Rettungsschiff "Sea-Watch 3" in Italien festgesetzt

Stand: 22.03.2021 12:22 Uhr

Gerade einmal einen Einsatz konnte das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" nach mehrmonatiger Zwangspause fahren, jetzt liegt das Schiff in Italien wieder fest. Die Seenotretter sprechen von Schikane.

Die italienische Küstenwache hat das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" im Hafen von Augusta in Sizilien festgesetzt. Das bestätigte die deutsche Seenot-Rettungsinitiative via Twitter. Das Schiff der gleichnamigen deutschen Hilfsorganisation hatte am 3. März 363 vor der libyschen Küste gerettete Bootsflüchtlinge nach Augusta gebracht. Es war der erste Einsatz nach mehrmonatiger Zwangspause, bei der die "Sea-Watch 3" nach einem Rettungseinsatz im Juni ebenfalls in Italien beschlagnahmt worden war.

Ein Vorwurf laute nun, dass das Schiff zu viele Menschen transportiert habe, sagte Sea-Watch-Sprecherin Mattea Weihe der Nachrichtenagentur epd. Das sei absurd, zynisch und extrem frustrierend. Laut italienischem Rundfunk steht außerdem der Vorwurf im Raum, die Besatzung habe im Hafen von Augusta Hydraulik-Öl abgelassen. Im Rahmen einer Hafeninspektion an Bord des Schiffes seien überdies Mängel bei Brand- und Umweltschutzmaßnahmen festgestellt worden. "Es ist wie beim letzten Mal", sagte Weihe. "Jeder mögliche Punkt muss als Begründung für die Festsetzung herhalten." Dabei sei das Festhalten des Schiffes politisch motiviert. "Es ist reine Schikane."

Die Organisation mit Sitz in Berlin kündigte an, mit rechtlichen Schritten gegen die Blockade vorzugehen.

"Sea-Watch 4" vorläufig freigegeben

Italienische Behörden nehmen regelmäßig Inspektionen auf privaten Seenotrettungsschiffen vor und verfügen in der Folge deren Beschlagnahmung oder Festsetzung. Ein Gericht in Palermo in Sizilien hatte erst Anfang März das ebenfalls länger festgehaltene Schiff "Sea-Watch 4" vorläufig freigegeben. Die Rettungseinsätze der zivilen Organisationen im Mittelmeer sind politisch umstritten.

Derweil wartet die "Ocean Viking" der Organisation SOS Méditerranée mit 116 Geretteten an Bord im Mittelmeer auf die Zuweisung eines Hafens. Das schlechte Wetter wirke sich auf den Gesundheitszustand der Menschen aus, erklärte die Organisation am Sonntag. Die Besatzung des Schiffes hatte am Samstag 106 Menschen aus einem überbesetzten Schlauchboot vor der libyschen Küste aus Seenot gerettet. Am Donnerstag hatte sie zehn Flüchtlinge an Bord genommen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. März 2021 um 11:30 Uhr.

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