Menschen sitzen nach einem Erdbeben auf Sulawesi in den Trümmern von Gebäuden | Bildquelle: STR/EPA-EFE/Shutterstock

Erdbeben in Indonesien "Nichts als Trümmer"

Stand: 15.01.2021 16:57 Uhr

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring und wird immer wieder von Erdbeben erschüttert. Jetzt hat es erneut die Insel Sulawesi getroffen. Mehr als 40 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Die Videobilder sind erschütternd: Ein kleines Mädchen, von Trümmern eingezwängt, sagt zwei Helfern seinen Namen - und dass neben ihm noch jemand liegt, seine Mutter wohl. Und ja, die sei auch noch lebendig, aber sie bekomme schwer Luft. Später zeigt ein weiteres Video, wie Rettungskräfte versuchen, zu dem Mädchen vorzudringen.

Andere Aufnahmen dokumentieren die Zerstörung durch das nächtliche Beben: umgestürzte Strommasten, kollabierte Dächer, herabgefallene Deckenverkleidung, ein Mann, der um Hilfe für seine Kinder ruft, die unter Mauerwerk begraben sind, eingebrochene Hauswände, eine eingestürzte Brücke, ein zerstörtes Krankenhaus. "Nichts als Trümmer", sagte ein Mann, der von seinem Moped aus ein Handyvideo aufnahm.

Männer stehen neben einem zerstörten Haus | Bildquelle: via REUTERS
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Das Erdbeben der Stärke 6,2 löste Erdrutsche aus und beschädigte mehr als 300 Häuser.

Sieben Sekunden lang hatte in der Nacht die Erde gebebt, mit einer Stärke von 6,2 auf der Richterskala. Das Epizentrum lag sechs Kilometer von Majene im Westen der Insel Sulawesi entfernt.

Erinnerungen an Katastrophe von 2018 werden wach

Weiter im Norden der Insel hatte vor zweieinhalb Jahren ein Erdbeben einen Tsunami ausgelöst. Bei der Doppelkatastrophe starben 4300 Menschen - von der Flutwelle davongerissen oder in verflüssigter Erde begraben. Die Angst vor einer Wiederholung sitzt tief. Die Chefin des indonesischen Amtes für Wetter und Geophysik, Dwikorita Karnawati, warnte: "Es gibt immer noch Nachbeben. Wir haben Daten vor Ort und historische Daten analysiert und sehen das Potenzial für noch stärkere Nachbeben - stärker als das Beben in der Nacht."

Gefahr von Naturkatastrophen ist unberechenbar

Indonesien liegt auf dem pazifischen Feuerring, einer Region, an der mehrere Erdplatten zusammenstoßen und die tektonisch sehr aktiv ist. Darum gibt es oft Erdbeben oder Tsunamis - oder beides. Erdrutsche begraben Menschen, Häuser und Straßen unter sich, wie es auch vergangene Woche auf Java geschah.

Das Land hat zudem mehr als 120 aktive Vulkane - die Ämter und Katastrophenschutzbehörden sammeln und analysieren ihre Daten genau. Sie versuchen immer, vor den Naturkatastrophen rechtzeitig zu warnen, doch die Gefahr ist unberechenbar.

Zerstörte Gebäude auf Sulawesi | Bildquelle: SYAHIR MUHAMMAD via REUTERS
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Unter den Trümmerbergen werden noch zahlreiche Opfer vermutet.

Mindestens 28 Nachbeben

"Wir hatten zwei starke Beben und mindestens 28 Nachbeben", sagte Karnawati. Und weil das Epizentrum so nah an der Küste liegt, besteht die Möglichkeit von unterseeischen Erdrutschen. Deshalb gibt es immer noch Tsunami-Potenzial, wenn das Epizentrum des nächsten Nachbebens am Strand oder nahe der Küste sein sollte.

Aus Sorge haben sich schon viele Menschen auf den Weg ins Landesinnere gemacht. Die Erdbewegungen haben Brücken zerstört und drei Erdrutsche ausgelöst, teilweise sind Verbindungen in die nächstgrößeren Städte abgeschnitten.

Mehr als 600 Verletzte, Tausende benötigen Hilfe

Gestern Abend hatte bereits ein Beben mit einer Stärke von 5,9 auf der Richterskala einige Häuser beschädigt.

Bei dem nächtlichen Beben seien weit mehr als 600 Menschen verletzt worden, melden die Behörden. 15.000 Bewohner haben ihre Häuser verlassen und benötigen jetzt Zelte, Nahrung und medizinische Versorgung. Die Corona-Pandemie erschwert Hilfsaktionen.

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Nach Erdbeben in Indonesien: Mehr Opfer und Nachbeben erwartet

Lena Bodewein, ARD Singapur
15.01.21 15:49 | audio

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Januar 2021 um 14:00 Uhr.

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