Wegen Inhaftierung Nawalnys Frankreich fordert Stopp von Nord Stream 2

Stand: 01.02.2021 12:30 Uhr

Die Liste der Staaten wird länger, die Deutschland aufrufen, das Pipelineprojekt Nord Stream 2 mit Russland zu stoppen. Nun also auch Frankreich. Der Grund ist die Inhaftierung von Kreml-Kritiker Nawalny und seiner Anhänger.

Frankreich fordert von der Bundesregierung den Ausstieg aus dem Pipelineprojekt Nord Stream 2 mit Russland. Der französische Europa-Staatssekretär Clément Beaune begründete dies im Radiosender France Inter mit dem russischen Vorgehen gegen Kremlkritiker Alexej Nawalny und seine Anhänger.

"Wir haben immer gesagt, dass wir die größten Bedenken zu dem Projekt in diesem Kontext haben", sagte Beaune dem Radiosender France Inter. Auf die Frage, ob Frankreich einen Stopp von Nord Stream 2 befürworte, antwortete er: "Wir haben das in der Tat bereits gesagt."

Beaune reagierte mit seiner Forderung auf die Inhaftierung Nawalnys und die Festnahme von mehr als 5300 Anhängern des Kreml-Kritikers am Wochenende. Nawalny war direkt nach seiner Rückkehr aus Deutschland Mitte Januar in Moskau festgenommen und im Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden. In Berlin war der Putin-Kritiker nach einem Giftanschlag behandelt worden, für den er den Kreml verantwortlich macht. 

"Sanktionen gegen Russland reichen nicht"

Neue Sanktionen gegen Russland reichten in diesem Fall "nicht aus", betonte Beaune. Zu den Finanzinvestoren bei Nord Stream 2 zählt auch der französische Energiekonzern Engie, an dessen Kapital der Staat zu knapp einem Viertel beteiligt ist.

Nord Stream 2
galerie

Pro Jahr sollen 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland befördert werden können.

Warnung vor Abhängigkeit von russischem Gas

Zuvor hatte bereits das Europäische Parlament aus denselben Gründen einen Stopp von Nord Stream 2 gefordert. Die USA und mehrere europäische Staaten, darunter Polen, äußern bereits länger scharfe Kritik an dem Pipelineprojekt. Sie warnten vor einer zu großen Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas und negativen Folgen für osteuropäische Staaten. 

Die Bundesregierung hält bislang weiter an der Ferngasleitung fest. Doch auch in Deutschland mehrten sich zuletzt Stimmen, die einen Stopp oder eine Aussetzung von Nord Stream 2 forderten. In die Kritik geraten ist insbesondere eine vom Land Mecklenburg-Vorpommern gegründete Klima-Stiftung, die den Bau der Pipeline vollenden und helfen soll, US-Sanktionen zu umgehen.

Pipeline soll zu 94 Prozent fertig sein

Ende vergangenen Monats wurden die Arbeiten zur Fertigstellung der Pipeline durch die Ostsee wieder aufgenommen. Nach Angaben des russischen Energiekonzerns Gazprom als Hauptinvestor von Nord Stream 2 sind 94 Prozent der Leitung bereits fertiggestellt. Sie besteht aus zwei Strängen mit einer Länge von jeweils rund 1230 Kilometern und soll pro Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland befördern können.

Nord Stream 2: Russisches Spezialschiff nimmt erste Arbeiten vor Bornholm auf
Markus Sambale, ARD Berlin
01.02.2021 19:19 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 01. Februar 2021 um 13:07 Uhr.

Darstellung: