Prinz Andrew | Bildquelle: imago images/AAP

Epstein-Skandal Die Luft für Prinz Andrew wird dünner

Stand: 03.07.2020 19:40 Uhr

Der Druck auf Prinz Andrew wächst wieder. Eine frühere Epstein-Freundin könnte nach ihrer Festnahme über dessen Rolle in dem Missbrauchsskandal aussagen. US-Ermittler drängen den Prinzen, endlich zu kooperieren.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Für Prinz Andrew ist die Lage klar: Er habe den US-Behörden mehrfach seine Unterstützung angeboten, aber keine Reaktion darauf erhalten. Man sei "verblüfft" über das, was man jetzt aus den USA höre, heißt es aus seinem Umfeld. US-Ermittler hatten dem Prinzen vorgeworfen, er behindere im Fall des gestorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein die Ermittlungen. US-Staatsanwältin Audrey Strauss erklärte, sie würde "es begrüßen", wenn Andrew auf sie zukommen würde. 

Wie es für Andrew weitergeht, das liege nun vor allem an der festgenommenen Ghislaine Maxwell, erklärte Nicholas Witchell, der Königshausexperte der BBC. "Es hängt davon ab, was sie dem FBI über Andrew sagt. Wenn sie das überhaupt tut. Auf jeden Fall wird es für ihn nicht leichter, denn es richtet die Aufmerksamkeit wieder auf diese ganze Geschichte", sagte er.

Ein Interview wurde zum Desaster

Zur Festnahme von Maxwell hatte sich Andrew bislang nicht geäußert. Allerdings betonte er früher immer, dass er eigentlich viel mehr mit ihr als mit ihrem Partner, dem Straftäter Epstein, befreundet gewesen sei. Von den Machenschaften Epsteins habe er nichts gewusst.

Die Bundesanwaltschaft in Manhattan wirft der 58-jährigen Britin vor, Epstein minderjährige Mädchen zugeführt zu haben. Laut Anklageschrift war Maxwell auch anwesend, wenn der Investmentbanker seine Opfer sexuell missbrauchte. Im Haus von Maxwell soll im Jahr 2001 auch das Foto entstanden sein, das Andrew mit seinem Arm um die Hüfte damals 17-jährigen Virginia Roberts zeigt. Roberts sagte, sie habe Sex mit Andrew gehabt.

Andrew sagte in einem BBC-Interview im vergangenem November: "Ich kann mich nicht erinnern, diese Dame jemals getroffen zu haben." Das Gespräch sollte ein Befreiungsschlag für den Prinzen sein, aber die stotternden, teilweise nicht schlüssigen Erklärungen und der Mangel an Mitgefühl für die Opfer von Epstein machten das Bekenntnis für Andrew zum Desaster. Kurz danach wurde er vom Königshaus aus dem royalen Geschäft zurückgezogen und ist seither auch kaum wieder aufgetaucht.

"Andrew in schwieriger Situation"

Die erneuten Aufforderungen, vor amerikanischen Behörden auszusagen, brächte ihn in eine sehr schwierige Situation, sagte Nigel Cawthorne, Autor des Buches "Prince Andrew: Epstein and the Palace". Andrew habe öffentlich gesagt, dass er bei den Untersuchungen helfen wolle. "Wenn er tatsächlich in einem Prozess in den USA als Zeuge aussagt, dann wird das weitaus härter sein als das BBC-Interview." Und wenn er es nicht tue, dann werde das immer als Schande auf ihm liegen.

Andrew müsse auch gar nicht nach Amerika fliegen, sagte Cawthorne. Er könne auch einfach zur US-Botschaft im Londoner Stadtteil Vauxhall fahren. Dort habe das FBI ein Büro.

Nach Maxwell-Festnahme: Druck auf Prinz Andrew
Thomas Spickhofen, ARD London
03.07.2020 18:01 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. Juli 2020 um 22:15 Uhr.

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