Rettungskräfte suchen nach Menschen in einem nach einem starken Erdbeben eingestürzten Gebäude in Elazig | Bildquelle: dpa

Nach Erdbeben in der Türkei Weitere Tote und viele Vermisste

Stand: 26.01.2020 08:55 Uhr

Nach dem schweren Erdbeben im Südosten der Türkei ist die Zahl der Toten auf 31 gestiegen. Mehrere Menschen werden noch in den Trümmern vermutet. In den sozialen Medien werden Fragen an die Regierung laut.

Von Miriam Staber, ARD-Studio Istanbul

Mehrstöckige Häuser, die eingestürzt sind, abgesackte Balkone, dicke Risse in Wänden: Das Erdbeben im Südosten der Türkei hat schwere Schäden angerichtet. Das Zentrum des Bebens lag in dem Dorf Sivrice in der Provinz Elazig.

Die Erschütterungen kamen um kurz vor 21 Uhr Ortszeit. "Wir waren zu der Zeit zu Hause, die erste Erschütterung war sehr lang. Sie dauerte 15 Sekunden", sagte ein Anwohner der Agentur Reuters. Danach hätten alle ihre Häuser verlassen.

Minusgrade in der Nacht

Bis zum Morgen folgten laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde mehr als 100 Nachbeben. Nach jüngsten Angaben sind mindestens 31 Menschen ums Leben gekommen. Fast 1500 Menschen seien zudem verletzt worden, teilte die Katastrophenschutzbehörde Afad mit.

Dutzende Menschen werden noch unter den Trümmern vermutet. In der Nacht war es bitterkalt, die Temperaturen sanken in der Region auf bis zu minus acht Grad.

"Unsere Häuser sind entweder eingestürzt oder beschädigt. Wir können nicht in unser Dorf gehen", sagte ein 32-jähriger Arbeiter aus Sivrice. Einige Menschen hätten ihr Leben verloren. "Ich hoffe, Gott wird uns helfen, ich hoffe, Gott wird uns Geduld geben. Unsere Tiere sind gestorben. Unsere Familien haben sich in der Nacht um das Feuer versammelt, in Decken gehüllt."

Bislang 29 Tote nach schwerem Erdbeben in Osttürkei
tagesschau 20:00 Uhr, 25.01.2020, Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul

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Schwangere Frau aus Trümmern gerettet

Die türkische Katastrophenschutzbehörde meldete, sie habe Hunderte Helfer sowie Zelte, Betten und Decken ins Erdbebengebiet gebracht. Ibrahim Altan, Generaldirektor des Türkischen Roten Halbmonds, sagte dem Sender CNN Türk: "Die Katastrophenschutzbehörde Afad macht die Such- und Rettungsarbeiten wirklich sehr schnell, die Teams sind sehr gut koordiniert. Viele Menschen haben Angst vor weiteren Nachbeben und wollen nicht zurück in ihre Häuser gehen. Deshalb wird ein Teil in Schulen und Moscheen unterkommen."

Bisher sollen fünf Menschen lebend aus den Trümmern geborgen worden sein. Darunter laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu eine schwangere Frau, die zwölf Stunden unter den Trümmern ausgeharrt hatte.

Bei einer Pressekonferenz am Vormittag sagte der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca: "Um vorbereitet zu sein, haben wir außerdem vier voll ausgestattete, mobile Krankenhäuser mit jeweils 50 Betten aufgebaut und bereitgestellt."

Video in sozialen Medien sorgt für Wirbel

Der Südosten Anatoliens ist stark erdbebengefährdet. Das Zentrum des Erdbebens lag auf der sogenannten ostanatolischen Verwerfung. Hier stoßen Kontinentalplatten aufeinander.

In sozialen Medien in der Türkei wird seit dem Erdbeben gestern Abend ein Video vom vergangenen Oktober häufig geteilt, in dem ein solches Beben prognostiziert wird. Darin sprachen Forscher der Technischen Universität Istanbul eine Warnung für die Verwerfungslinie aus. Sie sagten, es gebe hier eine Anhäufung von Energie. Hier sei Vorsicht geboten. In den Kommentaren und Posts des Videos fragen sich viele Menschen, ob der Staat sie hätte besser schützen können.

Bergungsarbeiten nach schwerem Erdbeben in Türkei
Miriam Staber, ARD Istanbul
25.01.2020 12:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 25. Januar 2020 tagesschau24 um 12:00 Uhr und Deutschlandfunk um 12:26 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag".

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