Bischof von Harrisburg, Ronald Gainer | Bildquelle: AP

Bistum Harrisburg US-Diözese nach Missbrauchsskandal pleite

Stand: 20.02.2020 09:24 Uhr

Mehr als 1000 sexuell missbrauchte Kinder in den vergangenen Jahrzehnten - allein in Pennsylvania: Diese Zahlen hatten 2018 Entsetzen in den USA ausgelöst. Nun meldete die erste Diözese im Bundesstaat wegen zahlreicher Klagen Insolvenz an.

Nach hohen Entschädigungszahlungen für frühere Missbrauchsopfer hat in den USA eine weitere Diözese Insolvenz angemeldet. "Wir haben keinen anderen Weg nach vorne, um die Zukunft unserer Diözese zu sichern, als den Reorganisationsbankrott", sagte Bischof Ronald Gainer von der römisch-katholischen Diözese in Harrisburg im US-Staat Pennsylvania.

Hintergrund des Konkursverfahrens ist ein kürzlich ergangenes Urteil eines Berufungsgerichts, das es Opfern ermöglicht, die Diözesen des Bundesstaates wegen sexuellen Missbrauchs durch Priester in der Vergangenheit zu verklagen. Das hatte die Gesetzgebung Pennsylvanias bis dahin nicht vorgesehen. Verjährungsfristen verhinderten bis vor kurzem Opfern das Recht auf Entschädigung.

Bereits zwölf Millionen Dollar Entschädigungen

Bereits vor sechs Monaten hatte der Verwaltungsbezirk erklärt, zwölf Millionen Dollar Kompensation an 106 Menschen gezahlt zu haben, die als Kinder von Klerikern sexuell missbraucht worden waren. Nun gebe es bereits "ein halbes Dutzende neuer Klagen, von denen jede die Diözese finanziell ernsthaft lähmen könnte", sagte der Bischof.

Das Konkursverfahren hat zur Folge, dass alle anhängigen Opferklagen eingefroren werden und die Entschädigungen aus der Konkursmasse bedient werden. Diese dürften dann geringer ausfallen. Dem Juristen Jeff Anderson aus Minneapolis zufolge, der Dutzende Opfer von Missbrauch durch Kleriker in Klagen gegen katholische Diözesen repräsentiert, sagte, die Anmeldung einer Insolvenz könne auch genutzt werden, um Vermögen zu verstecken oder zu schützen.

Mehr als 300 Priester in Pennsylvania in Missbrauch verwickelt

Pennsylvania löste 2018 landesweite Schlagzeilen aus, als ein Grand-Jury-Bericht zu dem Ergebnis kam, dass in den sechs Diözesen des Bundesstaates mehr als 300 Priester mehr als 1000 Kinder in den vergangenen Jahrzehnten sexuell missbraucht hatten. Staatsanwälte in fast allen Bundesstaaten hatten daraufhin nach belastenden Dokumenten in zahlreichen Diözesen gesucht.

Bisher haben rund 20 US-Diözesen laut "BishopAccountability" Insolvenzschutz beantragt. Die Organisation dokumentiert Missbrauchsfälle der katholischen US-Kirche. Vor Harrisburg ging im September 2018 die Diözese Rochester im US-Bundesstaat New York in Konkurs.

Insolvenz der Pfadfinder

Auch außerhalb von Kirchen wurden in den USA zahlreiche Missbrauchsskandale bekannt. So hatte erst Anfang der Woche der Dachverband der US-Pfadfinder angesichts der Vielzahl an Klagen wegen sexuellen Missbrauchs ebenfalls Insolvenz angemeldet. Ziel sei es, alle Missbrauchsopfer zu entschädigen und die Mission des Verbands auch in Zukunft fortzuführen, teilten die "Boy Scouts of America" mit. 2018 hatte auch der US-Turnverband Insolvenz beantragt, um Ansprüche von Missbrauchsopfern zu bedienen

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