Ein Schild in Genf weist auf das Gebäude der WHO hin. | Bildquelle: AFP

Kritik an Trumps WHO-Entscheidung "Das falsche Signal zur falschen Zeit"

Stand: 30.05.2020 18:27 Uhr

Mitten in der Corona-Krise will der US-Präsident die Beziehungen zur WHO abbrechen. In Europa sorgt das für Unverständnis: Die EU drängt Trump, seine Entscheidung zu überdenken. Deutlicher wird der Bundesaußenminister.

Der geplante Rückzug der USA aus der Weltgesundheitsorganisation WHO stößt in der EU und bei der Bundesregierung auf Kritik. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und der Außenbeauftragte Josep Borrell forderten US-Präsident Donald Trump auf, seine Entscheidung zu überdenken: Gerade angesichts der Corona-Pandemie seien weltweite Kooperation und Solidarität wichtig, erklärten sie.

"Die WHO muss weiter in der Lage sein, die internationale Reaktion auf jetzige und künftige Pandemien anzuführen", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung. Dafür sei die Teilnahme und Unterstützung aller nötig. "Alles, was internationale Ergebnisse schwächt, muss vermieden werden. In diesem Kontext drängen wir die USA, ihre angekündigte Entscheidung zu überdenken."

"Kooperation statt Alleingänge"

Bundesaußenminister Heiko Maas nannte Trumps Vorstoß "das falsche Signal zur falschen Zeit". Zur Bewältigung der Corona-Pandemie brauche es "weltweite Kooperation statt nationaler Alleingänge", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Wir brauchen eine geeinte und solidarische Antwort aller Staaten und der Vereinten Nationen, mit einer starken WHO im Zentrum." Der SPD-Politiker kündigte intensive Gespräche in Washington an, um die US-Regierung von diesem Ansatz überzeugen.

Maas | Bildquelle: dpa
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Bundesußenminister Maas fordert Kooperation statt nationaler Alleingänge - für Trumps Vorstoß hat er gerade zu diesem Zeitpunkt wenig Verständnis.

Auch Entwicklungsminister Gerd Müller sprach angesichts der Corona-Pandemie von einem "falschen Signal". Ein Rückzug der USA bedeuteten für Europa ein stärkeres Engagement im globalen Gesundheitsbereich. Leider sei der Corona-Schutzschirm der EU aber bislang nur nach innen gerichtet. Der CSU-Politiker forderte, die WHO zudem institutionell zu stärken und zu einem Welt-Pandemiezentrum weiterzuentwickeln - "mit Orts-genauem Monitoring über Infektionsausbrüche und Verläufe, einem globalen Meldesystem und Forschungsverbünden, die ihre Ergebnisse wie in der Klima- und Wetterforschung austauschen." Denn Corona werde voraussichtlich nicht die letzte Pandemie gewesen sein.

EU sichert WHO Unterstützung zu

Trump hatte gestern den Abbruch der Beziehungen seines Landes zur WHO angekündigt. Unklar ist, ob er dies sofort und eigenhändig durchsetzen kann. Der US-Präsident wirft der WHO vor, unter der Kontrolle Chinas zu stehen und auf die Corona-Pandemie falsch reagiert zu haben.

Von der Leyen und Borrell schrieben dagegen, die Europäische Union unterstütze die WHO weiter im Kampf gegen die Pandemie und habe bereits zusätzliches Geld zugesagt. Am 19. Mai hätten alle WHO-Mitgliedsstaaten beschlossen, so bald wie möglich eine unparteiische, unabhängige und umfassende Bewertung einzuleiten und die Lehren aus der internationalen Reaktion auf das Coronavirus zu ziehen. Dies sei nötig, um den Gesundheitsschutz zu stärken.

Bundesregierung kritisiert Trump für Austritt aus WHO
Marcel Heberlein, ARD Berlin
31.05.2020 07:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 30. Mai 2020 die tagesschau um 17:50 Uhr und Deutschlandfunk um 18:00 Uhr in den Nachrichten.

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