Autos fahren durch den Smog in Peking | Bildquelle: REUTERS

Umweltschutz in China Zum Elektroauto gezwungen

Stand: 20.07.2018 14:19 Uhr

Auf den chinesischen Straßen sind hauptsächlich Benziner unterwegs. Doch China fördert nun den Kauf von E-Autos. Deutsche Hersteller haben dabei allerdings das Nachsehen.

Von Benjamin Eyssel, ARD-Studio Peking

Li Qi ist stolz auf sein neues Auto. Es ist ein chinesischer Wagen, die Marke heißt Geely. Eine Woche ist es alt. Es riecht neu, die Plastikbezüge sind noch auf den Sitzen. Li Qi fährt erstmal ohne Nummernschilder, denn die kommen erst in ein paar Tagen. Sie werden grün sein. Daran kann man in China Elektroautos erkennen.

Der 29-jährige Vater von zwei Kindern hätte lieber einen Benziner gekauft, mit normalem, blauem Kennzeichen. Auch, wenn er damit an einem Tag in der Woche nicht hätte fahren dürfen. Li Qi hatte aber kein Glück bei der Nummernschild-Lotterie.

Li Qi und sein neues E-Auto
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Li Qi ist stolz auf sein neues Elektroauto - auch, wenn er lieber einen Benziner hätte.

Peking, wie viele andere chinesische Städte mit chronisch verstopften Straßen, begrenzt die Zahl der Autos, die neu dazukommen. Weil die Stadt neben einem Verkehrs-  auch ein Luftverschmutzungsproblem hat, zwingt die Stadtverwaltung nun quasi die Bewohner, Elektroautos zu kaufen.

100.000 öffentliche Ladestationen in Peking

Nur 40.000 Benzinautos werden dieses Jahr in Peking zugelassen, inklusive so genannter Plugin-Hybrid-Fahrzeuge. Gleichzeitig wird die Stadt 60.000 Lizenzen für reine E-Autos herausgeben: zum ersten Mal mehr als für Benziner. Li Qi wird sein E-Auto künftig zu Hause vor seinem Wohnblock laden. Beim Bestellen konnte er eine Ladestation gleich dazu kaufen.

Das Auto zu Hause zu laden sei am billigsten, sagt er: "Es ist sogar billiger, als mit der U-Bahn zu fahren." Mittlerweile hat die 20-Millionen-Stadt Peking zwar mehr als 100.000 öffentliche Ladestationen, doch die sind häufig belegt oder von herkömmlichen Autos zugeparkt.

Druck auf deutsche Hersteller wächst

Ab kommendem Jahr müssen alle größeren Auto-Hersteller mindestens zehn Prozent Elektro- oder Plug-In-Hybriden in China verkaufen. Wer die Quote nicht erfüllt, zahlt Strafe. Auch wer eine neue Autofabrik bauen will, muss sich umstellen, erklärt Zheng Zhilin von der Beratungsfirma LMC Automotive: "China vergibt keine Lizenzen für traditionelle Autohersteller mehr. Ab sofort dürfen nur noch Fabriken für Elektroautos oder Plug-In-Hybriden gebaut werden."

Damit wächst der Druck auf die deutschen Hersteller. Während ausländische Produzenten bei Autos mit Benzinmotoren ganz vorne mit dabei sind - VW mit seinen Joint-Ventures ist Marktführer in China - haben bei Elektroautos die Chinesen die Nase vorn. Bis auf wenige Ausnahmen sind fast alle zugelassenen E-Autos von rein chinesischen Konzernen.

Der Traum vom Benziner bleibt

So stolz der junge Familienvater Li Qi auch auf sein neues Elektroauto ist: Er träumt, wie viele Chinesen, weiter von einem Benziner. In der Stadt sei so ein Elektroauto praktisch, aber: "Man will damit keine langen Strecken fahren und sich die ganze Zeit darüber Sorgen machen müssen, wie weit man noch kommt."

Kein Diesel, viel Elektro: alternative Antriebe in China
Benjamin Eyssel, ARD Peking
20.07.2018 13:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Juli 2018 um 11:47 Uhr.

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