Folge der Corona-Pandemie Deutlich weniger Asylanträge in der EU

Stand: 18.02.2021 19:23 Uhr

Die coronabedingten Reisebeschränkungen erschweren den Weg nach Europa. Deshalb ging auch die Zahl der Asylanträge 2020 deutlich zurück. An den Herkunftsländern der Schutzsuchenden ändert sich hingegen kaum etwas.

Die Zahl der Asylanträge in der Europäischen Union ist im vergangenen Jahr um 31 Prozent zurückgegangen. Wie die EU-Asylagentur EASO in Valletta mitteilte, wurden 2020 rund 461.300 Fälle eingereicht. Im Jahr zuvor waren es noch etwa 671.200. Die Zahlen seien damit so niedrig wie seit 2013 nicht mehr.

Hauptgrund für den Rückgang sind der EASO zufolge die Reisebeschränkungen in der Corona-Pandemie. Bis auf wenige Ausnahmen - darunter Belarus und Brasilien - kamen aus allen Ländern weniger Asylsuchende. Am stärksten gingen die Antragszahlen von Menschen aus Nigeria (minus 44 Prozent) zurück.

Kaum Chancen für Menschen aus Kolumbien

Die Hauptherkunftsländer der Schutzsuchenden blieben den Angaben zufolge dieselben. Demnach kamen die meisten Anträge von Syrern (64.540), Afghanen (48.578) und Venezolanern (30.643), Kolumbianern (29.438) und Irakern (18.167). Aus der gesamten Zahl der Anträge stammten vier Prozent von "nach ihren eigenen Angaben unbegleiteten Minderjährigen".

Im Schnitt wurde rund jeder dritte Asylantrag anerkannt - die meisten von Menschen aus Syrien (84 Prozent), Eritrea (80 Prozent) und dem Jemen (75 Prozent). Am seltensten wurden Kolumbianerinnen und Kolumbianer (zwei Prozent) und Menschen aus Venezuela (drei Prozent) als schutzbedürftig anerkannt.

Behörden holen Rückstand auf

Durch die Pandemie sank außerdem der Arbeitsrückstand bei den Fällen etwas, wie die EASO schrieb. Die nationalen Asylbehörden hätten 2020 ungefähr dieselbe Zahl von Entscheidungen in erster Instanz wie im Vorjahr getroffen, nämlich rund 521.000.

Die nationalen Behörden bearbeiteten demnach erstmals seit 2017 mehr Anträge als neue gestellt wurden. Dadurch sei die Zahl wartender Fälle etwas abgebaut worden: Ende des Jahres seien noch etwa 412.600 Fälle in erster Instanz anhängig gewesen. Der Rückstau reduzierte sich damit um über 74.000.

Die Zahlen beziehen sich auf Erstanträge für die 27 EU-Länder plus Norwegen und Schweiz, auch für das Vergleichsjahr 2019 wurde das damalige EU-Mitglied Großbritannien nicht berücksichtigt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. Februar 2021 um 15:14 Uhr.

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