Corona-Impfstoff von AstraZeneca Verwirrung vor nächstem EU-Treffen

Stand: 27.01.2021 12:55 Uhr

Der Streit zwischen der EU und AstraZeneca um die Lieferung von Corona-Impfstoff geht in die nächste Runde. Berichte, die heutigen Gespräche seien abgesagt worden, dementierte der Konzern. Dessen Chef Soriot ging in die Offensive.

In Brüssel wollen die EU und der Pharmakonzern AstraZeneca heute über die Lieferungen des Corona-Impfstoffes und drohende Engpässe beraten. Berichte, der Pharmakonzern hätte das Treffen abgesagt, dementierte ein Unternehmenssprecher umgehend: Die Gespräche würden wie geplant stattfinden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

EU streitet mit AstraZeneca über Lieferung von Corona-Impfstoff
tagesschau 20:00 Uhr, 27.01.2021, Markus Preiß, ARD Brüssel

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Bei zwei vorangegangenen Treffen hatte AstraZeneca nicht hinreichend erklären können, warum es der EU nicht die vereinbarte Menge Impfstoff fristgerecht liefern kann. In Brüssel steht deshalb der Verdacht im Raum, Engpässe bei der Belieferung der Europäischen Union mit dem AstraZeneca-Vakzin könnten darauf zurückzuführen sein, dass das Unternehmen Großbritannien und andere Nicht-EU-Länder mit ungekürzten Mengen des Impfstoffs beliefert. 

Ursprünglich war mit der EU vereinbart worden, dass AstraZeneca bis Ende März rund 80 Millionen Dosen seines Vakzins liefert - vorausgesetzt, der Impfstoff wird in der EU zugelassen. Doch dann kündigte der Betrieb an, dieses Pensum wegen Schwierigkeiten an Produktionsstätten nicht erfüllen zu können.

"Drei Monate mehr Zeit, um Pannen zu beheben"

Zuvor hatte der Chef des Pharmakonzerns, Pascal Soriot, noch einmal den Versuch gemacht, die befürchteten Lieferengpässe mit dem Corona-Impfstoff zu erklären. Sein Hauptargument: die Zeit. "Wir sind in Europa jetzt zwei Monate hinter unserem ursprünglichen Plan", räumte Soriot in der Zeitung "Welt" ein. Doch der Vertrag über die Impfstofflieferungen für die EU sei drei Monate später abgeschlossen worden als der mit Großbritannien. Dort wird bereits mit dem Wirkstoff von AstraZeneca geimpft und der Konzern kann seine Lieferzusagen bislang offenbar erfüllen. "Wir hatten dort drei Monate mehr Zeit, um Pannen zu beheben", betonte Soriot.

Der Chef des AstraZeneca-Konzerns, Pascal Soriot, im Dezember 2020. | Bildquelle: Reuters
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Dank des frühen Vertragsabschlusses habe sein Unternehmen in Großbritannien mehr Zeit gehabt, um Pannen zu beheben, so AstraZeneca-Chef Pascal Soirot.

Keine zeitgebundenen Liefermengen im Vertrag vereinbart?

Zudem führte der Konzernchef an, dass AstraZeneca sich im Vertrag mit der EU nicht zur Lieferung bestimmter Impfstoffmengen in einer bestimmten Zeit verpflichtet zu haben. Die EU habe zur gleichen Zeit mit dem Wirkstoff beliefert werden wollen wie Großbritannien, trotz früherem Vertragsabschluss zwischen AstraZeneca und der britischen Regierung. "Darum haben wir zugesagt, es zu versuchen, uns aber nicht vertraglich verpflichtet", so Soriot.

Mehr Einsicht in Verträge gefordert

Für die Abgeordneten in Brüssel bleibt dennoch die Frage offen, wie stark die EU auf die Lieferungen pochen darf. Stimmt die Aussage Soriots, dass zwar eine schnelle Lieferung vereinbart wurde, aber keine Mengen? Oder kann sich die EU auf konkrete Mengenangaben berufen? Einsicht in den kompletten Vertrag bleibt der Öffentlichkeit bislang verwehrt, was bei der Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Nicola Beer, auf harsche Kritik stößt:

"Wir haben bislang geschwärzte Entwürfe gesehen. Ich glaube, es kann nicht angehen, (...) dass wir im Grunde genommen überhaupt keine Informationen kriegen, weil an den entscheidenden Stellen - wieviel Dosen werden wann geliefert, zu welchem Preis - alles geschwärzt ist."

Die EU-Kommission müsse den Vertrag mit AstraZeneca offenlegen, forderte Beer im Interview mit dem rbb. Um eben solche Kritik einer mangelnden Einsicht entgegenzuwirken, hat die EU-Kommission ein Transparenzregister angekündigt. In diesem soll erfasst werden, in welcher Zeit ein Pharmaunternehmen wieviel Corona-Impfstoff hergestellt hat und wohin das Vakzin geliefert wird.

Zweifel an Wirksamkeit bei Älteren

Ob der Impfstoff von AstraZeneca in der EU zugelassen wird, soll die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) voraussichtlich am Freitag entscheiden. Zuletzt hatten jedoch mehrere Medien berichtet, die Wirksamkeit des Mittels bei Menschen über 65 Jahren stehe infrage. Der Impfstoff wirke in dieser Altersgruppe eventuell nur bei acht Prozent der Geimpften.

Doch von Soriot kam klarer Widerspruch: "Wie kann man annehmen, dass Prüfbehörden rund um den Globus ein Mittel zulassen, das nur acht Prozent Wirksamkeit hat?" Auch das Bundesgesundheitsministerium hatte den Befürchtungen widersprochen, sie gingen auf eine Verwechslung zurück. Nie geringe Quote beziehe sich nicht auf die Wirksamkeit, sondern auf die Teilnahme von Probanden dieser Altersgruppe an ersten Studien, in denen AstraZeneca seinen Wirkstoff getestet hatte.

Zusätzliche Daten nachgereicht

Nach Informationen des ARD-Studio Brüssel hat AstraZeneca nach der Notfallzulassung in Großbritannien zusätzliche Daten bei der EMA eingereicht: von 2000 Probanden über 65 Jahre. Zwei Drittel der Probanden seien älter als 70 Jahre gewesen, der älteste sei sogar 86 Jahre alt gewesen. Die Studie soll zeigen, dass der Impfstoff bei Senioren genauso stark wirkt wie bei den Jüngeren.

Bei jüngeren Geimpften kommt der AstraZeneca-Impfstoff laut Unternehmensangaben auf eine Schutzwirkung von 62 Prozent und liegt damit hinter den Wirkstoffen von BionNTech und Pfizer sowie Moderna mit einer Schutzwirkung von mehr als 94 Prozent.

Mit Informationen von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Januar 2021 um 12:00 Uhr.

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