Ukraine-Konflikt Merkel und Biden für Abzug russischer Truppen

Stand: 15.04.2021 07:56 Uhr

Nach einem Telefonat haben Kanzlerin Merkel und US-Präsident Biden Russland aufgefordert, seine Truppen von der Grenze zur Ukraine abzuziehen. Derweil rätselt die NATO, warum Putin gerade jetzt ein solches Drohszenario aufbaut.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Joe Biden haben gemeinsam Russland aufgefordert, seine Truppenverstärkungen an der Grenze zur Ostukraine wieder abzubauen. Nur so könne eine "Deeskalation der Situation" erreicht werden, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert nach einem Telefonat Merkels mit Biden mit. Nach ukrainischen Angaben hat Russland inzwischen 41.000 Soldaten in dem Grenzgebiet zusammengezogen. Moskau spricht von "Kampftraining". In der Ostukraine gibt es seit Mitte Februar wieder verstärkt Kämpfe zwischen pro-russischen Rebellen und der Regierungsarmee.

NATO ruft Russland auf, Provokationen zu stoppen

Zuvor hatten die Außen- und Verteidigungsminister der 30 NATO-Staaten in einer Videoschalte über die Entwicklungen im Ukraine-Konflikt beraten. Der russische Truppenaufmarsch sei der größte seit der illegalen Annexion der Halbinsel Krim 2014 und Teil eines aggressiven Verhaltens, das Anlass zu großer Sorge gebe, erklärte Generalsekretär Jens Stoltenberg im Anschluss. Man rufe Moskau auf, die Provokationen sofort zu stoppen.

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin stellte der Ukraine bei seinem Europa-Besuch zudem weitere Waffenlieferungen in Aussicht. Man beliefere die Ukraine seit einiger Zeit mit Ausrüstung und stelle Ausbilder zu Verfügung, sagte er im Anschluss an die NATO-Beratungen. Je nach Bedarf würden die USA weiter solche Dinge tun. Stoltenberg ergänzte, er ermuntere die Alliierten, mehr bilaterale Unterstützung für das Partnerland zu leisten.

Warum macht Russland das?

Angesichts eines starken russischen Truppenaufmarsches entlang der Grenze zur Ukraine wächst derzeit die Sorge, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine erneut eskalieren könnte. Seit knapp sieben Jahren werden Teile der ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk entlang der russischen Grenze von moskautreuen Separatisten kontrolliert. Russland hatte sich zuvor zudem die zur Ukraine gehörende Schwarzmeerhalbinsel Krim mit ihren mehr als zwei Millionen Einwohnern einverleibt. Der Westen wertet dies als klaren Verstoß gegen das Völkerrecht und belegte Russland mit Sanktionen.

Die Frage, warum die Spannungen zuletzt trotz einer vereinbarten Waffenruhe wieder deutlich zugenommen haben, wird unterdessen kontrovers diskutiert. Bei der NATO wird unter anderem die These vertreten, dass Kremlchef Wladimir Putin testen will, wie weit die Unterstützung der neuen US-Regierung für die Ukraine geht. Als Schreckenszenario gilt, dass Russland mit den Aufständischen in der Ostukraine eine Großoffensive planen könnte, um sich den Zugriff auf den Nord-Krim-Wasserkanal bis zum Fluss Dnjepr zu sichern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. April 2021 um 08:00 Uhr.

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