Liverpool feiert den Finaleinzug | Bildquelle: AP

Europäischer Fußball Keine Chance mehr gegen die Engländer?

Stand: 10.05.2019 12:55 Uhr

Erstmals stellt ein Land alle Finalisten in den großen europäischen Wettbewerben. Mögliche Gründe für die Dominanz der Premier League: Geld, gute Trainer, junge Talente. Oder war es einfach Glück?

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

Momentan sei die Premier League die beste Liga in Europa - und damit auch in der Welt, erklärte Chelseas italienischer Trainer Maurizio Sarri nach dem Sieg über Eintracht Frankfurt. Seine Mannschaft hatte da gerade das Elfmeterschießen überstanden und steht nun im Finale der Europa League.

Erstmals sind damit die beiden europäischen Endspiele in der Hand einer Nation: der englischen. Chelsea gegen Arsenal in der Europa League, Tottenham gegen Liverpool in der Champions League. Das gab es noch nie. Auch nicht, dass drei der Finalteilnehmer aus einer Stadt kommen: aus London.

In den Sportteilen der Zeitungen dominiert deshalb eine Schlagzeile: "The Full English" – eine Anspielung auf das Full English Breakfast, das englische Frühstück mit Schinken, Rührei, Bohnen und vielen anderen speziellen Zutaten, im Gegensatz zum deutlich kalorienärmeren kontinentalen Frühstück. Haben die Mannschaften auf dem Kontinent jetzt wirklich keine Chance mehr gehen die Clubs von der Insel? Die englischen Experten sind da vorsichtig.

Letzter Champions-League-Titel vor sieben Jahren

BBC-Kommentator John Murray erinnert an die lange Dominanz der spanischen Vereine. "Die Spanier haben das vergangene Jahrzehnt beherrscht", sagt er. In den vergangenen fünf Jahren hätten sie immer die Champions League gewonnen, in 13 Jahren insgesamt acht Mal. Und auch die Europa League hätten sie mit sechs Titeln in neun Jahren beherrscht.

England war zuletzt zwischen 1977 und 1982 dominant: Da gewannen die Vereine von der Insel sechs Mal hintereinander den Europapokal der Landesmeister. Jetzt ist es schon sieben Jahre her, dass ein englischer Verein die Trophäe holte - der FC Chelsea 2012 im Champions-League-Finale in München gegen den FC Bayern im Elfmeterschießen.

Natürlich kommt der Erfolg der Engländer nicht von ungefähr. Die Premier League ist die reichste Liga der Welt - nirgendwo sonst kassieren die Vereine so viel aus dem Fernsehgeschäft. Das ist aber nicht neu, und trotzdem enttäuschten die Engländer in den vergangenen Jahren auf der europäischen Bühne. Zu viele Spiele, keine Winterpause: Es gab Gründe dafür, dass sie auf den letzten Metern vor den entscheidenden Spielen schlappmachten.

Guardiola, Pochettino, Klopp

Diesmal war das anders. Und auch dafür gebe es Gründe, meint der Fußballkommentator der "Times", Henry Winter. "Ich denke, dass wir jetzt einige der weltbesten Trainer in England haben: Guardiola, Pochettino, Klopp." Dazu kämen einige der weltbesten Torhüter und auch mehrere Weltstars. Auf der anderen Seite sehe es nun so aus, als gingen Eden Hazard und Paul Pogba zu Real Madrid. "Das heißt, auch Spanien wird in Zukunft ein Fußball-Powerhouse sein, genauso wie Deutschland mit Bayern München. Aber sicher: Die Premier League und England sind zurück."

David Abraham, Filip Kostic und Gelson Fernandes | Bildquelle: WILL OLIVER/EPA-EFE/REX
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Enttäuschte Frankfurter: Die Eintracht musste sich gegen Chelsea im Elfmeterschießen geschlagen geben.

Neben den ausländischen Stars haben die englischen Vereine jetzt eigene junge Talente entwickelt, die die englische Nationalmanschaft wieder nach oben geführt haben. Auch das ein Grund für die derzeitige Stärke des englischen Fußballs. Auf der anderen Seite hatten die Engländer diesmal auch Glück. Glück, das nicht nur Tottenham und Liverpool zum überraschenden Comeback in den Rückspielen verhalf, sondern auch Chelsea zum Sieg im Elfmeterschießen über Eintracht Frankfurt.

Deshalb rät Times-Experte Winter zum Abwarten: Die englische Dominanz in Europa müsse sich erst über einen  längeren Zeitraum erweisen.

England dominiert jetzt den europäischen Fußball
Jens-Peter Marquardt, ARD London
10.05.2019 11:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2019 um 12:45 Uhr.

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