Königsfamilie in Dubai Großbritannien sorgt sich um Prinzessin Latifa

Stand: 18.02.2021 14:22 Uhr

Ein paar kurze Videoclips wühlen nicht nur die britische Regierung auf: Sie stammen von Prinzessin Latifa aus Dubai, die von Gefangenschaft und Todesangst spricht. Der Fall hat nun auch die UN erreicht.

Sie stammt aus einer der reichsten Familien der Welt, doch sie hat andere Vorstellungen von ihrem Leben als ihre Eltern, und da beginnt das Problem: Prinzessin Latifa ist die Tochter des Herrschers von Dubai, Mohammed bin Rashid al Maktoum, und hat vor einiger Zeit Videoclips außer Landes gebracht, in denen sie davon spricht, sie werde gegen ihren Willen gefangengehalten und fürchte um ihr Leben.

Der Fall wirft ein Schlaglicht der besonderen Art auf die Verhältnisse in Dubai und den Vereinigten Arabischen Emiraten insgesamt. Die Föderation will sich modernisieren und ihren Einfluss in der Welt ausweiten. Dazu gehören auch vielfältige Versuche, das Bild der Weltöffentlichkeit über das Emirat zu beeinflussen - auch durch große Sportevents, das Sponsoring von Turnieren und Vereinen. Zuletzt wurden zahlreiche Influencer auch aus Deutschland nach Dubai gelockt, von wo aus sie nun in sozialen Netzwerken über die Annehmlichkeiten ihres Lebens berichten.

Diese Annehmlichkeiten enden aber da, wo sie politisch und kulturell nicht mit den Vorstellungen des Herrscherhäuser übereinstimmen. Meinungsfreiheit und das Recht auf Kritik an der Führung oder die Bildung unabhängiger politischer Organisationen gehören nicht dazu - Amnesty international kritisiert Dubai regelmäßig für "eine Politik systematischer Unterdrückung jeder Form von Dissens oder Kritik".

Erster Fluchtversuch 2018 scheiterte

Im Falle der Prinzessin Latifa bedeutet das, dass sie im Herrscherhaus anscheinend nicht das Leben führen kann, das sie sich selbst vorstellt. 2018 versuchte sie, zu entkommen: auf einer Yacht sollte es nach Indien und von dort in die USA gehen, wo sie Asyl beantragen wollte. Vor ihrer Flucht nahm sie ein Video auf, in dem sie die Beschränkungen ihres Lebens beschrieb: das Verbot zu studieren, zu reisen, ein Auto selbst zu fahen. Doch das Schiff wurde von einem Kommando der Emirate auf hoher See aufgebracht. Kurz vor der Enterung setzte Latifa noch ein Video ab, in dem sie auf ihren Fall aufmerksam machte. Das Herrscherhaus wiederum teilte knapp mit, Scheicha Latifa sei zu ihrer Familie "zurückgebracht" worden, es gehe ihr gut.

Das sorgte schon damals weltweit für Schlagzeilen: Die frühere UN-Kommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, flog einige Monate später nach Dubai, um sich ein Bild zu machen. Bilder gab es dann auch für die Öffentlichkeit, auf denen Robinson und Latifa beim gemeinsamen Essen zu sehen waren. Der Anschein geordneter Verhältnisse war aber offenbar sorgsam inszeniert, und Robinson sagt heute, sie sei "fürchterlich reingelegt" worden.

Prinzessin Latifa mit Mary Robinson im Jahr 2018 | Bildquelle: AFP
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Ein verhängnisvolle Bild: Die Begegnung von Latifa mit Mary Robinson war offanbar eine ausgeklügelte Inszenierung.

Villa der Prinzessin "in ein Gefängnis" verwandelt

Nun zeigte die BBC vor wenigen Tagen Videoclips, in denen Latifa mitteilte, die Villa, in der sie sich aufhalte, sei in ein "Gefängnis" verwandelt worden. Sie wisse nicht, wann sie freikomme und unter welchen Bedingungen. Sie fürchte jeden Tag um ihr Leben, die Polizei sage ihr, sie werde "ihr ganzes Leben in Gefangenschaft" sein und "das Sonnenlicht niemals wieder sehen". Latifa beschreibt auch, wie sie von der Yacht nach Dubai gebracht und wie das Video mit Robinson inszeniert wurde.

Das Auftauchen der Clips, die nach Angaben der BBC vermutlich schon vor einem Jahr entstanden, sorgte in Großbritannien für erhebliche Unruhe und Besorgnis. Premierminister Boris Johnson und Außenminister Dominic Raab äußerten sich. Er sei "besorgt" um Prinzessin Latifa, erklärte Johnson. Der UN-Beauftragte für Menschenrechte werde sich den Fall ansehen und man werde warten, was dabei heraus komme. "Wir haben da ein Auge drauf", verspricht der Londoner Regierungschef.

Außenminister Raab forderte einen Beweis, dass die Prinzessin lebt und wohlauf ist. Das Video sei "sehr beunruhigend", und die britische Regierung werde mit allen ihren Partnern "immer" Menschenrechtsfragen ansprechen, einschließlich der Vereinigten Arabischen Emirate.

Der Fall ist für die britische Regierung auch deshalb heikel, weil die Vereinigten Arabischen Emirate in großem Stil Rüstungsgüter von britischen Firmen kaufen, die britische Armee wiederum hat Soldaten in Dubai stationiert. Der Scheich besitzt zudem zahlreiche Immobilien im Land und betreibt mehrere Pferdefarmen.

Die frühere Prinzessin von Dubai, Haya, mit ihrem Ehemann Scheich al Maktum | Bildquelle: EPA
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Ihr gelang die Flucht: Prinzessin Haya, hier noch mit Ehemann

Nicht der erste Fall

Freunde der Prinzessin riefen die Vereinten Nationen nun zum Handeln auf, nachdem Botschaften vom Handy der Prinzessin offenbar inzwischen unterbunden wurden.

Latifas Sorgen um ihr Leben scheinen nicht unbegründet. Schamsa, eine ihrer älteren Schwestern, hatte im Jahr 2000 versucht, nach Großbritannien zu fliehen. Doch auch sie wurde nach Dubai zurückentführt, seither fehlt von ihr jedes Lebenszeichen.

Mehr Glück hatte eine der Ehefrauen des Scheichs. Prinzessin Haya, offiziell die zweite Gattin, floh 2019 mit zwei Kindern nach Großbritannien. Der Versuch ihres Gatten, gerichtlich ihre und die Rückkehr ihrer Kinder nach Dubai zu erzwingen, scheiterte.

Es ist ein bemerkenswertes Urteil, das das Hohe Gericht in der Angelegenheit fällte: Latifa und Schamsa seien entführt und Haya sei eingeschüchtert worden. Verantwortlich dafür sei: der Scheich selbst.

Mit Informationen von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Februar 2021 um 23:00 Uhr.

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