Die Karte zeigt die Region Tigray in Äthiopien.

Konflikt in Äthiopien Erster Hilfskonvoi erreicht Tigray

Stand: 12.12.2020 18:37 Uhr

Im Äthiopien-Konflikt hat ein erster Hilfskonvoi die abtrünnige Region Tigray erreicht. Das teilte das Internationale Rote Kreuz mit. Zahlreiche Lastwagen lieferten dringend benötigte Medikamente und medizinische Ausrüstung.

Erstmals seit Beginn der militärischen Offensive Äthiopiens hat ein Konvoi mit internationalen Hilfslieferungen die umkämpfte Region Tigray erreicht. Wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bestätigte, wurde die Lieferung in Abstimmung mit den äthiopischen Behörden organisiert.  

Laut dem IKRK besteht der Konvoi aus sieben Lastwagen, die Medikamente und medizinische Ausrüstung für die Behandlung von mehr als 400 Menschen in die Regionalhauptstadt Mekele liefern. Zudem beinhaltet die Lieferung auch Decken, Kleidung, Kochutensilien und Seife für rund 100 Familien.

Krankenhaus musste schließen

Die medizinischen Hilfsgüter sind für das Hauptstadtkrankenhaus, das regionale Gesundheitsamt und die Apotheke des äthiopischen Roten Kreuzes bestimmt. Das Krankenhaus hatte seine Intensivstation und den Operationssaal schließen müssen, weil medizinische Ausrüstung fehlte und der Treibstoff für die Generatoren ausgegangen war. Zugleich mussten die Ärzte Ende November immer mehr Verletzte behandeln. 

"Dieser medizinische Hilfskonvoi wird dazu beitragen, die Vorräte aufzufüllen, den Patienten zu helfen und die Zahl der schwierigen Entscheidungen über Leben und Tod zu reduzieren", erklärte der Regionaldirektor des IKRK für Afrika, Patrick Youssef.

Konflikt hält seit Monaten an

Der äthiopische Konflikt um die abtrünnige Region Tigray dauert nun schon Monate. Die dort regierende TPLF dominierte drei Jahrzehnte lang die Politik im Land, bevor der aktuelle äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed 2018 an die Macht kam. Allerdings erkennt die TPLF Abiy nicht an. Ende November sandte Abiy daher Streitkräfte nach Tigray, wodurch der Konflikt mit der TPLF schließlich vollständig eskalierte.

Die internationale Gemeinschaft hatte seit Wochen humanitären Zugang zu der Krisenregion gefordert, die seit dem Beginn des Konflikts praktisch vom Rest der Welt abgeschnitten war. Hilfslieferungen scheiterten bislang aber an der äthiopischen Regierung, die offenbar verhindern will, dass Außenstehende eine führende Rolle bei den Hilfsbemühungen spielen. 

Internationale Experten gehen davon aus, das bei den Kämpfen bislang Tausende Menschen getötet wurden. Weitere 50.000 sind auf der Flucht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Dezember 2020 um 19:00 Uhr.

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