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Fragen und Antworten Wie entsteht ein Erdbeben?

Stand: 27.02.2010 19:20 Uhr

Warum bebt die Erde überhaupt von Zeit zu Zeit? Wieso werden Erdbeben nicht überall wahrgenommen? tagesschau.de hat für Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Erdbeben gesammelt.

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Wie entsteht ein Erdbeben?

Eine verletzte Frau wird aus den Trümmern gerettet.
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Erdbeben in Haiti im Januar 2010: Eine verletzte Frau wird aus den Trümmern gerettet.

Die Erde ist in ihrem Inneren flüssig und heiß. An ihrer Oberfläche ist die feste Erdkruste in verschiedene Teilschollen zerbrochen, die so genannten tektonischen Platten. Diese Platten sind ständig in Bewegung und reiben aneinander. An den Grenzen zwischen den Platten bauen sich immer wieder Spannungen auf, weil sich die Platten verhaken oder verkanten. Wenn sich diese Spannungen durch ruckartige Bewegungen entladen, kommt es zu tektonischen Beben.

Wie oft bebt die Erde?

Im Durchschnitt treten weltweit jährlich etwa 50.000 Beben der Stärke drei bis vier und 800 der Stärke fünf oder sechs auf. Höchstens einmal im Jahr wird ein Beben größer als 8,0 registriert. Es können aber auch bis zu fünf Jahre vergehen, bis ein solches Großbeben irgendwo auf der Welt auftritt. Am 26. Dezember 2004 löste ein Seebeben einen Tsunami aus, der über die Küsten des Indischen Ozeans hereinbrach und mehr als 220.000 Menschen das Leben kostete.

Wie viel Energie wird bei einem Beben freigesetzt?

Die Stärke von Erdbeben wird mit einer Magnitude angegeben. Dabei entspricht die Differenz von einer Magnituden-Einheit (also beispielsweise von 3 auf 4) einer 32-fachen Zunahme der freigesetzten Energie. Magnitude 1 entspricht etwa einer Sprengkraft von 14 Kilogramm TNT. Explosionen dieser Größenordnung werden beispielsweise auf Baustellen eingesetzt. Magnitude 2 kommt der Explosionsenergie von einer Tonne TNT gleich. Solche Sprengungen werden etwa in großen Steinbrüchen durchgeführt. Magnitude 4 entspricht in etwa der Wirkung von 1000 Tonnen TNT und damit der Sprengkraft einer kleinen Nuklearwaffe. Die 1945 über Nagasaki abgeworfene Atombombe hatte eine umgerechnete Sprengkraft von etwa 25.000 Tonnen TNT und damit eine theoretische Magnitude von knapp unter 5.

Die größte jemals von Menschen verursachte Explosion war die Zündung der Wasserstoffbombe "Zar" durch die Sowjetunion im Oktober 1961. Diese Detonation hatte eine Energie von umgerechnet mindestens 50.000.000 Tonnen TNT, was einer Magnitude von mehr als 7 auf der Richterskala entspricht.

Ein Beben, aber unterschiedliche Messwerte?

Trotz der prinzipiellen objektiven Beurteilung, die durch die Richterskala möglich wird, gibt es zu ein und dem selben Erdbeben häufig unterschiedliche Angaben. Diese hängen vom Standort der jeweiligen Seismometerstation und den verwendeten Methoden der Messungen ab. Die Energie, die bei einem Erdbeben frei wird, strahlt nicht gleichmäßig in alle Richtungen aus. Erschwerend kommt hinzu, dass die Erde keine homogene Masse ist und Untergrund am Standort der Messstation eine Rolle spielt. Die verschiedenen geologischen Formationen können die seismischen Wellen abschwächen oder verstärken.

Wissenschaftler bewerten die Stärke eines Erdbebens deshalb inzwischen vorrangig anhand ihres seismischen Moments (Moment-Magnitude). Diese gibt am besten wieder, wie hoch die freigesetzte Energie insgesamt ist - unabhängig vom Standort der Messstation. Wie hoch diese ist, hängt ab von der zuvor im Gestein angestauten Spannung, der Größe der Bruchfläche und der Länge der Verschiebung, die bei einem Beben an der Störungsstelle auftritt.

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