Ein Stimmzettel für die Europawahl | Bildquelle: a (Korinth)

Umfrage zur Europawahl Eher dagegen - als für irgendwas

Stand: 26.04.2019 13:52 Uhr

Bei einer Wahl gibt man seine Stimme für die Politik einer bestimmten Partei. Soweit die Theorie. Bei der Europawahl wollen viele aber vor allem gegen etwas stimmen. Das ist jedenfalls das Fazit einer aktuellen Umfrage.

Jeder zehnte wahlberechtigte Europäer ist laut einer Umfrage fest entschlossen, bei der Europawahl Ende Mai für rechtspopulistische oder rechtsextreme Parteien zu stimmen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Danach liegt der Anteil dieser Wähler bei 10,3 Prozent. Auf der anderen Seite gaben immerhin 6,2 Prozent der Befragten an, sicher linksextreme oder linkspopulistische Parteien zu wählen.

Rund 52 Prozent erklärten dagegen, sie würden ihre Stimme niemals Parteien aus diesen Spektren geben. Zum Vergleich: Der Studie zufolge liegt der Anteil derjenigen, die in jedem Fall die Grünen wählen wollen, nur bei 4,4 Prozent.

Nachahmung für andere Parteien "gefährlich"

"Die populistischen Parteien haben es in relativ kurzer Zeit geschafft, sich eine stabile Stammwählerbasis zu schaffen. Ihre gleichzeitig hohen Ablehnungswerte zeigen aber auch, wie gefährlich es für andere Parteien wäre, die populistischen Parteien nachzuahmen", sagte Mitautor Robert Vehrkamp über das Ergebnis.

Insgesamt wird die Wahlentscheidung nach der Untersuchung bei der Mehrheit der Bürger von einer Anti-Haltung gegenüber Parteien geprägt - sie wollen vor allem gegen statt für einzelne Parteien stimmen. "Viele Bürger entscheiden sich nicht mehr für eine Partei, sondern wählen gegen solche Parteien, die sie am stärksten ablehnen", sagte der Experte der Stiftung.

23.700 Befragte in den zwölf größten EU-Staaten

Für die Studie mit dem Titel "Europa hat die Wahl - Populistische Einstellungen und Wahlabsichten bei der Europawahl 2019" wurden im Januar in den zwölf größten EU-Staaten mehr als 23.700 Menschen online befragt. Durch die repräsentativen Stichproben auf nationaler Ebene seien insgesamt 82 Prozent aller Wahlberechtigten abgedeckt worden, so Vehrkamp.

Die Bertelsmann-Studie bestätigt in der Grundtendenz frühere Umfragen. So hatte auch eine Umfrage des EU-Parlaments im Februar ergeben, dass die rechtsextreme ENF-Fraktion genauso wie die rechtspopulistische EFDD-Fraktion mit Stimmengewinnen rechnen können, während die europäischen Volksparteien und die Sozialdemokraten Verluste verbuchen müssten.

Im ARD-DeutschlandTrend von Anfang April hatte sich ein etwas anderes Bild ergeben. Hier wurde allerdings auch nur nach der Stimmungslage in Deutschland gefragt.

Für die rechtspopulistische AfD würden demnach elf Prozent der Wähler stimmen - vier Punkte mehr als bei der Europawahl 2014. Stärkste Kraft wären klar CDU/CSU, die auf 30 Prozent kommen. Das wären rund fünf Punkte weniger als 2014. Die Grünen verdoppeln ihr Ergebnis im DeutschlandTrend nahezu auf 19 Prozent. Die Europawahl findet in Deutschland am 26. Mai statt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. April 2019 um 14:00 Uhr.

Darstellung: