Der Facebook-Schriftzug an einer Wand. | Bildquelle: AP

"Boogaloo"-Anhänger Facebook legt Rechtsextreme lahm

Stand: 01.07.2020 09:37 Uhr

"Boogaloo" klingt skurril, ist aber auch der Name einer rechtsextremen US-Bewegung. Facebook hat jetzt Hunderte Konten von deren Anhängern gelöscht. Der Konzern steht wegen seines Umgangs mit Hassbotschaften unter Druck.

Facebook hat laut eigenen Angaben auf seinen Plattformen rund 320 Konten, mehr als 100 Gruppen und 28 Seiten eines rechtsextremen Netzwerks gesperrt. Die Gruppe werde ab sofort als "gefährliche Organisation" eingestuft und von allen Plattformen verbannt. Auch Posts, die Unterstützung für die Organisation äußerten, würden künftig gelöscht.

Das Netzwerk steht demnach der rechtsextremen "Boogaloo"-Bewegung nahe und nutzt manchmal auch deren Namen. Die Beteiligten bemühten "sich aktiv darum, für Gewalt gegen Zivilpersonen, Sicherheitskräfte, Beamte und Regierungsinstitutionen zu werben", erklärte Facebook. "Boogaloo"-Inhalte, in denen zu Gewalt aufgerufen werde, würden immer gelöscht, erklärte Facebook.

Mit "Boogaloo" bezeichnen Rechtsextremisten einen von ihnen angestrebten Bürgerkrieg in den Vereinigten Staaten. Schwer bewaffnete Anhänger der Bewegung waren in den vergangenen Wochen bei den Anti-Rassismus-Protesten in den USA in Erscheinung getreten.

Weltkonzerne kündigen Werbeboykott an

Facebook war wegen seines von vielen als zögerlich empfundenen Umgangs mit problematischen Inhalten zuletzt immer mehr in die Defensive geraten. Große Konzerne wie Coca-Cola, Unilever, Starbucks und Volkswagen kündigten an, ihre Werbung in sozialen Netzwerken bis auf weiteres auszusetzen.

Der Internet-Konzern verwies zur Rechtfertigung zwar auf die Meinungsfreiheit, kündigte aber an, mehr gegen Hassbotschaften zu tun. Das Unternehmen erklärte am Dienstag. Kritiker wenden ein, dass Facebook trotz der jüngsten Maßnahmen in den USA weltweit noch viel Arbeit vor sich hat.

Kritik am Umgang mit Trump-Posts

Facebook steht so zum Beispiel für seinen Umgang mit den Posts von US-Präsident Donald Trump in der Kritik. Diese überschreiten nach Ansicht vieler Beobachter die Grenzen zu Gewaltverherrlichung oder manipulativer Darstellung. Anders als seit neuestem etwa Twitter war Facebook nicht gegen umstrittene Trump-Posts vorgegangen.

Gestern hatte die Online-Plattform Reddit neue Schritte zur Bekämpfung von Hassbotschaften und Gewaltverherrlichung bekanntgegeben und dabei auch die bei vielen Trump-Unterstützern beliebte Gruppe "r/The_Donald" geschlossen. Zunächst wurden rund 2000 Gruppen gesperrt.

Auch die Streamingplattform Twitch sperrte einen Account von Trumps Wahlkampfteam vorübergehend.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. Juli 2020 um 09:45 Uhr.

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