Prinz Philip Warmherziger Vermittler und erster Kritiker

Stand: 09.04.2021 19:40 Uhr

Als Ehemann von Elizabeth II. musste Prinz Philip auf vieles verzichten - für seine Frau war er der wichtigste Unterstützer. Obwohl er sich öffentlich forsche Bemerkungen leistete, bleibt er als gefühlvoller Mensch in Erinnerung.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Es war eine der schwersten Rollen, die das Königreich zu vergeben hatte: immer an der Seite der Queen - und zugleich immer zwei Schritte hinter ihr. Aber Prinz Philippos Andreou von Griechenland und Dänemark, 26 Jahre jung und stolzer Leutnant, war sich dessen bewusst, als er 1947 Elizabeth von Windsor das Eheversprechen in der Westminster Abbey gab.

Nicht überall am Königshof war diese Ehe gern gesehen. Philip stammte nicht aus dem englischen Hochadel, er war nicht auf der Eliteschule Eton, er war kein britischer Garde-Offizier, er hatte kein Vermögen. Da war nichts, was für das royale Establishment wirklich zählte.

Halt in der Beziehung

Als Philip am 10. Juni 1921 auf der griechischen Insel Korfu zur Welt kam, war er das jüngste von fünf Kindern, er hatte vier ältere Schwestern. Die Ehe der Eltern galt bereits als gescheitert, die Mutter litt unter einer psychischen Erkrankung, der Vater setzte sich nach Monte Carlo ab.

Philip wurde in Deutschland, später in Frankreich und Schottland zur Schule geschickt. In der Beziehung zu Elizabeth, einer Cousine dritten Grades und Freundin seit Kindheitstagen, fand er schließlich Halt, Stabilität und Zuversicht. So berichten es Beobachter.

Rasche Thronnachfolge

Als die beiden 1947 heirateten, hofften sie noch auf eine lange Zeit als Ehepaar und Familie, denn King Georg VI. war erst 51 Jahre alt. Doch dann starb der König im Februar 1952 überraschend.

Elizabeth wurde über Nacht zur Königin - und Philip der Prinzgemahl. Das sei für ihn ganz schwierig gewesen, sagt Peter Morgan, der die Serie "The Crown" produziert hat. Philip sei von Natur aus viel mehr Alphatier als die Königin gewesen, aber sie sei nun eben die Anführerin.

Diskussionen über Redemanuskripte

Philip unterstützte seine Frau, wo er nur konnte. Er begleitete sie auf Reisen, nahm Termine für sie wahr, überreichte Preise und Medaillen im Namen der Krone, und er diskutierte auch mit der Königin über ihre Redemanuskripte.

Er sei er ihr erster Kritiker gewesen, sagte die Queen am 60. Hochzeitstag im November 2007. Philip habe mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg gehalten. Es war einer der seltenen Momente, in dem die Queen öffentlich über ihre Ehe redete.

Verzicht auf die Karriere

Philip verzichtete für diese Ehe auf manches, was ihm eigentlich viel bedeutete: Auf seine Karriere bei der Marine, die bereits verheißungsvoll begonnen hatte, auf seine dänischen und griechischen Adelstitel.

Er wechselte vom griechisch-orthodoxen Glauben in die Anglikanische Kirche, deren Oberhaupt die Queen ist. Ihre Kinder erhielten nicht seinen Namen, Mountbatten, sondern den seiner Frau, Windsor.

Briefwechsel mit Diana

Philip eckte öffentlich oft mit undiplomatischen Bemerkungen an. In einem Interview erklärt er einmal, es sei eben schwierig auf so vielen Terminen immer das passende Wort zu finden, was man sagen könne. Er bereue so manches davon.

Menschen, die ihn näher und privater kennen, sagen aber auch, er sei ein sehr gefühlvoller und warmherziger Mensch. Bei der schmerzhaften Trennung von Charles und Diana sei er wie ein Mediator gewesen, um Vermittlung bemüht, mit Verständnis für beide Seiten und einem regelmäßigen Briefwechsel mit Diana.

"Riesiges Arbeitspensum"

Er möge ja keine Komplimente, sagte die Queen an jenem 60. Hochzeitstag auch, um dann ihr größtes Kompliment loszuwerden: Er sei es gewesen, der ihr all die Jahre Kraft und Halt gegeben habe. Da war Philip 85.

Mit einer Vitalität, die Kate Williams, Historikerin mit dem Fachgebiet Königshaus, nur bewundern kann. "Er wirkte 30 Jahre jünger. Nicht mal eine Brille hatte er, und er absolvierte noch immer ein riesiges Arbeitspensum". Andere würden sich lieber auf die Couch setzen, Kreuzworträtsel lösen und eine Tasse Tee trinken.

Was steckt hinter "Operation Forth Bridge"?

Der Ablauf der Ereignisse nach dem Tod von Prinz Philip steht schon lange fest - als "Operation Forth Bridge". Der Code-Begriff bezeichnet die Schritte bis zur Beerdigung des Ehemanns von Königin Elizabeth II. Bis zum Begräbnis gilt nun eine landesweite Trauerzeit. Die Queen und andere Royals werden keine Termine wahrnehmen - das bedeutet, dass die Königin als Staatsoberhaupt in dieser Zeit keine Gesetze mit ihrer Unterschrift in Kraft setzen kann.

Im Parlament in London wird der königliche Zeremonienstab in schwarzes Tuch geschlagen, die Abgeordneten tragen schwarze Bänder am linken Arm und männliche Parlamentarier eine schwarze Krawatte. Auch die Königsfamilie wird in der gesamten Zeit nur in Trauerkleidung erscheinen und Armbinden tragen. Flaggen wehen auf halbmast.

Als Prinzgemahl steht dem Herzog von Edinburgh ein Staatsbegräbnis zu. Allerdings soll der Prinz gesagt haben, er wünsche kein Aufheben. Erwartet wird daher eine eher privatere Zeremonie, militärisch angehaucht, in der St George's Chapel im Schloss Windsor. Beerdigt wird er dann wohl in Frogmore Gardens, wo sich auch das Grab von Queen Victoria befindet.

Sollte die Queen versterben, tritt "Operation London Bridge" in Kraft.

Rückzug aus dem Tagesgeschäft

Einige Jahre später, mit 91, gestand der Prinzgemahl: Jetzt würde er doch gern mal kürzer treten, er habe seinen Job gemacht, er wolle nicht mehr so viel Stress und nicht immer darüber nachdenken, was man sagen könne, und bei Namen werde er auch immer vergesslicher.

Aber erst sechs Jahre später, im August 2017, zog Philip sich tatsächlich aus dem royalen Tagesgeschäft zurück und begleitete seine Frau ab da nur noch auf einigen wenigen, handverlesenen Terminen.

Nachruf auf Prinz Philip
Thomas Spickhofen, ARD London
09.04.2021 15:23 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. April 2021 um 14:00 Uhr.

Darstellung: