Blick auf den leeren Petersplatz und die Gebäude des Vatikan | Bildquelle: AP

Geldwäsche und Unterschlagung Lange Haftstrafe für Ex-Vatikanbankchef

Stand: 21.01.2021 20:23 Uhr

Der Prozess gegen Ex-Vatikanbankchef Caloia galt als Symbol der Transparenz-Offensive des Papstes. Es ging um Geldwäsche, Unterschlagung und um Luxusimmobilien in Rom und Mailand. Nun ist das Urteil gefallen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

In der knapp 100-jährigen Geschichte der Vatikan-Justiz ist es ein Novum: Zum ersten Mal wird im Namen des Papstes für ein Finanzdelikt eine Gefängnisstrafe verhängt. Ebenso bemerkenswert: Die jetzige Verurteilung trifft nicht irgendwen, sondern einen der jahrzehntelang mächtigsten Finanzmanager im Vatikan.

Von 1989 bis 2009 agierte Angelo Caloia als Präsident der Vatikanischen Bank IOR, eingesetzt vom seinerzeitigen Papst Johannes Paul II. Jetzt, unter Papst Franziskus, haben die neuen Chefs der Vatikanbank ihren ehemaligen Präsidenten auf die Anklagebank gebracht. Eine Zeitenwende, sagt Vatikan-Experte und Buchautor Iacopo Scaramuzzi:

"Über Jahrzehnte war die IOR-Bank der Nebelhafen der vatikanischen Finanzen. Häufig wurde die Bank zur Geldwäsche genutzt, auch von der organisierten Kriminalität. In den vergangenen Jahren ist es jetzt ausgerechnet die IOR-Bank, die damit beginnt, verdächtige Geschäfte zu beanstanden."

Im Prozess ging es um schwindelerregende Summen. Um 59 Millionen Euro soll sich der ehemalige Bankchef zusammen mit seinem Anwalt Gabriele Liuzzo bereichert haben. Acht Jahre und elf Monate Gefängnis für beide lautete am Ende das Urteil des Vatikanischen Staatsgerichts, wegen Geldwäsche und Unterschlagung.

Angelo Caloia (Archiv 2013) | Bildquelle: picture alliance / ROPI
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Angelo Caloia - hier ein Bild aus dem Jahr 2013 - war der einst mächtigste Finanzmanager im Vatikan.

Luxuswohnungen in Rom und Mailand

Nach Ansicht des leitenden Richters Giuseppe Pignatone, einem ehemaligen italienischen Antimafia-Fahnder, haben Caloia und Liuzzo Immobilien des Vatikans deutlich unter Wert verkauft - und zwar an sich selbst. Über ein verschlungenes Netzwerk von Gesellschaften in Offshore-Steueroasen und in Luxemburg landeten die Immobilien, darunter Luxuswohnungen in Rom und Mailand, am Ende privat in den Händen des Bankchefs und seines Anwalts.

Erste Anstöße für interne Untersuchungen in der Vatikanbank hatte es 2014 durch den von Papst Benedikt eingesetzten IOR-Präsidenten Ernst von Freyberg gegeben. Papst Franziskus erhöhte in den Jahren danach den Druck im Rahmen seiner Transparenz- und Null-Toleranz-Offensive. Die erneuerte Vatikan-Bank machte ernst mit der internen Aufklärung. "Der Papst hat gesagt: Endlich werde der Deckel des Topfes von innen angehoben", sagt Scaramuzzi. "All die Mechanismen von gegenseitiger Kontrolle und Aufsicht, die erst von Benedikt und dann auf radikalere Art von Franziskus eingeführt wurden, zeigen Wirkung."

38 Millionen Euro beschlagnahmt

Im aktuellen Verfahren hat es die aktuelle Spitze der IOR-Bank abgelehnt, sich mit finanzieller Entschädigung durch die Beschuldigten zufrieden zu geben und die Nebenklage zurückzuziehen. Die Party sei vorbei, sagte einer der Anwälte der Vatikanbank, Fehlverhalten werde vom IOR jetzt ohne Toleranz verfolgt. Auf den Bankkonten der beiden Verurteilten, unter anderem in der Schweiz, wurden 38 Millionen Euro beschlagnahmt, die das Gericht nun eingezogen hat.

Trotz der Fortschritte beim Thema Transparenz, sagt Scaramuzzi, sei im Vatikan beim Thema Finanzen noch nicht längst alles eitel Sonnenschein: "Die Tatsache, dass es noch Prozesse gibt, die laufen oder demnächst beginnen müssen, zeigt, dass es neben menschlicher Schwäche weiter Korruption gibt, die im Vatikan ausgemerzt werden muss. Aber es zeigt sich, dass die eingeführten Mechanismen und Antikörper offensichtlich funktionieren."

Das jetzige Urteil ist erstinstanzlich. Ob die Verurteilten ihre Gefängnisstrafen antreten müssen, ist auch aufgrund ihres Alters fraglich. Der ehemalige Bankchef Caloia ist 81 Jahre alt, sein mitverurteilter Anwalt Liuzzo 97 Jahre. Beide haben gegen das Urteil Berufung angekündigt.

Vatikan verurteilt Ex-Bankchef wegen Geldwäsche
Jörg Seisselberg, ARD Rom
21.01.2021 19:41 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 21. Januar 2021 um 20:36 Uhr.

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