Bergsteiger auf dem Mount Everest | Bildquelle: AFP

Mount Everest Tödlicher Stau

Stand: 25.05.2019 15:20 Uhr

In nur wenigen Tagen hat der Ansturm auf den Mount Everest mehrere Todesfälle gefordert. Bergsteiger berichten von gefährlich langen Wartezeiten und Streitereien. Nepalesische Behörden haben eine andere Erklärung.

Von Sebastian Manz, ARD-Studio Neu-Delhi

Das Foto des nepalesischen Bergsteigers Nirmal Purja ist momentan eines der weltweit meistgeteilten in den sozialen Netzwerken: Es zeigt eine lange Schlange von Bergsteigern, die allesamt auf rund 8000 Metern Höhe warten müssen, um auf den Gipfel des Mount Everest zu gelangen. Entstanden ist es am Mittwoch.

"Normalerweise dauert es vier Stunden, um zum Gipfel zu gelangen. Diesmal hat es mehr als acht Stunden gedauert", beschrieb der ehemalige Elitesoldat Nirmal Purja dem Nachrichtensender ITV die Situation auf dem höchsten Gipfel der Welt. Er bezog sich dabei auf den letzten Abschnitt des Berges. "Die Leute waren in einem Ausnahmezustand. Es gab Streitereien, wer hinauf- und wer herunterklettern sollte."

Wartezeiten auf dem Gipfel

In den vergangenen Tagen starben zehn Menschen auf dem Mount Everest. Mediziner sehen einen Zusammenhang der Todesfälle mit dem Ansturm und den damit verbundenen Wartezeiten auf dem höchsten Berggipfel. Viele der Wartenden ziehen sich schwere Erfrierungen zu und leiden an extremer Erschöpfung. Das endet mitunter tödlich.

Der britische Extrembergsteiger Kenton Cool, der den Mount Everest vergangene Woche zum 14. Mal erklomm, sagt, es gelte mittlerweile auch bei untrainierten Abenteurern als angesagt, den höchsten Gipfel der Welt zu besteigen. Das habe aber fatale Folgen. 

"Von Jahr zu Jahr wird der Ansturm größer", sagt Cool. "Aber das durchschnittliche Niveau der Kletterer wird immer schlechter. Immer mehr Menschen da oben, die eigentlich keine ausreichende Befähigung dazu haben, führen zu der Situation, die wir jetzt haben."

Ein Tourist fotografiert den Mount Everest | Bildquelle: REUTERS
galerie

Nicht nur begehrtes Fotomotiv: Von Jahr zu Jahr werde der Ansturm auf den Mount Everest größer, berichten Bergsteiger.

Die Bergsteiger bringen Devisen

Der nepalesische Staat freut sich über die Devisen, die die ausländischen Klettertouristen ins Land bringen. Der Chef der nepalesischen Tourismusbehörde findet, höhere Gewalt sei Schuld am Stau auf dem Dach der Welt: "Es gibt eine natürliche Erklärung für die hohe Zahl der Bergsteiger auf dem Mount Everest", sagt Danduraj Ghimire. Der Hauptgrund sei das Wetter. "Es gibt nur ein paar kurze Zeitfenster im Jahr, in denen es möglich ist, den Gipfel zu erreichen."

Die nepalesischen Behörden sagen, sie könnten niemandem verbieten, auf den Mount Everest steigen zu wollen. Und so ist es wahrscheinlich, dass es in Zukunft immer häufiger zu tödlichen Staus auf dem Mount Everest kommt.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes wurde Nirmal Purja fälschlicherweise damit zitiert, dass der Weg vom Basislager zum Gipfel üblicherweise vier Stunde dauere. In dem Interview mit dem Nachrichtensender ITV bezog er sich dabei allerdings auf einen letzten Abschnitt des Berges.

Tödlicher Ansturm auf den Mount Everest
Sebastian Manz, ARD Neu-Delhi
25.05.2019 16:23 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Mai 2019 um 15:00 Uhr.

Darstellung: