Politiker weltweit reagieren bestürzt Empörung über Mord an russischer Menschenrechtlerin

Stand: 18.03.2019 20:17 Uhr

Der Mord an der russischen Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa ist weltweit von Politikern kritisiert worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem "nicht hinnehmbaren Ereignis". Nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Dimitri Medwedjew in Schloss Schleißheim bei München zeigte sie sich überzeugt, dass die russische Seite alles daran setzen werde, die Täter zu fassen. Medwedjew selbst äußerte seine Entschlossenheit, den Mord aufzuklären. Die Tat sei eine Provokation und habe mit den Aktivitäten Estemirowas zu tun.

Auch Außenminister Steinmeier zeigte sich bestürzt und verurteilte die "feige Tat auf das Schärfste". Estemirowa sei eine mutige Kämpferin für die Menschenrechte im Nordkaukasus gewesen.

EU fordert "schnelle und gründliche" Aufklärung

Zuvor hatte bereits die Europäische Union die Ermordung Estemirowas auf das Schärfste verurteilt. In einer in der Nacht zum Donnerstag verbreiteten Erklärung der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft werden die russischen Behörden aufgefordert, den Mord "schnell und gründlich aufzuklären" und die Täter zur Verantwortung zu ziehen. "Der Mord an Natalja Estemirowa im Nordkaukasus richtet die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit, Menschenrechtler in Russland zu schützen", heißt es in der EU-Erklärung weiter.

Den Kreis der Gewalt durchbrechen

Der Direktor von Human Rights Watch, Kenneth Roth, sagte, Estemirowa habe ihr ganzes Leben für Gerechtigkeit gekämpft. Der beste Weg, sie zu würdigen, sei es, ihre Mörder zu finden und sie vor Gericht zu stellen. Es müsse sichergestellt werden, dass der Mord nicht straflos bleibe, um den Kreislauf von Gewalt in Tschetschenien zu durchbrechen. Reporter ohne Grenzen forderte die russischen Behörden auf, gegen die alltägliche Gewalt, unter der die Bevölkerung im Nordkaukasus leide, aktiv zu werden.

Welche Rolle spielt Ramsan Kadyrow?

Ramasan Kadyrow, Präsident Tschetschenien
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Die Menschenrechtler von "Memorial" machen Tschetscheniens Präsident Kadyrow für den Mord verantwortlich - der weist das von sich.

Die russische Menschenrechtsorganisation Memorial gibt dem kremltreuen tschetschenischen Machthaber Ramsan Kadyrow die Schuld an dem Mord Estemirowas. "Ich bin überzeugt, dass hinter diesem Mord die Führung der Teilrepublik Tschetschenien steht", sagte der Memorial-Vorsitzende Oleg Orlow. Er könne aber nicht sagen, ob Präsident Kadyrow persönlich oder einer seiner Untergebenen den Befehl zur Ermordung Estemirowas gegeben habe.

Kadyrow habe Estemirowas Aufklärungsarbeit in der Vergangenheit scharf kritisiert und sie massiv bedroht, sagte Orlow. Der tschetschenische Präsident bestritt dies und erklärte, das Verbrechen sei auch ein Anschlag auf den Frieden in Tschetschenien. Er persönlich werde die Ermittlungen kontrollieren und es werde alles getan, um die Schuldigen zu verhaften. Er werde die Verantwortlichen für diese "zynische und provokative" Tat ihrer gerechten Strafe zuführen, versicherte er. Gleichzeitig warf den Tätern vor, sie hätten mit diesem Verbrechen das Ansehen der Völker der Republiken Tschetscheniens und Inguschetiens "in den Dreck gezogen".

In Grosny verschleppt

Natalja Estemirowa (Archivbild 2007)
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Estemirowas Ermordung hat internationale Bestürzung ausgelöst.

Die Menschenrechtlerin war am Mittwochmorgen in Grosny, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tschetschenien, entführt worden. Wenige Stunden später wurde ihre Leiche in der Nachbarrepublik Inguschetien entdeckt. Die Aktivistin galt, ähnlich wie die 2006 getötete regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja, als Kämpferin für die Menschenrechte im Nordkaukasus.

Estemirowa hatte sich mit kritischen Berichten über das Verschwinden von Zivilisten in Tschetschenien wiederholt den Zorn der moskautreuen Machthaber zugezogen. Wie Politkowskaja schrieb sie regelmäßig Beiträge für die oppositionsnahe Zeitung "Nowaja Gaseta".

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