Flüchtlinge, die vor dem äthiopischen Tigray-Konflikt geflohen sind | Bildquelle: AP

UN-Flüchtlingshilfswerk 80 Millionen Menschen auf der Flucht

Stand: 09.12.2020 10:45 Uhr

Die Zahl der Flüchtlinge weltweit ist laut Vereinten Nationen so hoch nie zuvor. Die Corona-Pandemie mit ihren vielen geschlossenen Grenzen verschärfte die Situation von Zwangsvertriebenen und Staatenlosen zusätzlich.

Mitte dieses Jahres waren mehr Menschen auf der ganzen Welt aus ihrer Heimat vertrieben als je zuvor. Ihre Zahl stieg auch während der Corona-Krise weiter an: Vorläufigen Zahlen zufolge seien nun mehr als 80 Millionen Menschen auf der Flucht, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit.

UNHCR-Chef Grandi warnt

UNHCR-Chef Filippo Grandi sprach von einem "weiteren düsteren Meilenstein" und warnte, die Zahl werde weiter wachsen, "falls die Staats- und Regierungschefs der Welt die Kriege nicht beenden". 

Ende 2019 waren bereits 79,5 Millionen Menschen auf der Flucht. Angesichts der Corona-Pandemie hatte UN-Generalsekretär António Guterres im März zu Waffenstillständen in Krisenländern aufgerufen. Dennoch hielt die Gewalt laut UNHCR in der ersten Hälfte des Jahres 2020 in Syrien, der Demokratischen Republik Kongo, Mosambik, Somalia, der Sahel-Zone und dem Jemen an und führte zu neuen Vertreibungen.

Die Corona-Krise habe "die bestehenden Herausforderungen für die Zwangsvertriebenen und Staatenlosen ernsthaft verschärft", erklärte das UNHCR.

Grenzen zu - auch für Notleidende

Auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle im April schlossen demnach 168 Länder ihre Grenzen ganz oder teilweise. 90 dieser Länder machten auch für Asylsuchende keine Ausnahme. 

Seither hätten zwar 111 Länder "pragmatische Lösungen" gefunden, um den reibungslosen Ablauf der Asylverfahren sicherzustellen, erklärte das UN-Flüchtlingshilfswerk.

Trotzdem sei die Zahl der Asylanträge in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Drittel zurückgegangen. Die Zahl der in Drittländer umgesiedelten Flüchtlinge sank um die Hälfte auf 17.400.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. Dezember 2020 um 10:21 Uhr.

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