tür im Landstuhl Regional Medical Center | Bildquelle: Ute Spangenberger
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Das Landstuhl Regional Medical Center ist das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA.

US-Militärangehörige stehen vor einem Hubschrauber beim Tag der offenen Tür im Landstuhl Regional Medical Center. | Bildquelle: Ute Spangenberger
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Zum 65-jährigen Bestehen öffnet die Einrichtung das erste Mal seit 2001 seine Türen für die Öffentlichkeit.

Aktiv für deutsch-amerikanische Freundschaft werben

Gleichzeitig und rein zufällig beginnt in den Vereinigten Staaten heute ein "Deutschlandjahr" mit vielen Projekten und Veranstaltungen. "Gerade in diesen Zeiten brauchen wir einen engen Draht nach Washington", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas, der zum Auftakt des "Deutschlandjahrs" nach Washington reist, vor seinem Abflug.

Es gebe viel zu besprechen, so Maas: Die Lage in Syrien, die Nuklearvereinbarung mit dem Iran, die Beziehung zu Russland und die Zukunft der deutsch-amerikanischen Beziehungen. "Auch wenn wir momentan politisch nicht bei allen Themen einer Meinung sind, ist für mich klar: Die deutsch-amerikanische Freundschaft ist nicht verhandelbar. Für uns Europäer bleiben die USA der wichtigste Verbündete." Mit dem Deutschlandjahr wolle man auch in die Freundschaft zwischen Amerikanern und Deutschen investieren, sie nicht als selbstverständlich hinnehmen, sondern aktiv für sie werben.

"Wunderbar together" steht über dem Eingang zum Kulturzelt auf dem Potsdamer Platz in Berlin. | Bildquelle: dpa
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"Wunderbar together" lautet das Motto des "Deutschlandjahres".

"Von den USA unabhängiger machen"

Doch wie steht es aktuell um die transatlantische Partnerschaft, die politische Ebene? Die komplette Außenpolitik der USA wirkt sprunghaft, seit Donald Trump Präsident ist. SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi spricht davon, dass Deutschland und die USA zwar nach wie vor Partner seien, aber seit 1945 doch nie gleichberechtigt.

Die Außenpolitik der USA habe historisch schon immer geschwankt zwischen Isolationismus und Protektionismus oder weltweitem Imperialismus, sagt er. Das sei eine lange amerikanische Tradition.

"Heute sind die Amerikaner wieder in einem Schwung hin zu Nationalismus und Protektionismus, das hängt ja beides auch miteinander zusammen. Natürlich entspricht das aber überhaupt nicht europäischen und deutschen Interessen, weil wir eine weltoffene, in die Globalisierung eingeflochtene Wirtschaft und Gesellschaft haben und brauchen", meint von Dohnanyi. "Da müssen wir uns von den USA unabhängiger machen".

Der einseitige Vorrang US-amerikanischer Interessen sei allerdings seit langem zu beobachten. "Donald Trump ist in dieser Beziehung nur jemand, der das in etwas ordinärerer Weise verdeutlicht", sagt von Dohnanyi er ist nur etwas radikaler und deutlicher als seine Vorgänger."

Hamburgs früherer Erster Bürgermeister Klaus von Dohnanyi | Bildquelle: dpa
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Hamburgs früherer Erster Bürgermeister Klaus von Dohnanyi plädiert für mehr Unabhängigkeit von den USA.

US-Truppenpräsenz als "Brückenkopf"

Prof. Werner Weidenfeld, Experte für internationale Beziehungen, sagt, die Trumpsche Politik sei ein Weckruf an Europa, seine eigene Handlungsfähigkeit zu stärken. "Europa wird zu einem der weltpolitischen Akteure, und wenn Europa das nicht wahrnimmt, dann wird es zum Spielball."

Auf die Frage, ob die US-Truppenpräsenz in Deutschland heute zeitgemäß sei und ob ein solcher "Brückenkopf" überhaupt (noch) in deutschem Interesse liege, hat er eine klare Antwort: "Ja, denn würden Sie den abbrechen, dann wäre ihr Los als Spielball geklärt. Wenn Sie gewissermaßen ein Brückenkopf in dieser Organisation amerikanischer Interessen sind, haben Sie eine andere Stellung." Würde man das wegnehmen, bliebe im amerikanischen Kalkül nur "der Konkurrent im internationalen Handel und der Ökonomie" übrig. Das wäre eine "ganz dünne Sache", sagt Weidenfeld.

Zur Zeit sind rund 33.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert, allein in Rheinland-Pfalz mehr als 18.000. Ramstein, Kaiserslautern, Baumholder, Spangdahlem, Landstuhl - die US-Standorte bringen zivile Arbeitsplätze und Kaufkraft in die Regionen und sorgen auf vielen Ebenen für ein Miteinander von Deutschen und Amerikanern.

Roger Lewentz, Innenminister von Rheinland-Pfalz | Bildquelle: dpa
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Roger Lewentz, Innenminister von Rheinland-Pfalz, freut sich über die geplanten Investitionen des US-Militärs.

Vernetzt auf vielen Ebenen

"Das läuft alles sehr geradeaus in eine stimmige Richtung", freut sich etwa der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz und bezieht sich auf ein gewaltiges Investitionsprojekt der Amerikaner. Die bauen zur Zeit, wenige Kilometer von Landstuhl entfernt, ein neues US-Militärkrankenhaus. 900 Millionen US-Dollar sind dafür veranschlagt.

Aktueller Tagespolitik zum Trotz sei eine engere Partnerschaft und Kooperation mit den USA in deutschem Interesse, sagt Weidenfeld. Man müsse sich unabhängig von der Politik eines US-Präsidenten, der gerade nicht so kalkulierbar sei, eine Basis erhalten.

Das heute beginnende "Deutschlandjahr" in den USA, Veranstaltungen wie der Tag der offenen Tür in Landstuhl, aber auch vielseitige wirtschaftliche Verbindungen zeigen: Deutschland und die USA sind auf vielen Ebenen vernetzt, unabhängig von politischen Schnellschüssen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Oktober 2018 um 08:00 Uhr.

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